Forscher entdecken in Sibirien sprudelnde Methanbrunnen in „nie gesehenem“ Ausmaß | Weather.com
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Forscher entdecken in Sibirien sprudelnde Methanbrunnen in „nie gesehenem“ Ausmaß

ARCHIV - 15.08.2019, Kanada, Pond Inlet: Ein Eisberg treibt bei Pond Inlet, in der kanadischen Arktis, im Meer. Die Erderwärmung ist hier zwei bis drei Mal so stark wie in anderen Weltregionen. (zu "Ist der Kampf gegen den Klimawandel zu gewinnen? - Experten uneinig") Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Infolge des Klimawandels kommt es zur Eisschmelze in und unter arktischen Gewässern (Symbolbild)
(Kay Nietfeld/dpa)

Forscher haben eine Rekord-Methanemission an die Wasseroberfläche im Ostsibirischen Meer festgestellt. Igor Semiletov von der Polytechnischen Universität Tomsk in Russland war mit einem Team aus fast 80 internationalen Wissenschaftlern auf einer Expedition, um die biochemischen und ökologischen Folgen zu untersuchen, die die Schmelze des Unterwasser-Permafrosts mit sich bringt.

Während sie vor der Insel Bennett Meerwasser- und Sedimentproben entnahmen, stellten sie einen sechs- bis siebenmal höheren Methangehalt als normal fest, wie die Universität mitteilte.

Über Quelle 9-mal höherer Methangehalt

Weiter fiel ihnen in der Nähe ihres Forschungsschiffes „Keldysh“ ein smaragdgrüner Abschnitt inmitten der dunkleren Wasseroberfläche auf. Als sie sich näherten, entdeckten sie auf etwa vier bis fünf Quadratmetern Tausende Methanblasen, die regelrecht brodelnd „aus den schwarzen Tiefen dies Meeres an die Oberfläche stiegen“, wie es Expeditionsteilnehmer Sergej Nikiforow beschrieb. Oberhalb des Brunnens war der Methangehalt sogar neunmal so hoch wie im globalen Durchschnitt.

Blubberndes Wasser in Eimern abgefüllt

Die Forscher benötigten erst gar nicht speziell entwickelte Kunststoffkegel, um das methanreiche Wasser zu entnehmen. Das Team konnte das blasenhaltige Wasser einfach in Eimern abschöpfen. Weiter pumpte es Gas in komprimierter Form in Flaschen.

„Das ist der gewaltigste Gasbrunnen, den ich je gesehen habe. Niemand hat so etwas jemals dokumentiert“, sagte Semiletov, der bereits 45 Expeditionen hinter sich hat, der „Moscow Times“.

Forscher finden weiteren Methanbrunnen

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Der Brunnen war allerdings kein Einzelfall: Einen weiteren ähnlichen Ausmaßes entdeckte das Team am nächsten Tag.

Schon lange beobachten Wissenschaftler mit Sorge, dass der Permafrostboden am Grunde der Ostsibirischen See - und in anderen arktischen Regionen – taut und in der Folge das darin gelagerte Methan freigesetzt wird. Das Treibhausgas ist mehr als 20-mal so klimawirksam wie CO2.

50 Gigatonnen Methan in Ostsibirischer See

Nach Schätzungen von Forschern stecken allein im Boden der Ostsibirischen See, einem vergleichsweise seichten Randmeer des Arktischen Ozeans, etwa 50 Gigatonnen Methan. Nach einer Studie aus dem Jahr 2013, an der unter anderem die Wirtschaftswissenschaftlerin Gail Whiteman von der Erasmus-Universität in Rotterdam beteiligt war, hätte die Freisetzung dieser Massen 60 Billionen US-Dollar an ökonomischen und sozialen Kosten zur Folge.

Die beiden rekordverdächtig starken Methangas-Quellen sind ein Warnsignal – wenngleich sie allein noch wenig Rückschlüsse darüber zulassen, wie groß die Gefahr einer Schmelze des Permafrostbodens in der Ostsibirischen See und der Folgen tatsächlich sind.

Schmelzender Permafrost an Land zeigt größere Auswirkungen

Nach Angaben des Portals „I fucking love science“ machen die Methanemissionen des Arktischen Ozeans derzeit weniger als ein Zehntausendstel des weltweiten Methanausstoßes aus. Selbst ein hundertfacher Anstieg sei insofern kaum zu spüren. Die Emissionen aus dem schmelzenden arktischen Permafrost an Land hätten zumindest viel größere Auswirkungen.

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