„Ohne Wasser kein Wassersport“: Trockenheit bedroht den Tourismus an französischen Stauseen | Weather.com
Advertisement
Advertisement

„Ohne Wasser kein Wassersport“: Trockenheit bedroht den Tourismus an französischen Stauseen

Dutch tourists sunbathe at the Lac de Castillon in southern France, Tuesday, June 20, 2023. Human-caused climate change is lengthening droughts in southern France, meaning the reservoirs are increasingly drained to lower levels to maintain the power generation and water supply needed for nearby towns and cities. (AP Photo/Daniel Cole)
Klares Gebirgswasser zwischen imposanten Felswänden: Jährlich zieht es fünf Millionen Touristen an die Stauseen in Südfrankreich.
(AP Photo/Daniel Cole)

Drei große Stauseen in Südfrankreich waren bislang immer beliebte Urlaubsziele für Wassersportler. Doch angesichts der großen Hitze in diesem Sommer besteht die Gefahr, dass die Wassermengen für dieses Vergnügen bald nicht mehr ausreichen.

Auf dem Lac de Sainte-Croix nordöstlich von Marseille tummeln sich immer noch die Tretboote und Wildwasserkanus der Touristen. Ergiebige Regenfälle im vergangenen Frühjahr und effizientes Management der zuständigen Behörden haben für ausreichende Wassermengen in dem großen Stausee des Flusses Verdon gesorgt. Doch die Tourismusbranche befürchtet, dass die weit verbreitete Trockenheit in Südfrankreich schon bald zu einem niedrigen Wasserstand führen könnte – und damit zum Einbruch ihrer Einnahmen.

5 Millionen Touristen besuchen die Schluchten

„Bis jetzt läuft das Geschäft noch gut“, sagt Antoine Coudray, dessen Unternehmen Wildwasser-Rafting und Kanufahrten in den Schluchten des Verdons anbietet. „Aber wenn es hier nicht mehr genug Wasser gibt, dann müssen wir uns etwas Neues einfallen lassen.“

Der Lac de Sainte-Croix ist einer der drei großen Stauseen, die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zur Elektrizitätsgewinnung in den französischen Westalpen errichtet wurden. Die beiden anderen sind der Lac de Serre-Poncon und der Lac de Castillon. Mit ihrem klaren Gebirgswasser zwischen imposanten Felswänden sind sie alljährlich eine Attraktion für fast fünf Millionen Touristen, vor allem natürlich in den Sommermonaten. Doch immer höhere Temperaturen infolge der Erderwärmung haben den Wasserstand im vergangenen Jahr erstmals deutlich sinken lassen – zum großen Schock der Wassersportunternehmen.

„ …dann gibt es auch keinen Anreiz, in dieser Gegend Urlaub zu machen“

Die Wasserkraftwerke an den insgesamt 16 Staudämmen der drei künstlichen Seen decken rund 35 Prozent des Strombedarfs in der Region Provence-Alpes-Cote d’Azur. Zugleich wird ein Großteil des Trinkwassers aus den Seen bezogen, die Landwirtschaft nutzt sie für ihre Bewässerungsanlagen. Die Sicherstellung der Versorgung obliegt der französischen Elektrizitätsgesellschaft EDF, und diese muss den Wasserverbrauch so kontrollieren, dass sie ihre Turbinen langfristig sicher betreiben kann. Es ist nicht auszuschließen, dass der Wasserstand dabei so tief sinkt, dass Wildwasserfahrten in den oberen Schluchten unmöglich werden.

Jean-Claude Fraizy, der auf dem Lac de Castillon Kanus verleiht, erklärt, dass seine Einnahmen im vergangenen Sommer um 60 Prozent eingebrochen seien: „Seit 35 Jahren arbeite ich schon hier, und so etwas habe ich noch nie zuvor erlebt. Wir waren ja auch überhaupt nicht darauf vorbereitet. Aber wenn es hier kein Wasser gibt, dann gibt es auch keinen Anreiz, in dieser Gegend Urlaub zu machen.“

Schneemangel verschärft Trockenheit

Advertisement

Nach einem äußerst trockenen Sommer 2022 brachte auch der vergangene Winter keine Erleichterung. Es gab einfach nicht genügend Niederschläge, damit der Verdon die Stauseebecken wieder hinreichend auffüllen konnte. Schneefälle gingen um 40 Prozent zurück, wie Paul Marquis vom Wetterdienst E-Meteo berichtet. Zwar regnete es im Frühjahr dann recht ausgiebig, doch dem Meteorologen zufolge reichte das nicht aus, zumal auch der Grundwasserspiegel gesunken ist.

Der Lac de Serre-Poncon ist Marquis zufolge zurzeit bis auf eine Höhe von 755 Metern über dem Meeresspiegel aufgestaut, optimal wären 780 Meter. Um diesen Wasserstand noch zu erreichen, hat das Unternehmen EDF die Stromgewinnung etwas gedrosselt. Doch letztlich ist zu befürchten, dass EDF einen geringeren Wasserstand in Kauf nehmen muss muss, um die Energieversorgung der Region aufrecht zu erhalten.

Tourismusbranche will alternative Sportarten anbieten

Die Tourismusbranche trifft unterdessen Vorkehrungen, um nicht wieder eiskalt erwischt zu werden wie im vergangenen Jahr. Rafting-Unternehmer Coudray hat seine Boote neu ausgerüstet, damit sie auch in flacheren Gewässern einsatzfähig sind. Auch werden jetzt alternative Sportarten angeboten, um die Touristen weiterhin an die großen Stauseen und die Schluchten des Verdons zu locken.

Der Tourenführer Guillaume Requena betont, dass seine Branche langfristige Lösungen finden müsse. Zudem müsse sie ihre Interessen offensiv in Verhandlungen mit der EDF vertreten, denn deren Kontrolle des Wasserstands habe schließlich unmittelbare Auswirkungen auf den Tourismus in der Region. Doch etwas resigniert räumt Requena ein, dass das drohende Aus für den Wildwassersport im Vergleich zur Elektrizitätsversorgung wohl kaum einen großen Stellenwert habe: „Wer kümmert sich beim Wassermanagement schon um rund 20 Wassersportunternehmen. Da sind wir doch nur das fünfte Rad am Wagen.“

D​as könnte Sie auch interessieren:

Faktencheck: Historisches Foto von ausgetrockneter Elbe widerlegt Klimawandel nicht!

Advertisement