Wie kommen Igel am besten über den Winter | Weather.com
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So kommen Igel am besten über den Winter

Ab Ende Oktober beginnen Igel mit der Überwinterung. Foto: GettyImages
Ab Ende Oktober beginnen Igel mit der Überwinterung.
(GettyImages)

Der Spätsommer ist die Jahreszeit, in der sich Igelmütter zurückziehen, um ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Ab Ende Oktober oder Anfang November beginnen die stacheligen Tierchen dann mit der Überwinterung: Mit nur kurzen Unterbrechungen ziehen sie sich für die nächsten fünf bis sechs Monate in kuschelig ausgepolsterte Verstecke zurück und halten Winterschlaf. Wie Sie den niedlichen Gartenbewohnern das Leben in der Vorbereitung auf den Winterschlaf einfacher machen können, verrät unser Überblick.

Was Igel am liebsten fressen 

Um sich für den bevorstehenden Winter ausreichende Fettreserven anfressen zu können, benötigen Igel im Herbst ausreichend Nahrung. Am liebsten fressen sie kleine Insekten, Larven, Regenwürmer und ähnliches. Wer seinen Garten möglichst unaufgeräumt und naturnah belässt, der schafft eine gute Lebensgrundlage für diese Art von Tieren – und damit auch für Igel.

So sieht ein igelfreundlicher Garten aus 

  • Laub-Unterschlupf: Die kleinen Säuger profitieren von Ecken, in denen das Gras auch mal etwas länger werden darf genauso wie von Beeten, in denen das abgefallene Laub nach dem Herbst einfach liegen gelassen wird. In kleinen Anhäufungen aus Strauchschnitt und anderen Gartenabfällen finden sie neben Nahrung auch Nistmaterial oder sogar gleich eine Unterschlupfmöglichkeit. 
  • Totholzhecken: Auch von Menschenhand geschaffene Lebensräume wie Trockenmauern oder Totholzhecken können Igel für ihren Vorteil nutzen. Übrigens: Tut man auf diese Weise den Igeln etwas Gutes, profitieren davon ganz automatisch auch viele andere Tierarten wie Singvögel und Bienen. 
  • Einheimische Pflanzen statt Exotik: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bepflanzung des Gartens: Ideal ist eine abwechslungsreiche Mischung aus einheimischen Pflanzen. Zuchtpflanzen aus aller Welt mögen zwar schön fürs Auge sein – weil sie aber nicht Bestandteil der hiesigen Nahrungskette sind, bieten sie den Beutetieren der Igel keinen Lebensraum. „Ein mitteleuropäischer Schmetterling kann seine Eier beispielsweise nicht auf einem Kirschlorbeer aus Asien ablegen – seine Raupen können dort nicht überleben“, erläutert der Biologe Peer Cyriacks von der Deutschen Wildtier Stiftung in Hamburg. 

Garten muss erreichbar sein

Igel legen auf der Suche nach Nahrung lange Wege zurück. Doch auch der wildeste und igelfreundlichste Garten nützt ihnen nichts, wenn sie nicht hineinkommen. „Ganz wichtig ist es daher, den Tieren diesen Lebensraum auch erschließbar zu machen“, sagt Martina Gehret, Igelexpertin Autorin des Sachbuchs ‚Igel ganz nah‘.

So macht ein Durchschlupf mit einer Größe von rund zehn bis 13 Zentimetern jeden Zaun auch für Igel überwindbar. Bei einem Maschendrahtzaun, beispielsweise, muss verhindert werden, dass sich die Tiere im Maschendraht verfangen. Dafür sollten diese Zäune am unteren Ende etwas aufgebogen werden.

Füttern nur in Ausnahmen! 

Generell kommen Igel auch ohne menschliche Hilfe gut zurecht. Experten raten daher eher davon ab, den Kleinsäugern zusätzliches Futter bereitzustellen. Die Gründe sind vielfältig:

  • Igel sind bequem und verfressen. Sie fordern bald ihr regelmäßiges Futter ein, sollen aber Wildtiere bleiben und ihr Gewicht halten.
  • Gefütterte Igel gehen möglicherweise nicht in den Winterschlaf.
  • Futterstellen könnten Füchse, Katzen, Ratten und Mäuse anziehen.
  • Igel können sich an verschmutzten Futterstellen Krankheiten einfangen - von Igel zu Igel
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Ausnahmen sollte man nur zu besonders nahrungsarmen Zeiten wie dem Spätherbst machen oder wenn man ein verletztes Tier auffindet. Verletzte Igel benötigen aber nicht nur Futter, sie müssen auch zum Tierarzt, um wieder gesund zu werden.

Das ist das richtige Futter

Am einfachsten und günstigsten ist eiweiß- und fettreiche Igelnahrung aus Katzenfeuchtfutter zu zubereiten, zur besseren Verdaulichkeit sollte ein Löffel Haferflocken beigemischt werden. Auch gekochtes und ungewürztes Hähnchen- oder Hackfleisch sowie Rührei eignen sich. Mit einem Futterhaus, einem kleinen Holzhäuschen mit einem etwa zehn Zentimeter großen Schlupfloch, stellt man sicher, dass das Futter auch wirklich den Igeln zugute kommt und nicht etwa der Nachbars Katze.

Jeden Tag frisches Wasser 

Anders als mit dem Fressen verhält es sich mit dem Flüssigkeitsbedarf. „Igel brauchen jeden Tag frisches Wasser, was aber nicht überall leicht zu finden ist“, sagt Gehret. Als Gefäß eignen sich beispielsweise ein Blumenuntersetzer oder eine Untertasse, die flach sind und nicht umkippen können. Das Trinkwasser sollte täglich gewechselt und die Schale stets gesäubert werden. Gartenteiche können Igeln jedoch ebenfalls als Trinkwasserquelle dienen. Hier ist eine flache Uferzone oder auch ein Brett als Ausstiegshilfe wichtig.

Vorsicht bei der Gartenarbeit

In hohem Gras oder unter Hecken und Laub sind die kleinen Igel leicht zu übersehen – entsprechend groß ist die Verletzungsgefahr durch motorisierte Gartengeräte wie Rasenmäher, Kantenschneider oder Laubsauger. Peer Cyriacks von der Deutschen Wildtier Stiftung zufolge stellen die elektrischen Gartenhelfer für Igel tatsächlich eine fast so große Gefahr dar wie Autos oder Rattengift.

„Auch wenn sie von den Geräten nicht unmittelbar getötet werden, können sich die verursachten Verletzungen leicht entzünden und so zum Tod führen“, so der Biologe. Schwer einsehbare Stellen sollte man daher vor der Gartenarbeit auf Igel kontrollieren. Noch besser: Gras und Hecken – ganz im Sinne der Naturnähe – einfach sprießen lassen und angehäufte Gartenabfälle erst im späten Frühjahr wegräumen.

Weitere wissenswerte Informationen rund um den Igel hat der LBV und die Wildtierstiftung zusammengestellt.

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