Obdachlos im Winter: Diese Hilfen gibt es | Weather.com
Advertisement
Advertisement

Obdachlos im Winter: Diese Hilfen gibt es

Hessen, Frankfurt/Main: Ein Obdachloser schläft auf einer Treppe des Hauptbahnhofs in Frankfurt.
( Foto: Boris Roessler/dpa)

Die Winterkälte setzt Obdachlosen im besonderen Maße zu - sie kann sogar zur tödlichen Gefahr werden.

Hessens Städte versuchen mit vielfältigen Angeboten, den Menschen zu helfen. Das reicht von der Teestube über den Wärmebus bis hin zu Schlafplätzen speziell für Frauen. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter den Kommunen ergeben.

B​evölkerung soll auf Hilfsbedürftige achten

Die Frankfurter Sozialdezernentin Elke Voitl (Grüne) rief aber auch die Bevölkerung dazu auf, vermehrt auf Hilfsbedürftige zu achten und wenn nötig den Notruf zu wählen.

"Gehen Sie nicht vorbei, wenn Sie einen Menschen ungeschützt in der Kälte liegen oder in einer sonstigen Notlage sehen."

E​ine Vielzahl von Anlaufstellen

In der Mainmetropole gibt es nach Angaben der Stadtverwaltung eine Vielzahl an Anlaufstellen für Obdachlose mit ausreichend Übernachtungsplätzen.

Bleiben Sie mit der kostenlosen App von The Weather Channel immer auf dem neuesten Stand! Hier herunterladen!

Allein die Häuser am Ostpark sowie am Eschenheimer Tor hielten jeweils bis zu 200 Plätze bereit. Speziell an Frauen richtet sich das Haus Lilith mit 10 Plätzen. Darüber hinaus gibt es knapp 200 Plätze in Notunterkünften für drogenabhängige obdachlose Menschen.

K​ältebusse haben sich bewährt

"Wer keinen Aufenthalt in einer der Übernachtungsstätten möchte, erhält auf Wunsch vom Kältebus das Nötigste für die Nacht: einen Schlafsack, Snacks oder heißen Tee", erläuterte ein Sprecher.

Der Kältebus habe sich als Hilfe bewährt. "Er fährt nachts verschiedene Stationen im Stadtgebiet an. Tagsüber behält die Straßensozialarbeit obdachlose Menschen genau im Blick."

"In Frankfurt muss daher niemand auf der Straße schlafen"

Insgesamt sei das Angebot an Übernachtungsmöglichkeiten in Frankfurt deutlich größer als die Zahl obdachloser Menschen. "In Frankfurt muss daher niemand auf der Straße schlafen", erläuterte der Sprecher.

Die Zahl der obdachlosen Menschen sei im Jahresdurchschnitt seit langem nahezu konstant und pendele zwischen 200 und 250 Menschen.

G​ründe für Obdachlosigkeit

In Hessen leben schätzungsweise 3000 Menschen teilweise oder ganz auf der Straße, wie die Staatskanzlei in Wiesbaden mitteilte. Die Gründe seien unterschiedlich. "Meist ist es Armut, verbunden mit schwierigen persönlichen Lebensumständen, die zu einem Leben ohne Obdach führen."

U​nterscheidung zwischen obdachlos und wohnungslos

Fachleute unterscheiden zwischen obdachlos und wohnungslos: Wer wohnungslos ist, lebt nicht automatisch auf der Straße, sondern kommt beispielsweise bei Freunden unter oder lebt in einer Unterkunft der Stadt.

Obdachlos ist ein Mensch, der bereits länger auf der Straße lebt und sich damit eingerichtet hat. "Diesen Menschen fällt es oft schwer, Hilfen anzunehmen oder eine Tagesstruktur aufrecht zu erhalten", erläuterte die Stadt Frankfurt.

E​in deutlicher Zuwachs im Vergleich zu den Vorjahren

Advertisement

Auch Darmstadt geht nach eigenen Angaben davon aus, allen Hilfsbedürftigen eine Unterkunft im Warmen und Trockenen anbieten zu können. Derzeit seien knapp 1500 Menschen in Wohnheimen, Obdachlosenunterkünften, Hotels oder Pensionen untergebracht.

Dies sei ein deutlicher Zuwachs im Vergleich zu den Vorjahren von rund 1300 Menschen. Hauptgrund dafür sei der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Die Zahl der klassischen Obdachlosen habe in den vergangenen Jahren konstant bei rund 200 gelegen, in diesem Jahr seien es 290.

Z​unahme von Wohnungskündigungen

Dies liege unter anderem an einer Zunahme der Wohnungskündigungen, zum Beispiel wegen Mietrückständen.

Auch in diesem Winter werde man gemeinsam mit Kooperationspartnern in Darmstadt Hilfsbedürftigen ausreichend Möglichkeiten anbieten können, im Warmen und Trockenen zu übernachten, hieß es bei der Stadt.

In Kassel können sich Obdachlose unter anderen an die Tagesaufenthaltsstätte Panama der Sozialen Hilfe sowie die Bahnhofsmission des Caritasverbandes am Bahnhof Wilhelmshöhe wenden. Zudem gibt es Notschlafcontainer.

A​ngebote werden gut angenommen

"Seitens der Stadt Kassel werden in der Wintersaison 2023/2024 im Rahmen der Obdachlosenhilfe weitere Plätze in den Notunterkünften der Zentralen Fachstelle Wohnen vorgehalten", berichtete ein Sprecher der Stadtverwaltung über ein neues Modell, das in dieser Saison erprobt werden solle.

Die Angebote seien im vergangenen Jahr gut angenommen worden, die Auslastung habe in Abhängigkeit von den Außentemperaturen variiert, erläuterte der Sprecher. Schätzungsweise 150 Menschen lebten in Kassel auf der Straße.

"Viele der Betroffenen treten bei den Anbietern nicht in Erscheinung", erläuterte er. Viele hätten multiple Problemlagen wie Überschuldung, Sucht oder psychosoziale Probleme, die zur Wohnungslosigkeit führten.

T​eestube als Treffpunkt

In Wiesbaden werden Obdachlose nach Auskunft der Stadt tagsüber unter anderem in einer Teestube betreut.

Neben Beratung und einer medizinischen Versorgung gibt es dort auch Schlafstellen für den Notfall. Zudem gibt es unter anderem 70 Übernachtungsplätze in einem Männerheim sowie zwölf Plätze für Frauen in einer gesonderten Unterkunft.

"Die Teestube des Diakonischen Werks ist aufgrund der zentralen Lage in der Wiesbadener Innenstadt seit Jahren ein gut angenommenes und nachhaltiges Angebot", erklärte Sozialdezernentin Patricia Becher.

"Durch eine kontinuierliche konzeptionelle Weiterentwicklung deckt die Teestube eine Vielzahl der Bedürfnisse von Menschen ab, die auf der Straße leben."

L​esen Sie außerdem:

Erst Blitzeis, dann Südwind: Nach der Glätte kommt ein krasser Wetterumschwung

Wetter könnte schuld sein: Kind bei Schulbusunfall im Erzgebirge getötet

Advertisement