Dürre: Mayotte trocknet aus | Weather.com
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Nur alle drei Tage fließend Wasser: Mayotte trocknet aus

10. Oktober 2023: Das fast ausgetrocknete Wasserreservoir von Combani ist auf dem französischen Territorium Mayotte im Indischen Ozean zu sehen. Die Regierung setzt ihre Hoffnungen auf die bevorstehende Regenzeit. (AP Photo/Gregoire Merot)
10. Oktober 2023: Das fast ausgetrocknete Wasserreservoir von Combani ist auf dem französischen Territorium Mayotte im Indischen Ozean zu sehen. Die Regierung setzt ihre Hoffnungen auf die bevorstehende Regenzeit.
(AP Photo/Gregoire Merot)

Mayotte ist der ärmste Teil der Europäischen Union. Und täglich wird das Wasser knapper. In dem französischen Territorium vor der Ostküste Afrikas fließt es nach langer Dürre, wegen Misswirtschaft und fehlender Investitionen nur noch alle drei Tage aus dem Hahn.

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Für viele in Mayotte ist das, was sich in ihrer Heimat abspielt, nur ein Anfang. Auch andere französische Überseegebiete seien betroffen, die Krise müsse ein Weckruf für die Regierung in Paris sein, heißt es. "In ein paar Jahren wird die Knappheit ein globales Problem sein", meint Racha Mousdikoudine aus der Ortschaft Labattoir. "Dies ist eine Gelegenheit für alle Französinnen und Franzosen, sich mit uns zu solidarisieren", erklärt sie, "uns zur Seite zu stehen, um Lösungen zu finden und die Situation in Mayotte sichtbar zu machen".

F​ließend Wasser nur alle drei Tage

Die 38-Jährige hat sich einer Protestbewegung angeschlossen, die Misswirtschaft und mangelnde Investitionen für das Problem verantwortlich macht, das nun ihren gesamten Alltag überschattet. "Mayotte hat Durst" heißt die Bewegung treffend. Beim jüngsten Marsch vor das Wasserversorgungsunternehmen von Mayotte kamen die Demonstrierenden mit leeren Plastikflaschen.

Frauen füllen Eimer mit Wasser im Bezirk M'tsamoudou in der Nähe von Bandrele auf dem französischen Territorium Mayotte im Indischen Ozean. (AP Photo/Gregoire Merot)
Frauen füllen Eimer mit Wasser im Bezirk M'tsamoudou in der Nähe von Bandrele auf dem französischen Territorium Mayotte im Indischen Ozean.
(AP Photo/Gregoire Merot)

Wenn das Wasser mal wieder aus dem Hahn läuft, muss sich die zweifache Mutter Mousdikoudine entscheiden, für was sie es verwendet. In dem Inselterritorium mit seinen rund 350.000 Einwohnern nordwestlich von Madagaskar fließt das wertvolle Nass alle drei Tage von 16 Uhr bis 10 Uhr morgens. Die Familien beeilen sich dann, Essen zuzubereiten, Geschirr zu waschen, ihre Häuser zu reinigen und alles zu erledigen, wofür sie Wasser brauchen. Und abzufüllen, was möglich ist. Dann bleibt es 48 Stunden lang wieder trocken.

H​offnung liegt auf der Regenzeit

Die Regierung setzt große Hoffnungen auf die bevorstehende Regenzeit. Das aber sei nicht genug, um die tiefsitzenden Wasserprobleme zu lösen, protestieren die Menschen in Mayotte. "Es ist wichtig, mit den Behörden im Gespräch zu bleiben, aber wir werden nicht untätig bleiben", betont Racha Mousdikoudine.

"Wenn wir zu Hause bleiben, werden die Politiker weiterhin erklären, die Bevölkerung sei widerstandsfähig, dass wir die Situation bewältigen können", sagt sie. "Aber das können wir nicht, es geht um Menschenleben, um unsere körperliche und geistige Gesundheit und um das Leben unserer Kinder."

Jahr sechs der Dürre

Früher gehörte Wasser zu den wenigen Reichtümern Mayottes. Die bergige und bewaldete Region Combani im Zentrum Mayottes ist voller Quellen und von Flüssen durchzogen. Doch nun sind die kahlen Ufer des Stausees von Combani verdörrt. Das Staubecken, das eigentlich ein Fassungsvermögen von 1,75 Millionen Kubikmeter hat, ist nur noch zu zehn Prozent gefüllt.

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Inzwischen ist Jahr sechs der Dürre. Aktuell erlebt Mayotte inmitten der Klimakrise laut nationalem Wetterdienst das trockenste Jahr seit 1997.

Z​ahlreiche Lecks verschwenden Wasser

Doch selbst ohne die Dürre ist das Wassersystem überlastet. Bei einem Besuch auf Mayotte räumte der französische Übersee-Minister Philippe Vigier kürzlich ein, dass seit September 850 Lecks im Versorgungssystem entdeckt worden seien. Regelmäßig stellen Anwohner Videos ins Internet, auf denen zu sehen ist, wie Wasser aus den Leitungen ins Leere sprudelt. Im Rahmen eines im September angekündigten "Marshall-Plans" fürs Wasser wurde zudem bislang nur ein einziges neues Bohrloch in Betrieb genommen.

Die Regierung verspricht derweil Sofortmaßnahmen zur Erschließung neuer Quellen, die Renovierung einer Entsalzungsanlage und die Ausweitung der staatlichen Verteilung von abgefülltem Wasser.

Präsident rechnet mit Verschärfung der Lage

Die Menschen in Mayotte aber fürchten, dass das alles nicht schnell genug geht – und haben manche der Zusagen schon öfter gehört. So hat das Projekt Entsalzungsanlage eine Geschichte von Verzögerungen, nicht eingehaltenen Fristen und Vorwürfen der Unterschlagung von Subventionen.

Wer es sich leisten kann, schafft sich eigene Wassertanks an. Ein Großteil der Bevölkerung von Mayotte lebt jedoch in Armut. Importiertes Wasser in Packungen ist für sie unerschwinglich.

Der Präsident des Département-Rats von Mayotte, Ben Issa Ousseni, fürchtet derweil, dass die Lage sich weiter verschärft. Im lokalen Fernsehsender Mayotte 1ère sagte er, er glaube, dass "die Krise noch vor uns liegt". Dann könne passieren, dass die Wasserversorgung für die Haushalte komplett unterbrochen werde.

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