Eisbaden: Darauf muss man dringend achten | Weather.com
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Eisbaden: Darauf muss man dringend achten

Kalt, kälter, Eisbaden: Während manche Menschen bei Minusgraden nicht mal im dicken Wintermantel vor die Tür gehen, gibt es Hartgesottene, die bei frostigem Wetter gar in Seen oder Flüsse steigen.

Eine Frau schwimmt bei einstelligen Temperaturen und Nebel im Schwarzachtalsee. Foto: Thomas Warnack/dpa
"Niemals alleine ins Wasser gehen", rät Mediziner Achim Wiese „Wenn man sonst in Not gerät, ist man auf sich alleine gestellt und das kann ganz schnell schief gehen.“
(dpa)

Was für Frostbeulen nach einem Albtraum klingt, ist für einige Unerschrockene purer Spaß, belebend und gesundheitsfördernd: das Baden in eiskaltem Wasser. Darunter wird gemeinhin verstanden, dass Schwimmer bei Temperaturen um den Gefrierpunkt etwa bis zur Brust in kalte Gewässer steigen und dort einige Sekunden oder gar Minuten aushalten.

In einigen nordischen Ländern wie Schweden und Finnland ist Winterschwimmen durchaus verbreitet, die Schwimmer schneiden zum Teil Löcher in gefrorene Seen, um ins Eiswasser zu gelangen. Für Eislöcher ist es zwar in Deutschland meist nicht kalt genug, Eisschwimmen ist aber auch hierzulande durchaus möglich und gesund – wenn einige Sicherheitstipps beachtet werden. Das Eisbaden könne durchaus gesund sein, sagt Achim Wiese, Sprecher der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft). Allerdings gebe es bei dem Gang ins eiskalte Nass Einiges zu beachten.

Niemals alleine ins Wasser

„Das allerwichtigstes ist, dass niemand alleine zum Eisbaden geht“, sagt Wiese, dessen Arbeitgeber – der DLRG – die weltweit größte Organisation der Wasserrettung ist. „Wenn man sonst in Not gerät, ist man auf sich alleine gestellt und das kann ganz schnell schief gehen.“ Er rät, mindestens zu zweit zum Eisbaden zu gehen und am besten jemanden dabei zu haben, der vom Ufer aus aufpasst und notfalls helfen oder Hilfe holen kann.

Temperatursturz bringt Kreislauf in Schwung

Grundsätzlich ist der Köper ist beim Eisbaden wegen des Temperatursturzes extremem Stress ausgesetzt. Das muss aber nicht zwingend schlecht sein. „Im Gegenteil: Der Kreislauf kommt in Schwung, die Durchblutung wird gefördert und das Immunsystem kann gestärkt werden“, sagt Wiese. Denn während sich beim Kontakt mit der Kälte zunächst die Gefäße zusammenziehen, versucht der Köper schnellstmöglich Wärme zu produzieren – die Gefäße weiten sich wieder, das Blut zirkuliert schneller und der Kreislauf stabilisiert sich. „Es werden sogar Hormone wie Adrenalin und Endorphine ausgeschüttet“, sagt der Wasserexperte. „Kommt dann das Wärmegefühl zurück, finden das viele als leistungssteigernd und angenehm.“

Vorher ab zum Arzt

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Weil nicht jeder Köper richtig auf die extremen Temperaturschwankungen reagieren kann, rät Wiese, vor dem ersten Gang ins Wasser mit dem Hausarzt zu sprechen. „Der Stressfaktor für den Köper kann im ungünstigsten Fall zu Herz-Rhythmus-Störungen führen. Wenn sich die Adern zu schnell zusammenziehen kann das einen Schlaganfall oder Herzinfarkt auslösen.“ Vor allem Menschen mit Vor- und Gefäßerkrankungen sollten sich dringend beraten lassen, ob der eiskalte Spaß etwas für sie ist.

Wie lange ist zu lang?

Wie lange der Eisbader im Wasser bleiben soll, lässt sich laut DLRG-Sprecher nicht pauschal beantworten. „Wenn’s mir zu kalt wird, muss ich raus“, sagt er. „Egal wie lange ich schon drin war.“ Wichtig sei, vorher gut aufgewärmt zu sein und langsam, aber entschlossen ins Wasser zu gehen und den Kopf besser nicht nass zu machen. „Auf keinen Fall sollte ins Wasser gesprungen werden“, warnt Wiese. „Ideal ist auch, nur so weit zu gehen, wie ich noch stehen kann, damit ich jederzeit sicher wieder aus dem Wasser rauskomme.“ Und danach? Unbedingt sofort abtrocken und warm anziehen, rät der Experte.

Sie wissen, was sie tun

Auch wenn sich in sozialen Medien der Trend scheinbar derzeit verbreitet, eine übermäßige Zunahme von Eisbadern kann Wiese persönlich nicht feststellen. „Das ist sicher nicht neu. Auch das traditionelle Anbaden, wo sich ganze Gruppen verabreden und teils in Badekleidung von vor hundert Jahren schwimmen, gibt es schon seit vielen Jahren“, sagt er. „Dass sich aktuell aber besonders viele ins Eiswasser trauen, kann ich so nicht bestätigen.“ Auch mehr Rettungen seien daher nicht notwendig. „Wir haben da ohnehin kaum Einsätze“, sagt Wiese. „Die, die das mit dem Eisbaden machen, die wissen auch, was sie tun.“

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