Saharastaub trifft Europa: Solarstrom bricht auf 46 Prozent ein | Weather.com
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Saharastaub trifft Europa: Solarstrom bricht auf 46 Prozent ein

Blutregen und dunstiger Himmel: Ein massive Saharastaubwolke über Europa hat nicht nur unseren Himmel verändert, sondern auch Folgen für den Solarstrom gehabt.

Ein große Saharastaubwolke hat Europa am vergangenen Wochenende erreicht
(Nasa)

Ein großer Staubausbruch aus der Sahara hat im März 2026 weite Teile von Europa erfasst. Neue Analysen zeigen, dass das Wetterphänomen auch die Solarenergie beeinflusst hat– in manchen Regionen ist der Solarstrom auf weniger als die Hälfte der üblichen Leistung eingebrochen.

Starke Winde haben Anfang März 2026 große Mengen Staub aus der Sahara nach Norden über das Mittelmeer bis nach Westeuropa transportiert. Modellanalysen des NASA-GEOS-Systems zeigen, wie die Staubwolken unter anderem Spanien, Frankreich, das Vereinigte Königreich sowie die Alpenregion erreichten. Dort wurden dunstige Himmel und ungewöhnlich gefärbte Sonnenaufgänge und -untergänge beobachtet, teils sogar eine sichtbare Staubschicht an Gipfeln wie dem Matterhorn.

Blutregen in Teilen Europas

In Verbindung mit einem Tiefdruckgebiet kam es in Teilen Spaniens, Frankreichs und des südlichen Vereinigten Königreichs zu Blutregen, bei dem Staub mit dem Regen zu Boden fällt und eine bräunliche Schicht auf Oberflächen hinterlässt. Das Tief, das vom portugiesischen Wetterdienst den Namen Regina bekam, verstärkte dieses Phänomen insbesondere über der Iberischen Halbinsel.

Solarstrom in Ungarn auf 46 Prozent gefallen

Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss des Saharastaubs bei der Stromerzeugung aus Sonnenenergie: Eine aktuelle Analyse auf Basis von NASA-Daten (MERRA-2, MODIS und weitere Satellitenprodukte) für Ungarn ergab, dass die Leistung von Photovoltaikanlagen an stark staubigen Tagen auf nur noch 46 Prozent sank – an Tagen mit wenig Staub lag sie bei 75 Prozent oder mehr. Hauptgrund ist, dass der Staub die Bildung und Reflexion von Cirruswolken verstärkt und so deutlich weniger Sonnenstrahlung auf die Solarmodule trifft.

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Über dem Mittelmeer bildeten sich zudem „staubige Cirruswolken“, in denen Staubpartikel als Kondensationskeime für Eis wirken und damit Wolkenbildung, Strahlungshaushalt und Solarertrag beeinflussen.

Wie Saharastaub Solarstrom beeinflusst

Saharastaub bremst Photovoltaikanlagen auf zwei Wegen: Wie die Fachzeitschrift „PV Magazine“ berichtet, blockiert und streut zum einen der Staub in der Atmosphäre einen Teil der Sonneneinstrahlung, oft noch verstärkt durch zusätzliche oder hellere Cirruswolken, die sich an Staubpartikeln bilden. Dadurch kommt deutlich weniger direkte Solarstrahlung auf den Modulen an – in Studien fiel die Leistung an starken Staubtagen auf rund 46 Prozent.

Zum anderen kann abgelagerter Staub auf den Modulen selbst wie ein Grauschleier wirken und die Oberfläche verschmutzen, was den Ertrag weiter reduziert, bis die Panels gereinigt werden oder kräftiger Regen sie säubert. Der starke atmosphärische Effekt hält in der Regel nur einige Stunden bis wenige Tage an, solange die Staubwolke über der Region liegt. Ablagerungen auf den Modulen können den Ertrag jedoch über Tage bis Wochen dämpfen, wenn nicht natürlich oder manuell gereinigt wird.

Saharastaub-Ereignisse nehmen in Europa zu

Forschende sehen Hinweise darauf, dass winterliche Saharastaub-Ereignisse in Europa in den vergangenen Jahren häufiger und intensiver geworden sind – begünstigt durch trockenere Bedingungen in Nordwestafrika und Großwetterlagen, die Winde häufiger direkt aus der Sahara nach Norden lenken.

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