Klimakrise: Afrika baut "Große Grüne Mauer" – doch es klaffen Riesen-Lücken | The Weather Channel
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Klimakrise: Afrika baut "Große Grüne Mauer" – doch es klaffen Riesen-Lücken

Der Ort Ndiawagne Fall liegt in der Sahelzone im Senegal. Dort befindet sich ein Ende des Projektes "Große Grüne Wand" – die Initiative geht dort noch schleppend voran
Der Ort Ndiawagne Fall liegt in der Sahelzone im Senegal. Dort befindet sich ein Ende des Projektes "Große Grüne Wand" – die Initiative geht dort noch schleppend voran
(AP)

Ein grüner Gürtel aus Bäumen quer durch Afrika, rund 8000 Kilometer lang: Die "Große Grüne Mauer" von Senegal bis Dschibuti soll der Klimakrise trotzen. Doch der Bau des Schutzwalls stockt. Finanzielle Probleme machen dem Vorhaben ebenso zu schaffen wie fehlender politischer Wille oder auch der islamistische Terror in Teilen des Verlaufs durch insgesamt elf Länder.

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Lediglich vier Millionen Hektar Land sind seit Beginn der Projektarbeiten vor 15 Jahren aufgeforstet worden. Das sind nur vier Prozent der insgesamt vorgesehenen Fläche. Bis 2030 soll die "Great Green Wall" eigentlich entlang der Sahara entstehen und so die Ausdehnung der Wüste nach Süden stoppen und Millionen Tonnen CO2 aus der Atmosphäre filtern. Geboren wurde die Vision vor Jahrzehnten, die Umsetzung begann 2007. Aber schon bald kamen die Rückschläge.

Terror erschwert den Fortschritt

In Burkina Faso macht der dortige Koordinator der Initiative, Adama Doulkom, politische Instabilität und Sicherheitsprobleme für das Ausbremsen der Arbeiten verantwortlich. Damit werde der Fortschritt in nahezu 4000 Dörfern quer durchs Land gestoppt. "Terroristische Angriffe in den betroffenen Regionen haben die Menschen auseinandergetrieben", sagt Doulkom. "Das schränkt die Bewegungen ein und macht es schwieriger für uns, die Arbeiten vor Ort direkt zu begleiten."

FILE - Filao trees form a curtain that protects the beginning of the Great Green Wall, planted to slow coastal erosion along the Atlantic Ocean, in Lompoul village near Kebemer, Senegal, Nov. 5, 2021. A series of complex challenges, including a lack of funding and political will as well as rising insecurity linked to extremist groups al-Qaida and the Islamic State in Burkina Faso, are obstructing progress on Africa's Great Green Wall, according to experts involved in the initiative. (AP Photo/Leo Correa, File)
Im Ort Lompoul im Senegal liegt der Anfang der „Großen Grünen Wand“: Der Fortschritt ist dort schon deutlich erkennbar
(AP Photo/Leo Correa, File)

Die nördlichen und östlichen Gegenden der Sahel-Region in Burkina Faso sind in den vergangenen drei Jahren teils kaum noch zugänglich gewesen. Doch auch andere Länder teilen das Sicherheitsproblem. Hemmnisse für den Wall aus Bäumen werden aus Mali, dem Niger, Nigeria und dem Tschad ebenso gemeldet wie aus dem Sudan oder auch Äthiopien im Osten Afrikas.

Afrika besonders von Wüstenbildung bedroht

Bei den Vereinten Nationen spricht man von einer Reihe zusätzlicher Herausforderungen, die es für die "Große Grüne Mauer" zu überwinden gelte. Dazu zählen auch halbherziger politischer Rückhalt, schwache organisatorische Strukturen oder Mängel in der Koordination und bei der Finanzierung. Das hat auch die Vertragsstaatenkonferenz der UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) in den vergangenen zwei Wochen in der Elfenbeinküste stark beschäftigt.

Der Organisation zufolge sind bis zu 45 Prozent des Landes in Afrika von Wüstenbildung in Mitleidenschaft gezogen, Afrika sei damit bedrohter als alle anderen Kontinente. Nicht nur für die Umwelt bedeutet das eine Gefahr, sondern auch für das Zusammenleben der Menschen. So verwies UNCCD-Exekutivsekretär Ibrahim Thiaw deutlich auf die möglichen Folgen für die Sicherheit der Regionen.

Bemühung um Natur bringt mehr Nutzen als Kosten

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Auch ein aktueller Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri betont den Zusammenhang zwischen Umweltzerstörung und Konflikten: Im Sahel erhöhten soziale Spannungen in Kombination mit politischer Schwäche und Umweltproblemen das Sicherheitsrisiko, heißt es da.

Wenn aber das Land zurückgewonnen werde, gebe es auch weniger Konflikte, sagt Thiaw. Alle Bemühungen, Boden und Natur zu stärken und die Gesundheit des Landes zu festigen, brächten Nutzen, die die Kosten bei weitem übersteigen, betont er. Jetzt seien alle aufgerufen, das Projekt voranzutreiben.

Koordinator der "Great Green Wall"-Initiative bleibt optimistisch

Trotz aller Hürden und Rückschläge bleibt Elvis Tangem optimistisch. Der Koordinator der "Great Green Wall"-Initiative räumt zwar ein, dass Konflikte den Fortschritt gebremst hätten. Aber es hätten sich auch neue Ansätze ergeben, sagt er.

"Es begann als Umweltprojekt, aber die Dynamik der Region hat uns dazu gebracht, über den ökologischen Aspekt des Projekts hinaus zu blicken", erklärt Tangem. Dazu gehörten Konfliktlösung und Befriedung, aber auch die Förderung der Jugend, die Stärkung von Frauen und allgemein die ländliche Entwicklung.

Deutlich höheres Tempo nötig

Erfolge beim Anlegen des afrikanischen Grüngürtels werden unter anderem aus dem Osten gemeldet. Eritrea, Äthiopien und der Sudan hätten ihre Anstrengungen verstärkt, heißt es aus dem Koordinationsbüro des Projekts in Addis Abeba. Auch der Niger wird für seine Fortschritte gelobt. Bei "messbaren Aufforstungs-Meilensteinen" lasse der Niger andere Länder weit hinter sich, sagt Tabi Joda, die als Botschafterin für das Wall-Projekt im Einsatz ist. Auf allen Ebenen werde die Begrünung vorangetrieben, die Bevölkerung sei engagiert dabei. Immer mehr Gemeinden schlössen sich der Initiative an und brächten sich mit eigenen Beiträgen ein.

Wenn das Projekt aber sein selbstgestecktes Ziel, bis zum Jahr 2030 rund 100 Millionen Hektar begrünt zu haben, erreichen will, ist laut UNCCD deutlich mehr Tempo nötig. Dazu müssten nun jährlich jeweils einige Millionen Hektar hinzukommen. Nach Schätzungen der Denkfabrik WRJ in Washington sind dafür an die 40 Milliarden Euro nötig.

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