"So stirbt ein Pazifikatoll": Inselnationen drohen zu ertrinken | Weather.com
Advertisement
Advertisement

"So stirbt ein Pazifikatoll": Inselnationen drohen zu ertrinken

Die Inseln des Kwajalein Atoll, die zu den Marshallinseln gehört
Die Inseln des Kwajalein Atoll, die zu den Marshallinseln gehört
(Getty Images)

Führungspersonen wohlhabender Staaten sprechen von einer "existenziellen Bedrohung" durch den Klimawandel - die Inselnation Tuvalu erlebt sie. Regierungschef Kausea Natano setzt alle Hebel in Bewegung, um den winzigen Pazifikstaat vor dem Ertrinken zu bewahren - durch die Rückgewinnung von Land, das die Insel um vier bis fünf Meter über dem Meeresspiegel anheben soll.

Bleiben Sie mit der kostenlosen App von The Weather Channel immer auf dem neuesten Stand! Hier herunterladen!

Experten warnen, dass die Marshallinseln früher oder später unbewohnbar werden könnten. Derweil ist der dortige Präsident David Kabua mit der Unzulänglichkeit eines Dammes konfrontiert, der gebaut wurde, um ein Haus zu schützen - und nun ein anderes in der Nachbarschaft der Überflutung aussetzt.

"So stirbt ein Pazifikatoll"

Das ist die Realität des Klimawandels: Während die einen aus weiter Entfernung darüber sprechen, müssen andere jeden Tag damit leben. Natana und Kabua haben jetzt versucht, der Welt diese Wirklichkeit vor Augen zu führen. Am Rande der UN-Vollversammlung starteten sie am Mittwoch gemeinsam die Rising Nations Initiative - eine globale Partnerschaft, die darauf abzielt, die Eigenständigkeit, Rechte und das Erbe von Pazifikatollstaaten zu bewahren, deren Existenz durch den Klimawandel bedroht ist.

Der Präsident der Marshallinseln David Kabua spricht bei der UN-Generalversammlung
Der Präsident der Marshallinseln David Kabua spricht bei der UN-Generalversammlung
(AP)

Natano beschrieb, wie sich der steigende Meeresspiegel praktisch schon auf Alles in Tuvalu ausgewirkt hat, vom Boden, den die Bevölkerung zum Anbau von Feldfrüchten benötigt, bis hin zu Häusern, Straßen und Stromleitungen, die vom Meerwasser weggespült werden. Der Preis dafür, sich irgendwie durchzuschlagen, werde am Ende nicht mehr zu ertragen sein und dazu führen, dass Familien wegzögen und die Insel selbst verschwinde. "So stirbt ein Pazifikatoll", sagte Natano. "Das ist es, wie unsere Inseln aufhören werden zu existieren."

Initiative soll Inselstaaten schützen

Im Einzelnen strebt die Initiative ein umfassendes internationales Programm zur Entwicklung und Finanzierung von Projekten an, die örtlichen Gemeinden helfen, sich den Herausforderungen durch den Klimawandel anzupassen und ihre Lebensgrundlage zu erhalten. Das einzigartige kulturelle Erbe jeder Pazifikatollnation soll geschützt werden, und in diesem Rahmen wirbt die Initiative um Unterstützung von Bemühungen, den Status der Inselstaaten als UN-Weltkulturerbe zu erreichen.

Staaten wie die USA, Deutschland, Südkorea und Kanada haben sich bereits hinter die Initiative gestellt, die einzigartigen Lasten anerkannt und die Inselnationen wie Tuvalu und die Marshallinseln zu schultern haben. Auch in einem Bericht des UN-Weltklimarates vom Februar wird die Verwundbarkeit kleiner Insel-Entwicklungsstaaten und anderer globaler Hotspots wie Afrika und Südasien hervorgehoben. Demnach ist es 15 Mal wahrscheinlicher, dass die Menschen dort an den Folgen extremen Wetters sterben als in weniger anfälligen Teilen der Welt.

Tuvalu selbst stößt kaum Emissionen aus

Wenn die Erwärmung über ein paar Zehntelgrad mehr hinausgehe, könnte das dazu führen, dass manche Gebiete - so einige kleine Inseln - unbewohnbar würden, sagt die Klimaexpertin und Mitverfasserin des Berichts, Adelle Thomas.

Natano wies am Mittwoch darauf hin, dass Tuvalu und seine pazifischen Nachbarn "nichts getan haben, um Klimawandel zu verursachen". Tatsächlich machen ihre CO2-Emissionen weniger als 0,03 Prozent des gesamten Ausstoßes auf der Welt aus. "Dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass die kollektive Handlung vieler Nationen mehrere souveräne Länder unbewohnbar gemacht haben werden", sagt Natano.

Staaten wollen Schäden zahlen

Advertisement

Vertreter anderer Staaten bei der Veranstaltung am Mittwoch wiesen zwar eine Verantwortlichkeit nicht zurück, aber ob sie genug tun werden, um eine Wende zu bewirken, wird man sehen müssen. Manche haben Geld versprochen, um Inselnationen beim Finanzieren von Frühwarnsystemen zu helfen oder dabei, ihre Häuser besser gegen extreme Wetterereignisse wie Hurrikane zu schützen. Aber insgesamt war weniger die Rede davon, das Problem des Klimawandels zu verringern als darüber, die Schäden zu bewältigen, die er bereits angerichtet hat.

"Wir sehen diesen Zug kommen, er kommt auf dem Gleis, und wir müssen aus dem Weg gehen", sagte Amy Pope von der International Organization for Migration.

Deutschland musste jüngst Kohlekraftwerke reaktivieren

Die deutsche Klimabeauftragte Jennifer Morgan, die auch an der Veranstaltung am Mittwoch teilnahm, sprach über das Ziel der Bundesrepublik, bis 2045 CO2-Neutralität zu erreichen. Deutschland hält zwar daran fest, sich bis 2030 stufenweise von der Kohle als Energiequelle zu verabschieden, musste aber angesichts von Energieknappheit als Folge von Russlands Ukrainekrieg Kohlekraftwerke reaktivieren.

In den Augen des Präsidenten der Marshallinseln könnten reiche Länder viel mehr tun. In seiner Rede vor der UN-Generalversammlung am Dienstag rief Kabua Staats-und Regierungschefs führender Nationen dazu auf, sich Sektoren wie die Luft- und Schifffahrt zur Brust nehmen, die sich auf fossile Brennstoffe stützen. Er wies in diesem Zusammenhang auf einen Vorschlag der Marshallinseln hin, der Kohlenstoff-Gebühren für die internationale Schiffstransporte vorsieht.

Guterres will sich die größten Luftverschmutzer der Welt vorknöpfen

UN-Generalsekretär António Guterres hat sich ebenfalls dafür eingesetzt, sich die größten Luftverschmutzer der Welt vorzuknöpfen. In seiner Eröffnungsrede bei der Generalversammlung am Dienstag appellierte er an reichere Länder, die Profite von Energieunternehmen zu versteuern und die Mittel an Länder umzuleiten, die Schäden durch den Klimawandel erlitten oder es schwer hätten, den Anstieg der Lebenshaltungskosten zu bewältigen.

Derweil, während wohlhabende Länder bei der andauernden UN-Generalversammlung zu Taten statt Worten aufrufen, werden Kabua und Natano weiter mit ihrer täglichen Klimawandel-Realität kämpfen - und versuchen, weiter zu existieren.

Auch interessant:

Hitzerekord und Extremwetter: Darum war der Sommer 2022 so außergewöhnlich

Advertisement