Unterschätze Belastung: Giftige Dämpfe im Flugzeug können auch für Passagiere gefährlich werden | The Weather Channel
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Unterschätze Belastung: Giftige Dämpfe im Flugzeug können auch für Passagiere gefährlich werden

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In der Flugzeug-Kabine atmen Passagiere und Crew Luft mit zum Teil toxischen Substanzen
(Colourbox)

 

Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Übelkeit oder Verwirrung – immer wieder klagen Fluggäste oder Besatzungsmitglieder nach Flügen über solche Symptome. Als Ursache geraten zunehmend sogenannte Fume Events in Verdacht. Damit werden Vorfälle beschrieben, bei denen möglicherweise giftige Dämpfe aus den Turbinen in die Kabinenluft gelangen. Werden sie eingeatmet, so die Vermutung, lösen sie das sogenannte aerotoxische Syndrom aus, hinter dem sich eine ganze Reihe gesundheitlicher Beschwerden verbergen. Ein Überblick.

Was sind Fume Events?

Die Luft, die Fluggäste und Crew in den meisten modernen Passagierjets atmen, stammt aus einem komplexen System aus Klimaanlagen, Verdichtern und Wärmetauschern. Diese recyceln die verbrauchte Luft aus der Kabine und mischen ihr zusätzlich Frischluft von außen bei. Weil diese jedoch in der üblichen Reiseflughöhe von rund 10.000 Metern viel zu dünn zum Atmen ist, wird sogenannte Zapfluft oder Bleed Air verwendet. Diese wird aus den Kompressoren entnommen, die in den Düsentriebwerken die Außenluft für die Treibstoffverbrennung vorverdichten.

Allerdings wird Bleed Air vor der Einleitung in die Kabine nicht gefiltert. Treten in den Triebwerken durch undichte Leitungen Kerosin, Öl oder Hydraulikflüssigkeiten aus, dann können sie aufgrund der hohen Temperaturen verdampfen und über die Zapfluft in die Kabine gelangen. Dort atmen Passagiere und Crew die zum Teil toxischen Substanzen dann ein. Diese sogenannten Fume Events, die weltweit mehrere Male pro Woche vorkommen, sind für Passagiere oft schwer zu erkennen, denn sie sind unsichtbar und häufig auch geruchlos.

Was ist das aerotoxische Syndrom?

Der Begriff ist keine offiziell anerkannte Krankheitsbezeichnung, sondern eine Zusammenfassung verschiedener Symptome, über die Patienten immer wieder klagen, die einem Fume Event ausgesetzt waren. Kurzfristig können dazu nach Angaben von Betroffenenorganisationen beispielsweise Kopf- und Halsschmerzen, Nasen- und Augenirritation, Atembeschwerden, Schwindel, Übelkeit oder Durchfall gehören. Auch über Verwirrung oder sogar Gedächtnisverlust klagen manche Patienten. Langfristige Folgen eines Fume Events können demnach unter anderem Nervenschäden, Muskel- oder Gelenkschmerzen, chronische Müdigkeit und Konzentrationsprobleme sein.

Seit 2014 hat die Arbeits- und Umweltmedizinerin Dr. Astrid Heutelbeck von der Universitätsmedizin Göttingen mehrere hundert Patienten untersucht, die über gesundheitliche Probleme nach einem Fume Event klagten. Mit international standardisierten diagnostischen Verfahren stieß sie dabei immer wieder auf gesundheitliche Störungen, vor allem in den Bereichen der kognitiven Leistung, des peripheren Nervensystems und der Lungenfunktion. „Fest steht: Die Symptome waren nicht eingebildet sondern vor dem Hintergrund der gefundenen funktionellen Einschränkungen durchaus plausibel“, so die Medizinerin. Besonders betroffen seien Crewmitglieder, aber in einem geringeren Maße auch Passagiere.

Was sagen die Airlines? 

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Für die Luftverkehrswirtschaft hat nach eigener Aussage die Sicherheit von Fluggästen und Crews oberste Priorität. „Deshalb wird jeder Vorfall, bei dem merkwürdige Gerüche an Bord auftreten – und sei es ein verbranntes Brötchen – genau untersucht“, so der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e. V. (BDL) in Berlin. Als wichtigstes Instrument zur Sicherung der Kabinenluftqualität nennt der Verband ein Meldesystem, mit dem Fluggesellschaften und Besatzungen die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) über Fume Events informieren.

Dass die Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen sicher sei, hätten darüber hinaus eine dreijährige Untersuchung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) im Jahr 2012 sowie zahlreiche andere Studien, Messungen und Untersuchungen auf nationaler und internationaler Ebene ergeben, auf die der BDL in einem aktuellen Sachstandbericht hinweist. Weiterhin habe man einen Dialog mit Flugzeugbauern, Triebwerksherstellern und Produzenten von Ölen, Sensoren und Filtern ins Leben gerufen, „um auch in Zukunft gemeinsam alle Gefährdungspotentiale für Kabinenluft auszuschließen“.

Was fordern die Betroffenen?

Nicht nur zahlreiche Patienten, die ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf Fume Events zurückführen, halten ein reines Meldewesen für unzureichend. Auch viele Besatzungsmitglieder fordern von Airlines und Flugzeugherstellern zusätzliche Maßnahmen. So fordert die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, alle Passagierjets mit spezieller Sensor- und Filtertechnik auszurüsten, um die Gefahr durch Fume Events zu minimieren und Neuentwicklungen mit alternativen Systemen zur Frischluftzufuhr auszurüsten. Dass dies technisch möglich ist, zeigt der Boeing 787 Dreamliner: Er ist das aktuell einzige gängige Verkehrsflugzeug, bei dem die Außenluft unabhängig von den Triebwerken aufbereitet wird.

Die Universitätsmedizin Göttingen hatte eine Sprechstunde für Fume Events, die inzwischen wieder eingestellt worden ist. Seitdem gibt es im Fall von Beschwerden keine institutionalisierte Anlaufstelle mehr. Betroffene von kontaminierter Kabinenluft haben eine Petition gestartet, die Sprechstunde wieder zu eröffnen. Hier geht es zur Petition.

Wie kann man sich als Passagier schützen?

Der Patienteninitiative Contaminated Cabin Air e.V. zufolge gibt es zur Minderung des Risikos lediglich die Möglichkeit weniger zu fliegen. Wer den Verdacht hegt, dass sich während eines Fluges ein Fume Event ereignet, dem rät die Initiative so viele relevante Informationen wie möglich festzuhalten – beispielsweise Zeitpunkt, Dauer und Art des Geruchs sowie eventuelle Symptome, und sich darüber hinaus mit anderen potenziell betroffenen Passagieren auszutauschen und zu vernetzen. Ungewöhnliche Krankheitssymptome nach dem Flug sollte man demnach schnellstmöglich vom Arzt abklären lassen.

 

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