5 Gründe, warum Nordperu ein Geheimtipp ist | Weather.com
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Natur, Kultur und kaum Touristen: Reise in Perus unbekannten Norden

Anden und Amazonas. Küste und jahrtausendealte Kultur. Wüste und Wundertiere: Peru ist in jeder Hinsicht vielfältig. Das gilt auch für unbekanntere Regionen, wie den Norden des Landes. Unser Reise-Geheimtipp des Jahres.

771 Meter stürzt der Gocta-Wasserall in die Tiefe – und gehört damit zu den höchsten Wasserfällen der Welt
(Renzo Tasso/PROMPERU)

Die aktuellen Zahlen des peruanischen Tourismusministeriums sprechen Bände: Von den vier Millionen Touristen im vergangenen Jahr wollten knapp die Hälfte nach Machu Picchu. Doch nur ein Prozent aller Touristen reiste in den Norden. Welche Überraschungen für Natur-, Kultur- und Abenteuerfans dort warten, zeigt unser Überblick.

1. Cajamarca: Gold, Thermalquellen und Palast im Andenhochland

Überall steigt Dampf aus dem Boden auf. Auf einer Höhe von 2.750 Metern, mitten in den Anden. Der 500.000-Einwohner-Ort Cajamarca ist direkt mit dem Flugzeug von Lima aus zu erreichen und eignet sich gut als Startpunkt in den Norden. Die Heilkraft der örtlichen Thermalquellen nutzten schon die Inkas, weshalb der Wellness-Hotspot auch „Los Baños del Inca“ heißt. Hier soll auch der letzte Inka-Herrscher Atahualpa gebadet haben, bevor er 1533 von den Spaniern hingerichtet wurde.

Die Thermalquellen in der Stadt Cajamarca, die auf einer Höhe von 2.750 Meter in den Anden liegt
(PROMPERU)

Der Ort in Atahualpas Palast, an dem das Unheil seinen Anfang nahm, ist noch heute zu besichtigen. Gewaltigen Mengen an Gold spielten damals eine zentrale Rolle. Und es gibt immer noch Goldminen. Ein weiterer Schatz der Stadt, die auf der Vorschlagsliste zum Unesco-Weltkulturerbe steht, liegt 900 Meter darüber: Cumbemayo, ein 3.000 Jahre altes Aquädukt, in einem Canyon aus dunklem Vulkangestein. Die archäologische Stätte zieht sich durch bizarr geformte Felsen. Und liegt genau auf der Wasserscheide zwischen Pazifik und Amazonas.

2. Leymebamba: 200 Mumien mit Haaren und Zähnen

Die Weiterfahrt Richtung Norden führt durch unterschiedliche Klimazonen der Anden. Ein Auf und Ab über eine enge Serpentinenstraße, mal auf 900 Meter Höhe, dann wieder ein Pass auf knapp 4.000 Metern. Ausblicke auf mondähnliche Landschaften, die sich mit tropisch grünen Hängen und spitzen Felsgipfeln abwechseln. Atemberaubend steile Abhänge. Und dann der Nebelwald. Der kleine Ort Leymebamba liegt in der Übergangszone zur Amazonasregion. Hier wurden Hunderte von gut erhaltenen Mumien gefunden. Oft in hölzernen Sarkophagen, in schwer zugänglichen Felsnischen.

Das Museum von Leymebamba beherbergt rund 200 gute erhaltene Mumien – manchen von ihnen mehr als eintausend Jahre alt
(Renzo Tasso/PROMPERU)

Für die teils mehr als 1.000 Jahre alten Mumien wurde ein eigenes Museum gebaut. Anschaulich erklärt es die Geschichte der Zivilisation der Chachapoyas. Anhand von Keramiken, Textilien, Metall- und Holzartefakten und den berühmten Quipus. Ein ausgeklügeltes System von Knoten in Schnüren, das im damals schriftlosen Andenraum zur Daten- und Informationsverwaltung genutzt wurde. Hochrangige Chachapoyas wurden in Hockstellung mumifiziert, wie kompakte Pakete. Haare, Zähne und Gesichtszüge sind oft erhalten. Die Mumien in diesem einzigartigen Museum blicken den Besuchern direkt ins Gesicht. Gruselig, geheimnisvoll und faszinierend zugleich.

3. Kuélap: Die vergessene Festung der Wolkenmenschen

Wie die mumifizierten Chachapoyas von 500 bis 1570 nach Christus gelebt haben, zeigt die Felsenfestung Kuélap. Die Heilige Stadt der Chachapoyas liegt auf einem 3.000 Meter hohen Bergrücken mit 360-Grad-Blick in die Anden. Seit Kurzem ist sie ohne mühsamem Aufstieg vom Tal des Rio Utcubamba zu erreichen. Dank einer modernen Gondelbahn französischer Bauart.

Ein archäologisches Juwel auf 3.000 Metern Höhe: die Heilige Stadt Kuelap.
(Luis Gamero/PROMPERU)

20 Meter hohe Festungsmauern umgeben die Stadt mit ihren 4.000 steinernen, teils verzierten Rundhäusern, deren Spitzdächer allerdings nicht mehr erhalten sind. Dagegen die kanalartigen Vertiefungen, in denen Meerschweinchen lebten, eine wichtige Eiweißquelle, sowie Tempel, ein Regenturm und ausgeklügelte Wasserversorgungssysteme. Das Unglaublichste jedoch ist, dass hier kaum Touristen unterwegs sind. Dabei ist Kuélap knapp 900 Jahre älter und fast doppelt so groß wie Machu Picchu.

4. Gocta-Wasserfall, Wunder-Kolibri und Paddington-Bär

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Rund 80 Kilometer nördlich liegt Cocachimba, ein Mini-Ort mit Mega-Wasserfall: Umgeben von dichtem Nebelwald rauscht der Gocta-Wasserfall 771 Meter in die Tiefe. Er zählt zu den höchsten Wasserfällen der Welt. Von Cocachimba aus, das auf 1.800 Metern Höhe liegt, ist er gut zu sehen. Wer das rauschende Naturspektakel aus nächster Nähe erleben will, begibt sich auf den markierten Wanderweg.

Dieser führt über mehrere Aussichtspunkte und auch an einem kleinen Café vorbei. Manche Touristen mieten sich ein Pferd, was die mehrstündige Wanderung erleichtern kann. Zwischen Baumriesen, Orchideen, Moosen und Bromelien sind die Stimmen seltener Vögel zu hören. Örtliche Guides spotten sie mit dem Fernglas. Im Oktober 2025 filmten Touristen auch einen der seltenen Brillenbären. Diese sind Vorbild für den fiktiven Kinderbuchbären Paddington, dessen jüngster Kinofilm in Peru spielt.

Ein Wunder der Natur: der endemische Kolibri Violettscheitel-Flaggensylphe mit seinen langen Steuerfedern.
(Julio C. Porras)

Ein im wahrsten Wortsinn wundervolles Tier ist auch die Wundersylphe. Eine endemische Kolibri-Art, die nur im Norden Perus vorkommt. Sie heißt auch Violettscheitel-Flaggensylphe und zeigt sich gerne im örtlichen Kolibri-Refugium. Mitten im Urwald. Das Besondere an dem Kolibri sind seine zwei mehr als zehn Zentimeter langen, seitlich abstehenden Steuerfedern. Diese kreuzen sich und enden spatelförmig – in Royalblau.

5. Chiclayo: Küste, Erdpyramiden und der sensationelle Señor de Sipán

Eine der drei Klimazonen Perus fehlt noch: die Wüste. Es geht Richtung Pazifik, nach Chiclayo, das an der nördlichen Küstenwüste liegt. Die Großstadt ist nicht nur stolz auf Papst Leo XIV., der hier Bischof war, sondern auch auf ihre kulturellen Stätten ringsherum. Letztere trugen auch dazu bei, dass Peru bei den World Travel Awards 2025 den Titel als beste Kulturdestination des Kontinents erhielt. Beispiel Ventarrón: Von außen sieht der Tempelhügel aus Lehmziegeln unscheinbar aus, doch innen befindet sich eine der ältesten Wandmalereien Amerikas. Die Jagdszene ist von einem abstrakten Muster in Rot und Weiß umgeben – sie ist fast 5.000 Jahre alt und die Farben sind immer noch intensiv.

So soll der Inkaherrscher Señor de Sipán ausgesehen haben, dessen Grab voller feinster Goldarbeiten war – ein Sensationsfund vor knapp 40 Jahren.
(Renzo Tasso/PROMPERU)

In einer für die Region typischen Erdpyramide fand man 1987 ein Herrschergrab aus der Moche-Kultur, das nicht von Grabräubern geöffnet und geplündert war – rund 1.700 Jahre alt. Das Spektakuläre an dem Fund des sogenannten Señor de Sipán sind die üppigen Grabbeigaben, Schmuck von höchster Handwerkskunst und Insignien, die viele Informationen zu Herrschaft, Ritual und Bestattung der Moche-Kultur lieferten. Aufgrund der mehr als 450 Beigaben aus Gold, Silber, Kupfer, Federn, Textilien, Muscheln und Keramik, wurde 2002 ein Museum eröffnet: das Museum Royal Tumbs of Sipan. Von außen sieht es wie eine der Erdpyramiden aus und innen beeindrucken rekonstruierte Grabkammern auf fünf Ebenen. Die Ausstellungsstücke zeigen Goldschmiedekunst auf Weltklasse-Niveau. Und alles was Prä-Inka-Kulturen zu bieten haben.

Beste Reisezeit: Für Nordperu eignen sich vor allem die trockeneren Monate von April bis November. Dann sind Wanderungen rund um Kuélap, Gocta und Leymebamba meist angenehmer und im Andenraum fällt weniger Regen. Die Küste um Chiclayo ist ganzjährig warm und sehr trocken.

Mehr Infos: www.peru.travel

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