Wetter, Gene oder Aerosole: Woher kommt die gefährliche Kinderkrankheit KD?
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Wetter als möglicher Auslöser: Ärzte sind rätselhafter Kinderkrankheit auf der Spur

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Die Studie lässt vermuten, dass das episodische Auftreten der Krankheit zumindest teilweise vom regionalen Wetter beeinflusst wird.
(Getty Images)

Hohes Fieber setzt ein, die Zunge färbt sich tiefrot, die Lymphknoten schwellen an und die Glieder schmerzen. Im späteren Verlauf kommt Erbrechen hinzu und die Haut schält sich. Zunächst ähnelt das Kawasaki-Syndrom, das besonders bei Kindern im Alter zwischen drei und fünf Jahren auftritt, einer Erkältung oder Scharlachinfektion.

Das Tückische am Kawasaki-Syndrom, auch mukokutanes Lymphknotensyndrom genannt, sind die Entzündungen der Gefäßwände im gesamten Körper. Rechtzeitig erkannt, stehen die Heilungschancen gut. Bleibt das Kawasaki-Syndrom unbehandelt, können sich Herzgefäße entzünden, was im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen kann. 

Hauptursache für Herzkrankheiten bei Kindern

Der US-Kinderärztin Jane Burns zufolge ist das Kawasaki-Syndrom die Hauptursache für Herzkrankheiten bei Kindern.

Denn ohne Behandlung der Krankheit entwickelt jedes vierte Kind Aneurysmen. Durch diese Auswölbungen der Herzkranzgefäße steigt das Risiko, eine Herzschwäche oder gar einen Herzinfarkt zu erleiden. 

Detektivarbeit bei der Suche nach dem Auslöser der Krankheit

Auf der Suche nach den Auslösern des Kawasaki-Syndroms tappen die Forscher im Dunkeln. Nun gibt es neue Anhaltspunkte.

Bisher haben Mediziner nach nur einem Auslöser für die Krankheit gesucht. Doch eine Studie der Forscher der University of California San Diego School of Medicine legt nahe, dass es mehrere potenzielle Auslöser geben könnte: „Zum ersten Mal haben wir festgestellt, dass die Krankheit mit verschiedenen Verlaufsmustern auftritt, was auf unterschiedliche Ursachen hindeutet“, sagte Jane C. Burns, Kinderärztin am Rady Children’s Hospital in San Diego und Leiterin des UC San Diego Kawasaki Disease Research Centers.

In einer vorangegangenen Studie hatte ein Forscherteam vom katalanischen Forschungsinstitut (ICREA) in Barcelona Aerosol-Proben im Jahr 2015 in Japan gesammelt. Auch Burns war damals an der Studie beteiligt. Bei den in Japan gesammelten Luftproben fiel auf, dass es dort einen hohen Anteil an speziellen Hefepilzen gab. Beweise, dass diese für die Krankheit verantwortlich sind, wurden aber nicht gefunden. 

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Das Kawasaki-Syndrom kommt am häufigsten in Asien vor. In Japan gibt es Ärzten zufolge mehr als 16.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Doch auch in den USA verzeichnen Ärzte vor allem im kalifornischen San Diego zunehmend mehr Erkrankungsfälle.

Wahrscheinlich Folge verschiedener Wetterbegebenheiten

In der aktuellen Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlicht wurde, untersuchten Burns und ihr Team neben der geografischen Verteilung von 1164 Krankheitsfällen, die über einen Zeitraum von 15 Jahren am Rady Children's Hospital in San Diego behandelt wurden, auch die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt der Erkrankungen.

So zeigte sich der Medizinerin nach, dass das Auftreten der Entzündungskrankheit wahrscheinlich durch ein Zusammenspiel aus Temperatur, Niederschlag und Windbegebenheiten beeinflusst wird. Burns zufolge herrschte während des episodischen Auftretens der Krankheit, in einigen der von ihr untersuchten Fälle in San Diego, Tage zuvor bereits ein überdurchschnittlich hoher Luftdruck.

Luftdruck im Verdacht

Bei acht Kindern sei das Kawasaki-Syndrom diagnostiziert worden. Die Studie bringt zwei Tiefdruckgebiete in San Diego mit zwei unterschiedlichen Gruppen der Krankheit in Verbindung. „Unsere Untersuchung deutet darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen der großflächigen Umgebung, den weitreichenden Entwicklungen unseres Klimas und dem Auftreten der Krankheitsgruppen besteht“, erklärte Burns.

Die Kinderärztin rät dazu, auch Luftpartikel als Auslöser in Betracht zu ziehen: „Bei der Suche nach den verantwortlichen Umweltfaktoren sollte sich die Forschung vor allem auf Aerosole konzentrieren, die von Patienten mit gemeinsamen Krankheitsmerkmalen eingeatmet wurden.“

Doch alles eine Frage der Genetik?

Als ein weiterer möglicher Auslöser wird die genetische Veranlagung gehandelt: Die Anzahl der registrierten Krankheitsfälle in San Diego sind bei Kindern asiatischer Abstammung deutlich höher. So wurde über den Zeitraum von 2006 bis 2015 eine Erkrankungsrate von 25 pro 100.000 Kindern unter fünf Jahren in San Diego County ausgemacht. Die meisten kleinen Patienten hatten einen asiatischen Hintergrund (50 von 100.000). 

In den USA liegt die Rate bei etwa 19 bis 25 Fällen pro 100.000 Kindern unter 5 Jahren - bei Kindern asiatischer Abstammung ist sie jedoch auch hier höher. In den letzten Jahren hat die Häufigkeitsrate von

In Deutschland kommt die Krankheit selten vor. Schätzungen zufolge erkranken hierzulande 9 von 100.000 Kindern unter 5 Jahren am Kawasaki-Syndrom. Doch das macht diese Entzündungskrankheit noch gefährlicher. Weil sie selten auftritt, könnte sie aufgrund ihrer Symptome die anderen typischen Infektionskrankheiten ähneln, übersehen werden. Daher ist es wichtig, bei Verdacht auf das Syndrom einen Kinderarzt aufzusuchen.  

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