Klimagerechtes Bauen mit Stroh, Lehm und Seegras | Weather.com
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Stroh, Lehm und Seegras – klimagerechtes Bauen im Trend 

"using straw as a construction material is a new and ecologic way of vconstruction. In Germany it is getting more and more into fashion to build a house out ot straw. The picture shows the frame work, the compartments are filled with pressed straw. Inside  a 5 cm layer of clay plaster will be applied, the outside will be covered with wood panels. This way of construction is not only ecological, but creates a very comfortable living environment."
Hausbau mit gepresstem Stroh hat viele Vorteile - vor allem fürs Klima. Derzeit gibt es rund 2000 Strohhäuser in Deutschland.
(GettyImages)

Klimagerechtes Bauen wird immer wichtiger und liegt im Trend. „Die Bezeichnung ‚klimagerechtes Bauen‘ umfasst mehrere Aspekte: Das wichtigste Kriterium ist, dass CO2-negativ gebaut wird, am Lebensende eines Gebäudes also mehr CO2 vermieden beziehungsweise gebunden statt ausgestoßen wird“, sagt Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. „Dazu kommt, dass beim Abriss des Gebäudes kein Abfall anfällt, sondern die Materialien und Bauteile wiederverwendet werden können. Das ist das Cradle-to-Cradle-Prinzip. Und wir wollen weniger Material mit besserer Qualität einsetzen, also den Suffizienz-Gedanken am Bau umsetzen.“  

Produktionsweisen müssen umgestellt werden 

Besonders beim Material lässt sich laut Gebbeken einiges an CO2 einsparen oder gar binden. Das geht zum einen, indem mehr nachhaltiges Material verbaut wird und zum anderen, indem die klassischen Baumaterialien wie Stahlbeton und Stahl mit deutlich weniger CO2-Ausstoß hergestellt werden. „Vor allem im Mehrgeschossbau wird bislang noch sehr viel Stahlbeton und Stahl genutzt“, sagt der Bauingenieur. „Hier wird versucht, deutlich CO2-ärmer zu produzieren, etwa indem die Energie für die Herstellung komplett regenerativ ist oder auf Wasserstoff gesetzt wird.“ Gerade die Zementindustrie arbeitet an neuen Verfahren und Ersatzbindemitteln für Zement. 

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Ein weiterer Hebel: Mehr Recyclingbaustoffe einsetzen. „Vor allem die so genannte Mantelverordnung (Ersatzbaustoffverordnung) verhindert derzeit das Bauen mit recyceltem Material“, sagt Gebbeken. Aber nach Ansicht des Kammer-Präsidenten ist der politische Wille inzwischen sehr groß, die gesetzlichen Vorgaben zu ändern und verstärkt auf recycelte Materialien zu setzen. 

Holz macht nur 10 Prozent des Materials aus 

Neben den recycelten Baustoffen spart vor allem der Einsatz von Holz und weiteren Naturmaterialien viel CO2. „Bislang liegt die Einsatzquote von Holz im Bau leider nur bei etwa zehn Prozent“, sagt Gebbeken. „Bei den anderen natürlichen Baumaterialien wie etwa Lehm ist der Anteil noch viel geringer.“ Vor allem bei Lehm sieht der Bauingenieur hohes Potenzial. Bislang werde er vor allem in nicht-tragenden Wänden eingesetzt.„Es gibt aber bereits Bauten, in denen Lehm auch problemlos dort verwendet wird, wo die Wände eine statische Funktion haben“, sagt er. „Grundsätzlich sollten wir viel mehr mit natürlichen Materialien experimentieren, es in Reallabors testen und dann im seriellen Bauen einsetzen.“ 

Rund 2000 Strohhäuser in Deutschland 

Auch Stroh wird immer häufiger eingesetzt. „Es gibt derzeit etwa 2000 Strohhäuser in Deutschland“, sagt der Bauingenieur. „Diese Häuser werden meist in Holzständerbauweise gebaut und sind auch noch wunderbar gedämmt und brauchen keine Heizung mehr.“ Ein Nachteil sei allerdings die mangelnde Erfahrung bei der Dauerhaftigkeit der Strohhäuser. „Skeptiker befürchten etwa Schimmel, Ungeziefer und mangelnden Brandschutz“, sagt Gebbeken. „Hier fehlt uns schlicht die Erfahrung und die Zeit wird zeigen, wie haltbar die Strohhäuser tatsächlich sind.“ 

D​ämmen mit Seegras, Hanf und Schafwolle

Naturmaterialien wie Seegras, Hanf oder Schafwolle werden derzeit vor allem als Dämmmaterial genutzt, können aber auch Lehmziegeln untergemischt werden. Da Material wie Seegras oder Hanf der Atmosphäre vor dem Einbau CO2 entzogen hat, ist die CO2-Bilanz hier negativ. „Außerdem können diese Rohstoffe nach Abbruch des Gebäudes wieder in der Natur zurückgegeben werden und müssen nicht aufwendig entsorgt oder recycelt werden“, argumentiert Gebbeken. 

Weiße Fassaden halten Hitze ab 

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Auch der Anstrich eines Gebäudes trägt zur Klimaverträglichkeit bei. „Das ist ein Aspekt, den wir schon länger betrachten. Nicht ohne Grund sind in heißen Ländern die meisten Fassaden weiß“, sagt der Kammer-Präsident. Dunkle Wände werden durch Hitze aufgeheizt und lassen die Wärme gegebenenfalls auch ins Gebäudeinnere. Bei hellen Wänden hingegen wird die eintreffende Energie abgestrahlt und das Haus bleibt kühl. „Die Farben sind auch beim Asphalt und bei Bodenbelägen von Straßen und Gehwegen zunehmend ein Thema“, weiß der Ingenieur. 

Die B​egrünung von Fassaden und Dächern bringt....

Weitere Punkte beim klimagerechten Bauen sind die Fassadenbegrünung und der Umgang mit Wasser. Um Wasser länger in den Wohngebieten zu halten und das Wechselspiel von Dürre und Starkregen besser abfangen zu können, werden beispielsweise beim Hausbau immer häufiger auch Regenwasserspeicher wie Zisternen gebaut und Dachbegrünungen vorgesehen. 

Hinzu kommen Flächenentsiegelungen und Stadtbegrünungen. „Mit einer grünen Fassade und oder einem begrünten Dach erhält man dazu noch Schallschutz, Biodiversität, eine Feinstaubreduktion und durch die Verdunstung eine Abkühlung der Gegend“, erklärt Gebbeken.

.​...bis zu acht Grad Kühlung

Eine Studie der TU München habe dazu ergeben: Mit einer strategischen Begrünung von Gebäuden und urbanen Räumen kann eine Stadt um sechs bis acht Grad runtergekühlt werden. „Vor dem Hintergrund der immer heißer werdenden Sommer, ist das definitiv eine sehr wirkungsvolle Maßnahme.“ 

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