„Schwarzer Pilz“: Seltene Krankheit breitet sich in Indien aus | Weather.com
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„Schwarzer Pilz“: Seltene Krankheit breitet sich in Indien aus

An Indian patient infected with black fungus is taken on a wheel chair for treatment at the Mucormycosis ward of a government hospital in Hyderabad, India, Sunday, May 23, 2021. (AP Photo/Mahesh Kumar A.)
Die Zahl der Patienten, die sich mit dem "Schwarzen Pilz" infizierten, steigt derzeit in Indien
(AP Photo/Mahesh Kumar A.)

Neben zwei heftigen Zyklonen, die Indien im Mai plagen und dadurch den Kampf gegen Corona erschweren, häufen sich jetzt auch noch Infektionen mit dem „Schwarzen Pilz“. Eigentlich ist die Krankheit selten - aber oft ist sie tödlich. Und jetzt tauchen in Indien alarmierend viele Fälle auf: Der „Schwarze Pilz“ trifft vor allem Covid-19-Kranke oder Menschen, die eine Corona-Infektion praktisch schon überstanden haben.

„Früher kamen mir jedes Jahr nur ein paar Fälle unter, aber die jetzige Infektionsrate ist beängstigend“, sagt Chef-Diabetologe Ambrish Mithal von der privaten Krankenhauskette Max Healthcare. Mukormykose heißt die Pilzerkrankung, deren plötzlich so starke Verbreitung die Ärzte schockt. „Es ist eine neue Herausforderung, und die Sache sieht düster aus“, sagt Mithal.

Immunschwache und Kranke besonders gefährdet

Den „Schwarzen Pilz“ gibt es nicht erst seit Corona. Die Krankheit wird von Schimmelpilzen ausgelöst, die in der Erde oder in pflanzlichem Material wie verrottendem Laub oder Kompost gedeihen. Der Schimmelpilz ist auch in der Luft zu finden und selbst in den Nasen von Menschen. Normalerweise sorgt der gesunde Körper dafür, dass er dort keinen Schaden anrichtet. Ist das Immunsystem aber geschwächt, kann die Mukormykose sich verbreiten, Gewebe zerstören und sogar zum Tode führen. Von Mensch zu Mensch übertragbar ist die Krankheit nicht.

Patienten mit angeschlagenem Immunsystem und Vorerkrankungen, vor allem mit Diabetes, greife der Pilz an, sagt Mithal. Auch nach einem starken Einsatz von Steroiden wie Cortison scheint die Mukormykose leichtes Spiel zu haben. Und solche Medikamente werden auch bei schweren Corona-Fällen verabreicht, um Leben zu retten.

Allerdings würden sie auch viel zu oft von nicht ausreichend geschulten Ärzten vor allem in ländlichen Gebieten eingesetzt, sagt der Mediziner SK Pandey am Ram-Manohar-Lohia-Krankenhaus in Lucknow im Unionsstaat Uttar Pradesh. „Das hat zu einer Zunahme von Fällen des ‚Schwarzen Pilzes‘ in kleineren Städten geführt“, erklärt Pandey. Oft seien Menschen betroffen, die gar nicht einmal als schwer erkrankte Corona-Patienten im Krankenhaus behandelt worden seien.

Medikamente gegen Pilzkrankheit sind knapp geworden

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Wer an Mukormykose erkrankt, muss schnell behandelt werden. Der Pilz frisst sich praktisch im Körper vor und lässt Gewebe absterben. Immer wieder müssen Chirurgen Teile des Gesichts, selbst Augen, entfernen, die schon vom Pilz befallen sind, um ein weiteres Vordringen zum Gehirn zu stoppen. Und selbst mit Behandlung ist der „Schwarze Pilz“ oft tödlich.

Rund 9000 Fälle seien bisher in Indien bekannt geworden, erklärte der Regierungsminister Sadananda Gowda am Pfingstwochenende. Das Medikament Amphotericin B, mit dem die Infektion behandelt werden kann, ist längst knapp geworden in dem südasiatischen Land. Zu Todesfällen äußerte sich Gowda nicht, in den Medien ist jedoch bereits von mehr als 250 die Rede.

Mehr als 300.000 Corona-Tote

Dabei ist Indien im Kampf gegen das Coronavirus ohnehin schon schwer getroffen. Seit Beginn der Pandemie wurden bis Montag beinahe 27 Millionen Infektionen bestätigt – bei einer vermutlich hohen Dunkelziffer. Fast die Hälfte der Neuinfektionen wurde allein in den vergangenen zwei Monaten gemeldet. Die Zahl der Corona-Toten hat 300.000 überstiegen.

Der „Schwarze Pilz“ sei nun noch eine neue Hürde und Herausforderung, räumt Ministerpräsident Narendra Modi ein. Sein Gesundheitsministerium hat die Unionsstaaten des Landes aufgerufen, die Ausbreitung genau zu verfolgen und die Epidemielage auszurufen. Alle medizinischen Einrichtungen müssen Mukormykose-Fälle nun zentral melden. Damit würde das Ausmaß besser ersichtlich, das Problem aber längst noch nicht gelöst.

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