Amsterdam will Fatbikes verbieten | Weather.com
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Terror auf dem Radweg: Amsterdam erlässt Verbot

Fahrräder gehören zu den Niederlanden wie Tulpen. Doch längst sind nicht nur fröhliche Holländer auf gemütlichen Oma-Rädern unterwegs. Jetzt greift die Stadt Amsterdam durch.

09.01.2013, Niederlande, Amsterdam: Häuser an der Herengracht spiegeln sich im Wasser in Amsterdam. Amsterdam führt eine Umweltzone für Boote im von Grachten durchzogenen Stadtzentrum ein. (Jerry Lampen/dpa)
09.01.2013, Niederlande, Amsterdam: Häuser an der Herengracht spiegeln sich im Wasser in Amsterdam. Amsterdam führt eine Umweltzone für Boote im von Grachten durchzogenen Stadtzentrum ein.
(Jerry Lampen/dpa)

Am Eingang vom Amsterdamer Vondelpark schlendert ein Touristen-Pärchen über den breiten Weg - da kommt wie aus dem Nichts ein schwarzes Bike und rast knapp vor ihnen vorbei. "O my god", ruft die junge Frau erschrocken. Beide versuchen, schnell die rettende andere Seite des Weges zu erreichen, während links und rechts E-Bikes vorbeischießen.

Solche Szenen sind Alltag in Amsterdam und treffen längst nicht nur ahnungslose Touristen. "Es ist ein Dschungel hier", sagt Henk, der Getränke im Park verkauft. "Am schlimmsten sind die Fatbikes."

Diese niedrigen, oft schwarzen Räder mit breiten Reifen können bis zu 50 Kilometer pro Stunde fahren, und sind der Schrecken für Fußgänger und andere Radfahrer. Amsterdam greift nun ein und wird Fahrverbote für die Fatbikes verhängen.

Schluss mit Fiets-Idylle

Fahrräder – fietsen – gehören zu den Niederlanden wie Tulpen und Tomaten. Es gibt mehr Räder als Einwohner, und zwei Drittel der Niederländer radeln regelmäßig – im Schnitt 267 Kilometer in der Woche. Und immer häufiger auf einem E-Bike. Jeder Dritte hat eins.

Doch seit dem Aufkommen der E-Bikes ist es Schluss mit der Idylle von gemütlich radelnden Holländern auf Oma-Rädern. Denn viele E-Bikes fahren deutlich schneller als die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h. Und hier stechen vor allem die Fatbikes ins Auge: kompakte, oft schwarze Gefährt mit langem Buddy-Sattel und sehr dicken Reifen von etwa zehn Zentimetern - daher auch der Name Fatbike.

Das hippe Rad ist vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen populär. Die rasen oft zu zweit, Handys in der Hand, über Radwege und durch Parks. Ohne Helm, versteht sich.

27.02.2026, Niederlande, Amsterdam: Menschen fahren mit Fatbikes durch die Innenstadt. (Annette Birschel/dpa)
27.02.2026, Niederlande, Amsterdam: Menschen fahren mit Fatbikes durch die Innenstadt.
(Annette Birschel/dpa)

"Dass Kinder damit fahren dürfen? Das ist Wahnsinn", sagt die 60 Jahre alt Loes. Sie fährt nicht mehr mit dem Rad ins Zentrum. "Du hörst sie gar nicht, und dann ist es zu spät: Du wirst einfach umgenietet."

Bis zu 50 Kilometer pro Stunde

Fatbikes haben oft viel stärkere Motoren als gewöhnliche E-Bikes. Sie sind simpel per Gasschalter so einzustellen, dass sie 40 oder 50 km/h erreichen – ohne dass man auch nur einmal aufs Pedal treten muss. Deswegen sind die wendigen Flitzer übrigens auch sehr beliebt bei Kriminellen, wie die Polizei weiß.

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Die Klagen über asoziales Fahrverhalten nehmen zu – und auch die Zahl der schweren Unfälle. 2024 mussten sich etwa 15.000 Menschen nach einem Unfall mit einem E-Bike im Krankenhaus behandeln lassen, mindestens 5000 Fatbike-Fahrer waren beteiligt, und jeder zweite war jünger als 16 Jahre alt. Mehr als 100 Menschen überlebten so einen Unfall nicht. Zahlen für 2025 gibt es noch nicht.

Mindestalter und Helmpflicht

Immer mehr Kommunen wollen nun die Fatbikes stoppen. Enschede im Osten des Landes kündigte als erste Stadt ein Fatbike-Verbot in der City an. Amsterdam folgt und will Fahrverbote für bestimmte Gebiete, darunter der populäre Vondelpark. "Ich bekomme jede Woche Berichte von Amsterdamern, die sich nicht mehr aufs Fahrrad trauen und mich anflehen, Fatbikes zu verbieten", sagt die für Verkehr zuständige Stadträtin, Melanie van der Horst.

Ein Bann der Fatbikes steht auch ganz oben auf der Wunschliste der neuen Regierung in Den Haag. Und auch das Parlament will ein Mindestalter von 16 Jahren, eine Helmpflicht und Fatbike-freie Zonen einführen.

Doch Juristen halten dies für unausführbar. "Das ist ein heilloser Weg", lautet das Fazit eines Gutachtens im Auftrag der Regierung. Besondere Regeln für Fatbikes würden vor Gericht nicht standhalten. Denn im Prinzip ist ein Fatbike nichts anderes als ein E-Bike – nur mit dickeren Reifen.

Am Nutzen der Regeln zweifelt auch der Verkehrsjurist bei der Rechtsschutzversicherung DAS, Rembrandt Groenewegen. "Die Hersteller werden dann versuchen, die Regeln zu umgehen und produzieren eben Skinnybikes, mit dünneren Reifen". Langfristig würden nur Maßnahmen für alle E-Bikes etwas bringen.

Händler drohen mit Klagen

Hersteller und Händler drohen auch bereits mit Prozessen. Für die Probleme sorgten schließlich nicht das Äußere der Bikes, sondern die oft jungen Fahrer, sagt Fatbike-Händler Armando Muis in der Amsterdamer Zeitung Het Parool. Entweder gebe es Regeln für alle E-Bikes, oder keine. "Warum nicht eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h, ein Nummernschild oder eine Helmpflicht?"

Auch der Verband der Radfahrer, der Fietsersbond, fragt sich, was neue Regeln bringen sollen. Schließlich sind ja jetzt schon Geschwindigkeiten von über 25 km/h ebenso verboten wie Radeln mit dem Handy in der Hand. Doch die Polizei greife kaum durch.

Außerdem, klagt der Radfahrer-Verband, gebe es zu wenig Qualitätskontrollen. Viele Fatbikes mit zu starken Motoren und schlechten Bremsen werden aus China importiert und online oft zu Dumpingpreisen verkauft ab 650 Euro. Sie sind eigentlich gar nicht zugelassen – doch wer kontrolliert das schon.

Der Helm als Rettung

Eine Hoffnung ist nun, dass eine Helmpflicht dem Fatbike-Hype ein Ende bereiten könnte. Viele verweisen auf gute Erfahrungen mit der Helmpflicht für Mofafahrer. Mit einer Helmpflicht könnte das Fatbike nicht mehr hip sein, vermutet auch der Verkehrsjurist Groenewegen: "Ein Helm bringt die Frisur durcheinander, das kann für junge Leute eine Hürde sein."

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