Pazifische Inselstaaten hoffen auf mehr Geld für Klimaschäden | Weather.com
Advertisement
Advertisement

Pazifische Inselstaaten hoffen auf mehr Geld für Klimaschäden

Obwohl sie selbst kaum Treibhausgase verursachen, leiden sie besonders stark unter den Folgen. Führende Politiker der Region wollen die großen globalen Mächte in die Verantwortung nehmen.

A sliver of beach remains after sea level rises on the coastline in Melekeok state, Palau, Thursday, Sept. 3, 2026. AP Photo/Charlotte Graham-McLay
Die pazifischen Inselstaaten leiden besonders unter dem Klimawandel.
(AP Photo/Charlotte Graham-McLay)

Wenn Stürme vor der palauischen Küste die Wellen aufpeitschen, strömt das Wasser des Pazifischen Ozeans oft direkt in die Häuser der Menschen. "Wir sagen dem Parlament immer wieder, dass wir uns landeinwärts orientieren müssen", sagt die 43-jährige Bol Sebalt, die in dem Bezirk Melekeok unmittelbar am Strand aufgewachsen ist. "Aber weil das Geld dafür fehlt, können wir das nicht."

Ähnlich wie den etwa 300 Bewohnern von Melekeok geht es inzwischen sehr vielen Menschen in den pazifischen Inselstaaten. Vertreter ihrer Regierungen haben gerade auf dem jährlichen Pacific Islands Forum über Strategien zur Bekämpfung der Gefahren beraten, die als Folge der weltweiten Klimaerwärmung gelten. Für die kleinen Länder inmitten des Ozeans geht es dabei ums Überleben: Weil der Meeresspiegel steigt, könnten viele Inseln schon bald unbewohnbar sein.

Der eigene globale Einfluss der betroffenen Staaten ist sehr gering. Doch die Region ist aus geopolitischer Sicht bedeutsam. China, die USA und andere größere Nationen versuchen, die Inselstaaten enger an sich zu binden. Das könnten die Regierungen nutzen, um ein stärkeres internationales Engagement einzufordern - insbesondere hinsichtlich der Bereitstellung von finanziellen Mitteln für Klimaschäden.

Für Umsiedlungen fehlt das Geld

In Melekeok hat sich Sebalt als freiwillige Helferin des lokalen Katastrophenschutzteams ausbilden lassen. Sie ist damit eine von etwa 200 Menschen in Palau, die im Falle von verheerenden Taifunen, die es in der Region öfter gibt, die übrigen Bewohner der eigenen Dörfer anleiten und unterstützen können. Vor einem Jahr zog Sebalt in eine neue, weiter von der Küste entfernt gelegene Siedlung. Bislang lebt sie dort aber allein. Es gebe nicht genug Geld, um Sanitär- und Abwasseranlagen oder Straßenlaternen zu finanzieren, damit mehr Menschen dorthin ziehen könnten, beklagt sie.

Die Vereinten Nationen haben gerade in einem Bericht erklärt, dass die Welt kurz davor stehe, das 2015 in Paris vereinbarte Ziel zu verfehlen, die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Teilnehmer des Pacific Islands Forum betonen derweil, dass schon der jetzige Zustand katastrophal sei. "Verluste und Schäden sind eine Realität, mit der mein Land bereits konfrontiert ist", sagt Ralph Regenvanu, Minister für Klimaanpassung in Vanuatu.

Advertisement

Mit jedem Überschreiten des vereinbarten Ziels werde sich die negative Entwicklung nur noch beschleunigen, sagt Regenvanu - mit "wirtschaftlichen und nicht-wirtschaftlichen Verlusten, die durch keine finanzielle Entschädigung vollständig ausgeglichen werden können". Der Klimawandel zerstöre auch "unser angestammtes Land, unser Erbe, unsere Identität".

"Es gibt keinen anderen Weg"

Regenvanu und andere führende Politiker der Region fordern die internationale Gemeinschaft seit Jahren auf, mehr für die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen zu tun, die vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas entstehen. "Es gibt keinen anderen Weg", sagt Maina Talia, der Klimawandel-Minister von Tuvalu. "Unsere einzige Chance ist, weiter auf das 1,5-Grad-Ziel zu drängen - um zu überleben und in unseren Ländern bleiben zu können."

Palaus Präsident Surangel Whipps Jr. schlug diese Woche vor, dass alle am Ausbau des eigenen Einflusses in der Region interessierten Länder in örtliche Klimaprojekte investieren sollten, etwa in die Förderung von erneuerbaren Energieträgern. Ein von den Inselstaaten gegründeter Klimafonds, die Pacific Resilience Facility, hat bislang eher wenig bewirken können, da die erhofften finanziellen Zuwendungen noch auf sich warten lassen.

Eine Besonderheit des neuen Fonds ist, dass die Mittel von den Inselstaaten selbst verwaltet werden sollen, um Graswurzelprojekte im Bereich der Klimaanpassung ohne den langwierigen Vorlauf, der bei internationalen Institutionen oft üblich ist, gezielt fördern zu können. Der Fonds sei so strukturiert, dass er "schnell auf die dringenden Bedürfnisse der Menschen auf den pazifischen Inseln" eingehen könne, sagt Fatafehi Fakafanua, der Ministerpräsident von Tonga.

Australien in der Kritik

Auch innerhalb des Pacific Islands Forum gibt es aber Unstimmigkeiten darüber, wer sich bei der Bekämpfung von Folgen des Klimawandels in welcher Weise engagieren sollte. Neben vielen kleinen Inselstaaten sind auch Neuseeland und Australien Mitglieder des Forums. Am Mittwoch sagte der nach Palau angereiste australische Ministerpräsident Anthony Albanese, die anderen Staats- und Regierungschefs verstünden, dass die Abkehr seines eigenen Landes von den fossilen Energien nicht "über Nacht geschehen" könne.

Eine Stunde später sagte allerdings der vanuatische Minister Regenvanu vor Reportern, Australien tue nicht genug, "Australien zählt zu den großen Produzenten von fossilen Brennstoffen", betonte er. "Das Mindeste, was ein Land wie Australien tun sollte, wäre, künftige Expansionen zu stoppen. Und das tut es nicht."

Advertisement