Gefühlte Kälte: Warum kalt nicht gleich kalt ist | Weather.com
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Gefühlte Kälte: Warum kalt nicht gleich kalt ist

Die meisten Wettervorhersagen zeigen nicht nur die voraussichtlich gemessene Temperatur an, sondern prognostizieren auch, wie kalt oder warm es sich tatsächlich anfühlen wird. Doch woher kommt es, dass Menschen dieselbe Temperatur unterschiedlich wahrnehmen? Ein Meteorologe klärt auf.

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Kalt ist nicht gleich kalt. Grund dafür ist unter anderem der Unterschied zwischen feuchter und trockener Kälte. „Bei feuchter Kälte ist ein höherer Anteil an Wasserdampf in der Luft. Entsprechend ist auch in der Luftschicht zwischen unserer Kleidung und der Haut mehr Luftfeuchtigkeit und wir brauchen mehr Energie, um diese zu erwärmen und es fühlt sich kälter an“, erklärt Stefan Muthers, Biometeorologe am Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). „Das gilt natürlich noch mehr für die Hautanteile, die nicht von Haut bedeckt sind: Je höher die Luftfeuchtigkeit, desto mehr Energie ist nötig und desto kälter fühlt es sich an – auch wenn die Lufttemperatur sich nicht verändert.“

Vier meteorologische Parameter bestimmen die gefühlte Temperatur

Insgesamt spielen neben der Feuchtigkeit der Luft noch weitere Faktoren eine Rolle dabei, wie sich eine bestimmte Temperatur tatsächlich anfühlt. „Dazu zählen neben der Luftfeuchtigkeit als meteorologischer Parameter noch drei weitere: die tatsächliche Lufttemperatur, die Windstärke und die Strahlungseinflüsse – also Sonnenstrahlen und Wärmestrahlen“, sagt Muthers. „Außerdem muss noch die Physiologie des Menschen berücksichtigt werden. Etwa wie groß er ist, wie aktiv er sich bewegt und welche Kleidung er trägt.“

Windchill-Effekt gefühlte Temperatur sinken

Beim Einfluss des Windes spricht man vom sogenannten Windchill-Effekt. „Bei erhöhter Windgeschwindigkeit gibt der Körper schneller und mehr Wärme ab, als wenn es windstill ist“, sagt der Meteorologe.

Ein Beispiel: Bei einer Lufttemperatur von null Grad Celcius liegt die Windchilltemperatur bei einer Windgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde bei -5,9 Grad Celcius. Herrscht eine Windgeschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde, dann fühlt es sich schon wie -8,8 Grad Celcius an.

Modell für den Wärmehaushalt des Menschen

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Um die gefühlte Temperatur zu ermitteln, zieht der DWD aber nicht nur die Windgeschwindigkeit heran, sondern betrachtet auch die anderen drei meteorologischen Parameter sowie ein Modell für den Wärmhaushalt des Menschen. Hier kommt der sogenannten Klima-Michel ins Spiel. „Er ist ein Standardmodell eines Menschen, 1,75 Meter groß, 75 Kilogramm schwer, hat eine Körperoberfläche von 1,9 Quadratmeter und ist etwa 35 Jahre alt“, sagt der Meteorologe. Er betont, dass es grundsätzlich nicht wichtig sei, welches Geschlecht das Modell habe und dass heutzutage eher von einem „Standardmenschen“ also vom Klima-Michel gesprochen werde.

Gefühlte Temperatur ist im Sommer relevanter als im Winter

Mit den Eingangsdaten für die verschiedenen Messpunkte in Deutschland, plus den Daten des Standardmenschens, der mit einer Geschwindigkeit von fünf Kilometern pro Stunde unterwegs ist, berechnet der DWD dann die gefühlte Temperatur. „Das Verfahren funktioniert sommers wie winters“, sagt Muthers. „Tatsächlich sind die Daten im Sommer auch deutlich relevanter, denn da hat die gefühlte Temperatur im Hitzekontext viel mehr Einfluss auf die Gesundheit des Menschen.“

Frieren Frauen schneller als Männer?

Ob Frauen schneller frieren als Männer, ist wissenschaftlich gut untersucht: „Im Durchschnitt reagieren Frauen tatsächlich empfindlicher auf Kälte als Männer“, sagt Muthers. „Gleichzeitig ist das Kälte- und Wärmeempfinden aber stark individuell ausgeprägt. Diese persönlichen Unterschiede lassen sich mit dem Klima-Michel-Modell allerdings nicht abbilden.“

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