El Niño ist da: Lateinamerika muss sich auf Wetterextreme vorbereiten | Weather.com
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El Niño ist da: Lateinamerika muss sich auf Wetterextreme vorbereiten

Es ist ein Klimaphänomen, das alle paar Jahre auftritt und sich verstärkt. Lateinamerika bekommt es derzeit bereits zu spüren.

Ein Waldbrand in Brasilien. AP Photo/Andre Penner, File
Ein Waldbrand in Brasilien.
(AP Photo/Andre Penner, File)

Regierungen in Lateinamerika mobilisieren Feuerwehrkräfte, aktivieren Notfallpläne und sichern ihre Wasser-, Energie- und Verkehrssysteme. Denn Meteorologen halten es für zunehmend wahrscheinlich, dass El Niño in den kommenden Monaten im Pazifik an Stärke gewinnt und damit Dürre, extreme Hitze, Überschwemmungen und andere klimabedingte Störungen drohen.

El Niño ist ein natürliches, alle paar Jahre auftretendes Klimaphänomen, bei dem sich das Wasser im Ozean an der Meeresoberfläche stark erwärmt und die globalen Wind- und Wettermuster verändert, was weltweit zu extremen Wetterbedingungen führt. Experten hoffen, dass die Länder diesmal besser vorbereitet sein werden als in früheren starken El-Niño-Jahren, als in Lateinamerika weitreichende wirtschaftliche Schäden entstanden und Wasser-, Energie- sowie Nahrungsmittelsysteme lahmgelegt wurden.

"Zeit für Entscheidungen gekommen"

Jetzt sei die Zeit für Entscheidungen und für wirksame Vorsorge gekommen, sagt Rodney Martinez, der bei der UN-Weltorganisation für Meteorologie (WMO) Nordamerika, Mittelamerika und die Karibik vertritt. "El Niño ist bestätigt. El Niño ist im Gange. Es ist nicht nur eine Möglichkeit."

Die Auswirkungen in Lateinamerika in früheren Fällen waren regional unterschiedlich. So herrschte in manchen Gebieten starke Dürre mit Waldbränden, während es in anderen zu heftigen Niederschlägen mit Überschwemmungen und Erdrutschen kam. Die Landwirtschaft wurde stark beeinträchtigt, die Trinkwasserversorgung belastet und in einigen Ländern die Stromerzeugung aus Wasserkraft verringert, was zu Energieengpässen führte.

Manche Regionen bereits überdurchschnittlich trocken

Martinez sagt, die Länder sollten die Zeit bis zu einer wahrscheinlichen Verschärfung der Auswirkungen nutzen, um alternative Energiequellen zu sichern, gefährdete Gemeinden zu schützen und sich auf mögliche Belastungen der öffentlichen Versorgung vorzubereiten.

In Ländern wie Ecuador, die stark von Wasserkraft abhängig sind, könnte dies nach seinen Angaben beispielsweise bedeuten, thermische Stromerzeugung in Betrieb zu nehmen, um niedrigere Stausee-Stände während trockenerer Bedingungen auszugleichen. Im vergangenen Jahr hatte eine Dürre in Ecuador die Pegel sinken lassen, was den Betrieb von Wasserkraftwerken einschränkte und zu weitreichenden Stromausfällen beitrug.

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Zentralamerika, Teile der Karibik und der Norden Südamerikas erleben der WMO zufolge bereits mit El Niño verbundene, überdurchschnittlich trockene Bedingungen. Es wird erwartet, dass sich diese Bedingungen auf Teile des Amazonasbeckens ausweiten werden, was die Sorge auslöst, dass Wasser knapp werden könnte.

Unterschiedliche Prioritäten

In Brasilien, Kolumbien und Teilen Mittelamerikas konzentrieren sich die Behörden auf Dürre, Wasserverfügbarkeit und Waldbrandgefahr. Brasilien hat beispielsweise mehr als 4.600 Bundesbeamte für die Waldbrandprävention und -bekämpfung eingestellt, die Feuerwehrbrigaden aufgestockt und Flugzeuge eingesetzt, um einer nach Einschätzung der Behörden möglicherweise schwierigen Brandsaison zuvorzukommen.

Anderswo bereiten sich die Regierungen auf Überschwemmungen vor. Ecuador, wo starke El-Niño-Ereignisse in der Vergangenheit bereits verheerende Regenfälle an der Pazifikküste verursacht haben, hat die Kommunalverwaltungen angewiesen, Notfallpläne zu entwickeln. Zudem wurden Millionensummen für den Hochwasserschutz, Notfallmaßnahmen und den Wiederaufbau der Landwirtschaft bereitgestellt. Die lokalen Behörden haben damit begonnen, Entwässerungskanäle zu reinigen, Hänge zu sichern und Notunterkünfte vorzubereiten.

Costa Rica hat nach eigenen Angaben im Rahmen eines nationalen Notfallplans mehr als 200 Maßnahmen eingeleitet, so zum Schutz der Wasserversorgung und einer ausgeweiteten Erzeugung erneuerbarer Energien. In Peru haben die Behörden die Überwachungs- und Frühwarnsysteme verstärkt, und in Panama wurden Pläne entwickelt, um möglichen Auswirkungen auf den Betrieb des Panamakanals - einer der weltweit wichtigsten Handelsrouten - durch geringere Niederschläge entgegenzuwirken.

Aber Vorwarnungen folgen nicht überall Taten

Aber Martinez weist darauf hin, dass nicht überall in Lateinamerika rechtzeitig Vorsorgemaßnahmen getroffen würden, sondern erst dann, "wenn der Notfall bereits eingetreten ist". Einige Behörden zögerten trotz immer deutlicherer Prognosen Entscheidungen weiterhin hinaus - entweder, weil sie auf zusätzliche Bestätigungen warteten oder weil sie davon ausgingen, dass ihre Länder von den schlimmsten Auswirkungen verschont blieben.

Kolumbiens Umweltministerin Irena Vélez hebt derweil hervor, dass die Herausforderung für die Länder über die Reaktion auf ein einzelnes Klimaereignis hinausgehe. Nötig ist in ihren Augen ein Langzeitkonzept der Regierungen zur Anpassung an zunehmend extreme Bedingungen, wie sie der Nachrichtenagentur AP sagte. "Den Klimawandel kann man nicht mehr wegdenken."

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