Es gibt auch gute Nachrichten: Wie die Corona-Krise Menschen zusammenschweißt | The Weather Channel
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Es gibt auch gute Nachrichten: Wie die Corona-Krise Menschen zusammenschweißt

17.03.2020, Nordrhein-Westfalen, Essen: Die 79jährige Inge Vincents (r) bekommt von ihrer Nachbarin Heike van Ackern eine Tasche mit den von ihr bestellten Lebensmitteln. Die Rentnerin möchte während der Corona-Pandemie wegen des erhöhten Ansteckungsrisikosmöglichst ihr Haus selten verlassen. (zu dpa-Korr "Wie uns die Corona-Krise zusammenschweißt") Foto: Roland Weihrauch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Eine Rentnerin bekommt ihre Einkäufe von der Nachbarin an die Haustür.
( Roland Weihrauch/dpa)

Hochwasser, Erdbeben, Coronavirus: Menschen halten in Krisenzeiten zusammen. Das ist fast so sicher wie ... - ach nein, Gottesdienste sind ja auch abgesagt wegen Sars-CoV-2. Dennoch - oder gerade deshalb - bricht sich dieser Tage wieder Solidarität Bahn. Wie bei Naturkatastrophen helfen Menschen einander, packen an und unterstützen nicht nur ihre Liebsten.

So wurde beispielsweise die #NachbarschaftsChallenge ins Leben gerufen. Auf der Seite nebenan.de gibt es zahlreiche Tipps - etwa speziell in Bezug auf Nachbarn aus Risikogruppen und Entlastung für Eltern bei der Kinderbetreuung. Auch FOCUS Online hat eine Aktion ins Leben gerufen.

Es geht um Solidarität

„Als einzige Spezies sind wir evolutionsbiologisch dazu in der Lage, uns unserer Gefühle und Gedanken bewusst zu werden, unser Handeln zu reflektieren und es an sozialer Verantwortung und Gerechtigkeit auszurichten“, sagt die Sozialpsychologin Elisabeth Kals von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Es gehe um Solidarität mit denen, die zu Risikogruppen gehören - aber auch mit all jenen, die im Moment beruflich oder privat besonders gefordert sind und dabei oft an ihre Grenzen gehen, erklärt die Professorin.

Die Gesellschaft kann an dieser Krise wachsen

„Wenn der moralische Kompass ist, Schwache sowie Helfende in besonderer Weise zu schützen, kann eine Gesellschaft an dieser Krise auch wachsen und gestärkt aus ihr hervorgehen“, ist Kals überzeugt. Sie rechnet mit „positiven Interaktionen im Alltag“. „Ganz nach dem Motto ‚In dieser Zeit der Krise müssen wir zusammenhalten‘“.

NachbarschaftsChallenge: Einkäufe für Alte oder Kranke übernehmen

Als Beispiel nennt Kals die Initiative aus Wien, die sich im Netz unter dem Schlagwort NachbarschaftsChallenge (deutsch: -Herausforderung) verbreitet: Social-Media-Managerin Frederika Ferkova hängte einen Zettel im Wohnhaus auf: „Wir gehören nicht zur Risikogruppe und können somit unter die Arme greifen, falls benötigt.“

Auf diesem Weg bietet sie zum Beispiel an, Einkäufe für Alte oder Kranke zu übernehmen. Angesichts abgesagter Veranstaltungen an Universitäten könnten sich auch Studenten „in ihrer neuen Freizeit ja um Kinder aus der Nachbarschaft kümmern und mit dem Achtjährigen von nebenan zum Beispiel etwas malen“, findet Ferkova.

Viele Nachahmer in Deutschland gefunden

Mittlerweile hat die Aktion auch in Deutschland Nachahmer gefunden: Die Junge Union etwa sucht „Einkaufshelden“, Medien haben Aktionen gestartet. Susanna Tausendfreund (Grüne), Bürgermeisterin von Pullach bei München, ruft auf der Facebook-Seite der Gemeinde zu unbürokratischer Hilfe auf: Besorgungen für Ältere oder Kranke übernehmen, sich zur Koordination etwa bei der Seniorenbeauftragten melden.

Frei nach dem Motto: "Teilen ist Kümmern"

Frei nach dem Motto „Teilen ist Kümmern“: „Denn ‚sharing is caring‘ - für unser Miteinander, für unsere Seniorinnen und Senioren und für unsere Schwachen. Lassen Sie uns zusammenhalten und füreinander einstehen als Gemeinde!“ Der Nachbarschaftsverein deinNachbar in München zeigt in einem Facebook-Kurs, wie Senioren versorgt werden können. Und das sind nur ein paar Beispiele.

Angst auf Solidarität umdenken

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Ferkova kam nach eigenen Angaben nach Aufrufen einer Frau in häuslicher Isolation auf die #NachbarschaftsChallenge-Idee: Natascha Strobl muss im Moment zu Hause bleiben, weil ihre Tochter wegen einer Erkrankung zur Risikogruppe gehört. „Wir müssen jetzt von Angst und Panik auf Solidarität umdenken“, so Strobl. Sie regte auch an, für Menschen, die einfach mal etwas reden wollen, Telefonate anzubieten.

Abstand zueinander halten

Neben Politikern, Kommunen und Privatpersonen rufen dieser Tage auch Vereine, Patientenschützer, Kirchenvertreter und soziale Organisationen zur Solidarität auf. Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geht es schon damit los, Abstand zueinander zu halten. „Eine scheinbar paradoxe Sache, die aber heute notwendig ist“, sagt sie.

Finanzielle Hilfe

Neben Mitmenschlichkeit geht es bei manchen Appellen auch um finanzielle Hilfen für Leute, deren Bezahlung nun auf der Kippe steht - etwa in der Kulturszene. So twitterte Entertainer Jan Böhmermann: „Kulturstätten, Künstlerinnen, Künstler, Autorinnen, Autoren, Theater, Kinos oder Veranstalter werden in den kommenden Monaten unsere Solidarität und wirtschaftliche Unterstützung benötigen“.

#CoronaCare: Deutschland hilft sich

FOCUS Online und BurdaForward hat sich allen Aktionen angeschlossen und „#Coronacare: Deutschland hilft sich“ ins Leben gerufen. Die Aktion fordert ebenso dazu auf, allen bedürftigen Menschen in der Nachbarschaft beiseite zu stehen. Dazu zählt bereits das Gassigehen mit dem Hund oder die Hilfe beim Einkaufen. Denn gerade die älteren Menschen oder chronisch Kranken sollten die öffentlichen Verkehrsmittel meiden und keine Großveranstaltungen besuchen. Diese Menschen brauchen dringend Unterstützung.

Facebook-Gruppe von FOCUS-Online

Dafür wurde auch die FOCUS-Online-Facebook-Gruppe „CoronaCare“ gegründet, der jeder beitreten kann. Menschen können sich untereinander vernetzen und ihre Sorgen und Ängste mitteilen. So konnten bereits einigen Menschen geholfen werden. Wie zum Beispiel Christine Gorth, die aufgrund ihrer Erkrankung dringend auf Desinfektionsmittel angewiesen ist. Die FOCUS Online-Community hat innerhalb kürzester Zeit dafür gesorgt, dass Christine Gorth mehrere Flaschen Desinfektionsmittel erhielt.

Immer noch viele negative Meldungen

Doch allen Aufrufen zum Trotz gibt es auch Meldungen, die eher nach der Kehrseite klingen: Manche Tafeln bekommen angesichts leergekaufter Supermärkte keine Lebensmittel mehr, der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes meldete einen Rückgang der Spenderzahlen. Womöglich bleiben die Leute aus Furcht vor einer Ansteckung fern.

Hoffnung auf weniger Angst und mehr Zuversicht

Sozialpsychologin Kals sagt, es sei wichtig, die diffuse Angst zu verstehen und sich seriös zu informieren. „Die Hoffnung ist, dass durch Reflexion und Veränderung der Urteile und Einschätzungen nicht nur Ängste geringer werden und sich auf ein gut begründetes Maß einpendeln.

Sondern auch, dass positiv erlebte Emotionen wachsen, wie etwa Vertrauen, Zuversicht, aber auch Empathie für andere, die möglicherweise stärker bedroht und gefährdet sind als man selbst.“

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