Empörung in Liverpool: Stadt verliert Status als Weltkulturerbe | Weather.com
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Empörung in Liverpool: Stadt verliert Status als Weltkulturerbe

ARCHIV - 05.06.2021, Großbritannien, Liverpool: Die Sonne geht im Liverpooler Hafenviertel auf. Die Unesco hat der Hafenstadt Liverpool die Auszeichnung als Weltkulturerbe entzogen. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation (Unesco) traf die Entscheidung am Mittwoch auf seiner laufenden 44. Sitzung im chinesischen Fuzhou. Foto: Peter Byrne/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die Unesco hat der Hafenstadt Liverpool die Auszeichnung als Weltkulturerbe entzogen
(Peter Byrne/PA Wire/dp)

Das historische Hafengebiet Liverpools hat wegen städtebaulicher Maßnahmen den Status als Weltkulturerbe verloren. Es ist erst das dritte Mal in der Geschichte der Welterbekonvention, dass einer Kultur- oder Naturstätte der angesehene Titel entzogen wird.

Das zuständige Komitee der Unesco befand mehrheitlich in geheimer Abstimmung, dass Neubauten - darunter ein geplantes Stadion für den Fußballverein Everton - der „Authentizität und Integrität“ des Viertels abträglich seien und zu „unumkehrbaren Verlust von Eigenschaften“ führten.

Liverpools Bürgermeisterin Joanne Anderson bezeichnete den Beschluss am Mittwoch als „unbegreiflich“. Sie sei zutiefst enttäuscht über diese Entscheidung. Liverpool werde Einspruch einlegen, „aber was immer passiert, Liverpool wird immer eine Weltkulturerbe-Stadt sein.“ Wir haben ein atemberaubendes Hafenviertel und unglaubliche historische Bauten, um die uns andere Städte beneiden.“

Seit 2012 auf Liste bedrohter Kulturerbestätten

Liverpool war im 18. und 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Hafenstädte weltweit. Sie wurde durch Handel mit Waren und - bis zum Verbot 1807 - Sklaven reich. Im 20. Jahrhundert verfielen die historischen Docks, das Viertel wurde dann aber mit Museen, Geschäften, Bars, Restaurants und anderen Projekten wiederbelebt; Liverpool wurde zu einem Symbol für urbane Erneuerung und 2004 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Doch 2012 setzte das Weltkulturerbekomitee Liverpool wegen neuer städtebaulicher Entwicklungen auf die Liste gefährdeter Stätten. Es sah den historischen Charakter des Hafenviertels davon bedroht. Es hat nun nach Vorlage eines Berichts von Fachleuten entschieden.

Nur zwei Welterberstätten verloren bisher ihren Status

Entgegen ersten Erwartungen wurde dem Wildreservat Selous in Tansania, in dem ein Damm gebaut werden soll, nicht der Status als Welterbe entzogen. Allerdings bleibt es auf der Liste bedrohter Stätten.

Zuletzt hatte 2009 das Dresdner Elbtal wegen der Errichtung der Waldschlösschenbrücke den Titel als Welterbe verloren. Die erste Streichung gab es 2007 für Oman wegen der Verkleinerung des Wildschutzgebiets für die seltenen Arabischen Oryx-Antilopen.

Australien fürchtet Imageschaden

HANDOUT - 15.10.2015, Australien, NA: Das Handout der Nasa zeigt das Great Barrier Reef, fotografiert von der Internationalen Raumsttaion ISS aus. (Zu dpa «Die Angst um das große Riff: Kohleland Australien im Visier der UN») Foto: Nasa/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Das Handout der Nasa zeigt das Great Barrier Reef, fotografiert von der Internationalen Raumsttaion ISS aus
(Nasa/dpa)

Australien bemüht sich derweil, eine vom Komitee geplante Aufnahme des vom Klimawandel bedrohten Great Barrier Reefs in die Liste der gefährdeten Naturstätten aufzuschieben, um einen Imageschaden zumindest vorerst abzuwenden.

Um die Freitag geplante Entscheidung auf 2023 hinauszuzögern, hat Australien einen Änderungsvorschlag eingebracht, der von 12 der 21 Mitglieder des Komitees unterstützt wird. Die Abstimmung steht noch aus. Auch könnte es Änderungen geben.

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Als Folge des Klimawandels ist das Great Barrier Reef vor der Nordostküste Australiens durch warmes Wasser und Korallenbleiche bedroht. Das weltgrößte Riff dehnt sich über mehr als 340.000 Quadratkilometer aus und kann mit bloßem Auge vom Weltraum aus gesehen werden.

Die Unesco hat das Kohleland Australien eindringlich aufgefordert, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu treffen. Auch geht es um die Qualität des Wassers. Die langfristigen Aussichten für das Naturwunder hätten sich von „schlecht“ zu „sehr schlecht“ entwickelt.

Nationalpark Salonga dank Schutzmaßnehmen nicht mehr bedroht

Fisherman on river, Salonga National Park, Democratic Republic of Congo. September 2009. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY 1503904 TheoxWebb

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Salonga war unter anderem wegen Wilderei und Ölförderplänen seit 1999 auf der Roten Liste
(Imago)

Das Welterbekomitee beschloss auch, den Nationalpark Salonga in der Demokratischen Republik Kongo aus der Liste der gefährdeten Stätten zu nehmen, weil er „dank erfolgreicher Schutzmaßnahmen“ nicht mehr als bedroht gilt. Salonga ist das größte Schutzgebiet tropischen Regenwalds in Afrika und Lebensraum vieler bedrohter Arten. Bonobos und Waldelefanten kommen hier ebenso vor wie der Kongo-Pfau.

Salonga war unter anderem wegen Wilderei und Ölförderplänen seit 1999 auf der Roten Liste. Die Demokratische Republik Kongo hat aber zugesichert, künftig kein Erdöl auf dem Gebiet zu fördern. Zugleich fordert das Unesco-Komitee, die Bemühungen zur Bekämpfung der Wilderei fortzusetzen, eine bessere Überwachung sicherzustellen und die lokale Bevölkerung stärker in das Management einzubeziehen.

46 Welterbestätten in Deutschland

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten.

Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen aktuell 1120 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland verzeichnet 46 Welterbestätten.

Entscheidung über neue Nominierungen

Auf der Tagung sind unter den rund 40 Nominierungen für neue Welterbestätten auch fünf Bewerbungen mit deutscher Beteiligung: Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt, das jüdische Kulturerbe in Mainz, Speyer und Worms, die Kurorte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen als Teil bedeutender historischer Bäder in Europa sowie die römischen Grenzwälle Donaulimes und Niedergermanischer Limes. Über diese Anträge soll vom kommenden Wochenende an beraten werden.

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