Weltraumteleskop: Nasa zündet Weihnachtsrakete der Superlative | The Weather Channel
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Weltraumteleskop: Nasa zündet Weihnachtsrakete der Superlative

HANDOUT - 05.03.2020, USA, Redondo Beach: Foto des NASA/ESA/CSA James-Webb-Weltraumteleskops nach einem erfolgreichen Entfaltungstest seines Hauptspiegels in der gleichen Konfiguration, die es im Weltraum haben wird. Die Weltraumbehörden Europas, der USA und Kanadas wollen mit ihrem neuen James-Webb-Weltraumteleskop bald mehr über das frühe Universum lernen. Mit dem Teleskop sollen die ersten nach dem Urknall entstandenen Galaxien beobachtet werden, sagte Nasa-Wissenschaftsdirektor Zurbuchen. Foto: Chris Gunn/NASA/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Foto des James-Webb-Weltraumteleskops nach einem erfolgreichen Entfaltungstest seines Hauptspiegels in der gleichen Konfiguration, die es im Weltraum haben wird.
(Chris Gunn/NASA/dpa)

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat Heiligabend als Starttermin für James-Webb-Weltraumteleskop bestätigt. Das zehn Milliarden Dollar teure Gerät solle um 7.20 Uhr US-amerikanerischer Zeit in Kourou in Französisch Guayana mit einer Ariane-Rakete abheben, sagte Nasa-Direktor Bill Nelson. Darauf habe man sich am Freitag mit der europäischen Raumfahrtorganisation ESA geeinigt.

Astronomen versprechen sich neue Erkenntnisse

Seit Jahrzehnten arbeiten und fiebern Astronomen und Weltraum-Ingenieure auf der ganzen Welt diesen Tag hin, an dem das „James Webb Space Telescope“ (JWST) seinen Dienst aufnimmt. „Webb hat dermaßen transformative Fähigkeiten, dass ich davon ausgehe, dass es eine neue Zeitrechnung markieren wird - es wird eine Zeit davor und eine Zeit danach geben“, sagt Nasa-Managerin Jane Rigby.

Ablösung für Hubble

Das JWST ist eine rund zehn Milliarden Dollar teure Kooperation der Weltraumagenturen der USA, Kanadas und Europas und soll mit dem Start vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana das größte und leistungsfähigste Teleskop werden, das jemals ins All gebracht wurde. Es soll Nachfolger des „Hubble“-Teleskops werden, das seit mehr als 30 Jahren im Einsatz ist, 1,5 Millionen Kilometer weit ins All fliegen und unter anderem mit Hilfe eines 25 Quadratmeter großen Spiegels neue Bilder aus dem frühen Universums liefern. Das Teleskop soll die ersten nach dem Urknall entstandenen Galaxien beobachten.

Kosten schnellten in die Höhe

Der bisherige Weg des gigantischen Teleskops war allerdings so lang und steinig, dass das Fachmagazin „Nature“ schon vom „teuersten astronomischen Risiko der Geschichte“ schreibt. Ende der 80er Jahre kam erstmals die Idee eines solchen Teleskops auf, seitdem wird geplant und gebaut. Immer wieder passierten dabei kleinere Missgeschicke, die Planung verzögerte sich, die ursprünglich auf rund 500 Millionen Dollar geschätzten Kosten schnellten in die Höhe. 2007 hatte das JWST ganz ursprünglich einmal starten sollen - aber der Start verschob sich immer wieder nach hinten.

Kontroverse um Namen

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Zudem gibt es eine Kontroverse um den Namen, der auf den zweiten Direktor in der Geschichte der Nasa zurückgeht. Webb stand in den 60er Jahren der Nasa vor - zu Zeiten, in denen die Behörde die ersten Menschen ins All schickte, aber auch zu Zeiten, in denen ein Mitarbeiter entlassen wurde unter dem Verdacht, dass er schwul sein könnte. Zahlreiche Wissenschaftler haben bereits eine Umbenennung gefordert, aber der derzeitige Nasa-Chef Bill Nelson lehnt das bislang ab. „Wir haben zum derzeitigen Zeitpunkt keine Hinweise gefunden, die eine Namensänderung notwendig machen.“

Hinweise auf zweite Erde erhofft

Viele Wissenschaftler hoffen darauf, dass ein erfolgreicher Start all diese Kontroversen nun endlich in den Hintergrund rücken lässt - und den Weg frei macht für nie da gewesene Forschungsmöglichkeiten. Sie hoffen auf einen Blick zurück in die Frühzeit des Weltalls nach dem Urknall vor 13,8 Milliarden Jahren: Auf Bilder von Sternen, die älter sind als unser Sonnensystem und vielleicht nicht mehr existieren - und möglicherweise sogar auf Hinweise auf eine zweite Erde.

Unglaubliche Genauigkeit

Bis zu ersten Untersuchungen werden wohl ungefähr sieben Monate vergehen, erste Bilder werden frühestens für den Sommer erwartet. Während „Hubble“ im optischen und ultravioletten Bereich arbeitet, untersucht „James Webb“ im infrarotnahen. Damit könne das Teleskop, sagte einmal der Astrophysiker John Mather, sogar „von der Erde aus eine Biene auf dem Mond aufspüren“.

Reparaturen nicht möglich

Die Lebensdauer von „James Webb“ ist erstmal auf zehn Jahre angelegt, dann geht ihm quasi der Treibstoff aus. Dass das Teleskop so weit weg fliegt, birgt dabei auch ein Risiko: Während „Hubble“ in 500 Kilometern Höhe mit Shuttle-Flügen mehrfach repariert und gewartet wurde, geht das beim „James Webb Space Telescope“ in 1,5 Millionen Kilometer Entfernung nicht mehr.

Nun überwiege aber erstmal die Aufregung zum Start, sagt Astronomin Heidi Hammel, die seit Jahrzehnten an der Entwicklung des Teleskops mitarbeitet. „Es gibt nicht viele Dinge im Leben, wo man an der Schwelle zu etwas so Großem steht. Da sind viele Emotionen mit im Spiel.“

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