Große Waldbrände im Winter werden häufiger | Weather.com
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Große Waldbrände im Winter sind ungewöhnlich – warum sich das nun ändert

9. Januar 2025, Altadena, Kalifornien: Ein Einsatzfahrzeug fährt am Donnerstag durch ein vom Eaton-Feuer verwüstetes Viertel (AP Photo/John Locher)
9. Januar 2025, Altadena, Kalifornien: Ein Einsatzfahrzeug fährt am Donnerstag durch ein vom Eaton-Feuer verwüstetes Viertel
(AP Photo/John Locher)

Der Süden Kaliforniens erlebt gerade die schwersten Brände in einem Winter seit mehr als 40 Jahren. Normalerweise lodern zu dieser Jahreszeit keine Feuer, aber in diesem Jahr kommen mehrere Faktoren zusammen: Zum einen peitschen ungewöhnlich starke Santa-Ana-Winde Flammen und Funken mit mehr als 160 Kilometern pro Stunde voran, zum anderen ist die extreme Dürre vergangener Jahre zurückgekehrt.

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Hinzu kamen in der jüngsten Zeit Wetterkapriolen mit enormen Regenmengen, die Unmengen Pflanzen wachsen ließen, gefolgt von Rekordtemperaturen, bei denen diese Pflanzen vertrocknet sind und jetzt wie Zunder wirken. Dazu ist der Jetstream ungewöhnlich stark und erfasst viele überirdische Stromleitungen.

"Die Feuer sind schneller geworden"

Experten zufolge führt all dies dazu, dass sich die Wald- und Buschbrände gerade in einen tödlichen urbanen Flächenbrand verwandeln. In den Vergangenen Jahrzehnten seien im Zuge der globalen Erwärmung im Westen der USA "winzige, mächtige und schnelle" Brände ausgebrochen, sagt die Brandforscherin Jennifer Balch von der University of Colorado. Sie veröffentlichte im vergangenen Oktober eine Studie in der Fachzeitschrift "Science", in der 60.000 Brände seit 2001 untersucht wurden.

Die Studie ergab, dass sich die Häufigkeit der am schnellsten wachsenden Brände seit 2001 mehr als verdoppelt hat und diese weitaus mehr Zerstörung anrichteten als langsamere, größere Brände. "Die Feuer sind schneller geworden", sagte Balch am Mittwoch. "Als Hauptursache vermuten wir eine Klimaerwärmung, die das Brennen von brennbarem Material erleichtert, wenn die Bedingungen stimmen."

Schlimmste Waldbrände in der modernen Geschichte Kaliforniens?

Normalerweise sind Brände im Sommer größer, aber sie kommen nicht annähernd so schnell voran. Winterbrände "sind viel zerstörerischer, weil sie viel schneller entstehen" sagt der Brandforscher Jon Keeley von der wissenschaftlichen US-Bundesbehörde Geological Survey.

Das Privatunternehmen AccuWeather schätzt den Schaden der jüngsten Brände auf bis zu 57 Milliarden Dollar (55 Milliarden Euro). AccuWeather-Chefmeteorologe Jonathan Porter sagt, es könnte sich um die schlimmsten Waldbrände in der modernen Geschichte Kaliforniens handeln, wenn man die Zahl der verbrannten Gebäude und den wirtschaftlichen Schaden berücksichtige.

Santa-Ana-Winde fachen Brände an

"Es ist einfach die perfekte Anordnung aller Faktoren in der Atmosphäre, um dieses Muster und den starken Wind zu erzeugen", sagt Tim Brown, Direktor des Western Regional Climate Center. "Die Auswirkungen nehmen mit zunehmender Windgeschwindigkeit exponentiell zu", sagt der Brandforscher Mike Flannigan von der Thompson Rivers University in Kanada. Wenn die Feuerwehrleute die Flammen innerhalb von etwa zehn Minuten erreichten, könne die Ausbreitung eingedämmt werden, aber "nach 15 Minuten ist es zu spät, und es ist vorbei."

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Es gebe keinen sicheren Zusammenhang zwischen den Santa-Ana-Winden – Böen aus dem Osten, die die Berge herunterkommen, an Geschwindigkeit gewinnen und auf die Küste treffen – und dem vom Menschen verursachten Klimawandel, sagt der Klimawissenschaftler Daniel Swain vom California Institute for Water Resources. Aber eine Bedingung, die zu diesen Winden geführt habe, sei ein großer Temperatursturz beim Jetstream – dem Luftstrom, der Wettersysteme über den Globus bewegt. Dieser habe dazu beigetragen, kalte Luft in die östlichen zwei Drittel der USA zu bringen, sagt der Klima- und Brandwissenschaftler John Abatzoglou von der University of California Merced. Andere Wissenschaftler haben solche Einbrüche des Jetstreams vorläufig mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht.

Klimawandel begünstigt trockenen Herbst und Winter

Die Santa-Ana-Winde träten immer später im Jahr auf und verlagerten sich vom trockeneren Herbst in den feuchteren Winter, sagt Experte Keeley. Normalerweise würde das die Brandgefahr verringern, aber die Zeiten seien nicht normal. Nach zwei nassen Wintern, in denen ein "atmosphärischer Fluss" genanntes Wetterphänomen der Region mehrfach riesige Wassermengen brachte und das Pflanzenwachstum anregte, trocknete eine schnell einsetzende Dürre die Pflanzen aus und schuf damit laut Swain und Abatzoglou perfektes Brennmaterial. Laut Swain treten diese Wetterkapriolen immer häufiger auf. Es bestehe ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den häufigeren trockenen Herbst- und Winterperioden, die Bränden Vorschub leisten, sagt Swain.

Diese verheerenden Brände könnten ohne die trockenen und heißen Bedingungen nicht entstehen, und ohne die extremen Windgeschwindigkeiten würden sie auch nicht lodern, sagen Abatzoglou und andere Experten.

Bevölkerungswachstum vergrößert Brandgefahr

"Ich denke, dass wir das Thema aus der Perspektive der globalen Veränderungen betrachten müssen", sagt Keeley. "Das Klima ist nur eine globale Veränderung. Eine der anderen wichtigen globalen Veränderungen ist sicherlich das Bevölkerungswachstum. Und Kalifornien ist in den vergangenen 20 Jahren mit einer phänomenalen Geschwindigkeit gewachsen. Wenn mehr Menschen hinzukommen, gibt es auch mehr Stromleitungen und damit mehr Möglichkeiten für Defekte."

Die Auslöser für die jüngsten Brände müssen zwar noch ermittelt werden, aber Flannigan geht davon aus, dass es sich dabei um Stromleitungen handelt, die durch starke Winde zu Fall gebracht wurden. Das war der Auslöser für die verheerenden Brände in Kalifornien in den Jahren 2016 und 2017, was dazu führte, dass der Energieversorger Pacific Gas & Electric nach Klagen in Höhe von 30 Milliarden Dollar Konkurs anmelden musste.

"Jetzt sprechen wir von Feuerjahren"

Eine Analyse von 423 kalifornischen Waldbränden seit 1984 mit einem Umfang von mindestens 39 Quadratkilometern, zeigt, dass nur vier von ihnen während des Winters loderten. Etwa zwei Drittel dieser größeren Brände brachen im Juni, Juli oder August aus. Bundesdaten zeigen, dass in Kalifornien seit 1984 in einem Januar nur sechs Waldbrände mehr als fünf Quadratkilometer verwüstet haben. Bis zu den aktuellen Palisades- und Eaton-Bränden war der größte Brand das Viejas-Feuer, das 2001 in den Bergen östlich von San Diego gut 44 Quadratkilometer verwüstete.

"Waldbrände im Winter sollten ein Widerspruch in sich sein", sagt Balch von der Universität von Colorado. "Weil die Temperaturen fallen und wir Niederschläge bekommen – Wir sollten Niederschläge bekommen." Früher hätten die Feuerwehrleute von Feuersaisons gesprochen, sagt David Acuña, Einsatzgruppenleiter bei der Feuerwehrbehörde Cal Fire: "Jetzt sprechen wir von Feuerjahren."

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