„Lage ist katastrophal“: Chaotische Zustände auf Deutschlands Straßen | Weather.com
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„Lage ist katastrophal“: Chaotische Zustände auf Deutschlands Straßen

08.02.2021, Sachsen, Dresden: Autos und LKWs stehen auf der Autobahn 4 in Richtung Frankfurt bei Dresden durch Schneefall im Stau. Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Autos und LKWs stehen auf der verschneiten Autobahn 4 in Richtung Frankfurt bei Dresden im Stau.
(Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa)

Schnee und Eis treffen den Straßenverkehr in vielen Regionen Deutschlands schwer - zahlreiche Unfälle und teils kilometerlange Staus sind die Folge. Steckengebliebene Lastwagen blockierten nach heftigen Schneefällen die Autobahnen, wie im Norden und Osten Hessens auf der A4 und der A7.

Sechs Stunden im Stau im Schnee

„Die Lage ist katastrophal“, sagte ein Sprecher der Polizei in Fulda am frühen Montagmorgen. In vielen Bereichen stünden Lastwagen und Autos seit sechs Stunden im Stau, und es gehe nicht vorwärts oder rückwärts. Räumfahrzeuge kämen kaum durch. Lkw-Fahrer sollten die Autobahnen nicht mehr befahren. Es sei noch nicht abzusehen, wann die Fahrbahnen wieder frei seien.

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Busverkehr in Kassel und Marburg eingestellt

Wegen des heftigen Wintereinbruchs stellten mehrere Städte in Hessen den Busverkehr komplett ein - etwa Kassel und Marburg an der Lahn. Grund sei der starke Schneefall sowie vereiste Straßen, teilten die Stadtwerke Marburg mit. Auch die Busse und Straßenbahnen in Kassel fahren laut Stadtwerken nicht.

Eingeschneite Lkws auf der A6

Auf der A6 bei Nürnberg blieben Lastwagen ebenfalls reihenweise im Schnee stecken. Ein Auto hatte sich während des Schneefalls gedreht und die Fahrbahn versperrt, wie ein Polizeisprecher am Montagmorgen sagte. Etwa 100 Fahrzeuge stauten sich im Anschluss. Bis das Auto geborgen wurde, seien etliche Lastwagen eingeschneit worden. Das Technische Hilfswerk befreite die Lkw bis in die Nacht hinein.

Familie muss von Feuerwehr gerettet werden

Auf der A4 bei Gera in Thüringen fuhren sich Lastwagen in Schneeverwehungen fest, es bildete sich ein kilometerlanger Stau. Abschleppdienste und Räumfahrzeuge mussten die Lkws befreien.

In Thüringen blieb auch eine dreiköpfige Familie mit ihrem Auto im Schnee stecken. Laut Polizei kam das Fahrzeug am Sonntagabend bei Sömmerda nicht mehr weiter. Eigenen Angaben zufolge versuchte die Familie stundenlang, das Auto vom Schnee zu befreien und wählte schließlich gegen Mitternacht den Notruf. Die Eltern und ihre siebenjährige Tochter mussten von der Feuerwehr gerettet werden und wurden in eine Notunterkunft gebracht. Aufgrund des schweren Schneefalls konnte das Auto der Familie zunächst nicht geborgen werden.

Kleinbus überschlägt sich – mehrere Verletzte

Acht Mitarbeiter einer Reinigungsfirma wurden bei einem Unfall in Thüringen verletzt. Wie ein Sprecher der Polizei am Montag mitteilte, geriet der Kleinbus des 49-jährigen Fahrers am Sonntagnachmittag im Saale-Orla-Kreis wegen Glätte in einer Kurve ins Schleudern. Dabei kam der Wagen von der Fahrbahn ab, kollidierte mit der Leitplanke, überschlug sich und blieb auf dem Dach liegen. Der Fahrer sowie weitere fünf Männer und zwei Frauen (alle im Alter zwischen 25 und 59 Jahren) wurden dabei verletzt. Einige der Insassen des Wagens waren eingeklemmt und mussten von der Feuerwehr befreit werden.

Auto kracht in einen Streifenwagen, der Unfall absicherte

Bei einer Unfallserie wegen Glatteis auf den Autobahnen 52 und 61 rund um Mönchengladbach sind neun Menschen verletzt worden. Bei der ersten Kollision am Sonntagnachmittag fuhren laut Polizei drei Autos auf der A61 in Richtung Venlo aufeinander auf. Zwei Menschen wurden verletzt. Kurzdarauf geriet ein anderes Auto ins Schleudern und krachte in einen Streifenwagen, der den ersten Unfall absicherte. Rettungskräfte brachten vier Verletzte ins Krankenhaus. Kurz nach dieser Kollision hatte ein Wagen auf der A52 kurz vor dem Autobahnkreuz Neersen einen wetterbedingten Unfall. Die drei Insassen mussten ebenfalls behandelt werden.

Mann schleudert mit Auto in Bach und stirbt

Die Bilanz der Polizei aus Nordrhein-Westfalen: Insgesamt 720 Einsätze innerhalb von 24 Stunden bescherte das extreme Winterwetter den Beamten. Allein von Sonntagmorgen 6 Uhr bis Montagmorgen 6 Uhr seien die Beamten zu 507 witterungsbedingten Unfällen gerufen worden, sagte ein Sprecher der Landesleitstelle. Bei den Unfällen habe es einen Toten und 37 leicht verletzte Personen gegeben. In Duisburg war am Sonntag ein Wagen von der Straße abgekommen und in einem Bach gelandet. Dabei starb der Fahrer.

Fahrverbote für Lastwagen

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Auf den Autobahnen in Westfalen gilt noch bis Montagmittag um 12 Uhr ein Fahrverbot für Lastwagen über 7,5 Tonnen. Grund ist der anhaltende Schneefall sowie vereiste Fahrbahnen. Einige Autobahnen seien so stark vereist, dass es derzeit unmöglich sei, die Fahrbahnen komplett eis- und schneefrei zu bekommen. In Niedersachsen gilt die Regelung für die Landkreise Emsland, Osnabrück und Grafschaft Bentheim.

Trotz des Verbots waren auf den Autobahnen um Osnabrück vereinzelt Lastwagen unterwegs. „Ganz verhindern können wir es nicht“, sagte ein Sprecher der Polizeileitstelle Osnabrück am Morgen.

60 Kilometer pro Stunde auf der Stadtautobahn

Einschränkungen auf den Autobahnen gibt es auch in Berlin: Auf den Stadtautobahnen soll auf Grund der Wetterlage nicht schneller als 60 Kilometer pro Stunde gefahren werden, erklärte die Verkehrsinformationszentrale. Auf den Straßen der Hauptstadt ist mit extremer Glätte zu rechnen.

Nah- und Fernverkehr der DB ist beeinträchtigt

Auch den Fahrplan der Bahn trifft der Wintereinbruch. „Schnee und Eis werden den Nah- und Fernverkehr der DB in weiten Teilen des Landes auch am Montag beeinträchtigen“, so die Deutsche Bahn am Sonntagabend. Reisende wurden gebeten, „die zahlreichen Informationskanäle der DB zu nutzen, um sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindung zu informieren“. Der Bahn-Fernverkehr etwa zwischen Berlin und Hannover, Frankfurt am Main und München bleibe vorerst eingestellt, erklärte das Unternehmen.

Im Bahnhof in Uelzen im Nordosten Niedersachsens strandete am Sonntagabend ein Zug mit rund 50 Fahrgästen. Hilfskräfte versorgten die Menschen mit Decken, heißen Getränken und einer Suppe. Am Montagmorgen konnten die Reisenden ihre Fahrt fortsetzen.

Hochwasser an der Ostsee

Menschen in Norddeutschland müssen sich auf Hochwasser an der Ostsee einstellen. Ein kontinuierlicher Ostwind bringt Wassermassen an die Ostseeküste. Für den Montag ist in der Kieler Bucht mit bis zu 80 Zentimeter höheren Wasserständen zu rechnen und auch in der Lübecker Bucht soll das Wasser deutlich ansteigen.

Hartes Winterwetter geht weiter

Am Montag soll es mit hartem Winterwetter weitergehen: Der Deutsche Wetterdienst warnte vor teils kräftigen Schneefällen mit zehn bis 25 Zentimetern Neuschnee in der ersten Tageshälfte in der Mitte Deutschlands. Betroffen seien vor allem Nordosthessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Auch in anderen Bundesländern müssen die Menschen weiter mit Einschränkungen durch den Wintereinbruch rechnen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) riet den vom Schneechaos betroffenen Menschen, am Wochenbeginn zu Hause zu bleiben. Man könne nicht garantieren, im Laufe des Montags den Bahnverkehr wieder zum Laufen zu bekommen, sagte Scheuer nach einer Lagebesprechung am Sonntag bei „Bild live“.

Aus Osten kommt noch mehr eisige Luft

Tief Tristan über Mitteleuropa und dem zentralen Mittelmeer schaufelt im Zusammenspiel mit Hoch Gisela über Skandinavien weitere eisige Luft ins Land. „Nach dem schnee- und windreichen Wochenende kommt nun aus Osten die große Kälte auf uns zu“, sagte Meteorologe Simon Trippler vom DWD. Mit Schnee muss weiterhin gerechnet werden, allerdings fällt dieser nicht mehr so intensiv wie am Wochenende. Am Dienstag lassen die Schneefälle dann größtenteils nach.

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