Millionen verbrannter Tiere: Warum die Flammen Koalas besonders gefährden | The Weather Channel
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Millionen verbrannter Tiere: Warum die Flammen Koalas besonders gefährden

In this image made from video taken on Dec. 22, 2019, and provided by Oakbank Balhannah CFS, a koala drinks water from a bottle given by a firefighter in Cudlee Creek, South Australia. Around 200 wildfires were burning in four states, with New South Wales accounting for more than half of them, including 60 fires not contained. (Oakbank Balhannah CFS via AP)
Ein Bild vom 22. Dezember - normalerweise brauchen Koalas nicht viel Wasser. Ihnen genügt die Feuchtigkeit der Eukalyptusblätter.
(Oakbank Balhannah CFS via AP)

Kängurus, die im Buschland durch Rauchschwaden hüpfen. Vögel, die von der Hitze erschöpft zu Boden stürzen. Und Koalas, die auf den Bäumen verbrennen. Seit Monaten toben die Feuer in Australien. Ganze Landstriche sind zerstört - und auch sehr viel von der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt des Kontinents.

Koalas rollen sich zusammen

Bilder von verkohlten Kängurus treffen die Leute ins Mark. Geschichten von geretteten Tieren sind da Balsam: So wie die eines kleinen Koalas, der gerade in einem Lastwagen Unterschlupf fand. Oder Geschichten davon, dass Feuerwehrleute die Tiere bergen und ihnen Wasser geben.

Koalas können nicht wie Kängurus oder Wallabys weghüpfen. Die Beutelsäuger rollen sich während der Brände in den Bäumen zusammen, was verheerend ist.

Zwei Drittel einer Population verendet

Für den Lebensraum und die Population der Koalas - wie Kängurus sind auch sie nur in Australien heimisch - sieht es nicht gut aus. So schildert es Sue Ashton, die Chefin des landesweit einzigen Koala-Krankenhauses in Port Macquarie, das in einem der Brandgebiete liegt. Sie schätzt, dass es landesweit Zehntausende Tiere nicht geschafft haben. „Allein in unserer Gegend sind Hunderte Koalas gestorben“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur am Montag. In einem über lange Zeit untersuchten Gebiet seien etwa zwei Drittel der Population verendet.

Wie viele Tiere insgesamt durch die Brände umgekommen sind, ist noch nicht abzusehen. Nach Schätzungen von Forschern wurden Hunderte Millionen Tieren allein im Bundesstaat New South Wales an der Südostküste getötet.

Wie es zu der Millionen-Angabe kommt

Doch wie kommt diese Angabe zustande? Konkret nannte Chris Dickman, Professor für Biodiversität an der Universität von Sydney, die Zahl 480 Millionen Tiere. Wie er in eine Mitteilung erklärt, bezieht sich die Zahl weniger auf die tatsächlich getöteten Tiere, als vielmehr auf die vom Feuer betroffenen Tiere.

Sie basiert auf einem Bericht unter Mitwirkung des World Wide Fund for Nature (WWF) aus dem Jahr 2007 über die Auswirkungen der Rodungen auf die australische Tierwelt in New South Wales. Damals wurde geschätzt, dass es durchschnittlich 17,5 Säugetiere, 20,7 Vögel und 129,5 Reptilien pro Hektar (10.000 Quadratmeter - etwa die Größe eines Rugbyfeldes) leben.

05.01.2020, Australien, Canberra: Ein Känguru hüpft am frühen Morgen durch das Buschland inmitten von Rauchschwaden, die von den verheerenden Buschbränden verursacht wurden. Foto: Lukas Coch/AAP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Kangurus können fliehen - wenn sie nicht eingeschlossen werden von den Flammen oder zu erschöpft sind.
(Lukas Coch/AAP/dpa )

Zahlen von zweiter Dezemberhälfte

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Diese Menge rechnete Dickman auf die Größe des verbrannten Gebiets hoch. Gegen Ende Dezember waren demnach rund drei Millionen Hektar von New South Wales verbrannt, wodurch bis zu 480 Millionen Säugetiere, Vögel und Reptilien betroffen waren.

Wenngleich Dickman einräumt, dass einige Tiere wie Kangurus und Vögel fliehen können, weist er darauf hin, dass sie auch an den Folgen der Brände sterben: etwa aufgrund von Nahrungsmangel.

Zahlen umstritten

Die Zahlen sind allerdings keineswegs unumstritten. Colin Beale, ein Ökologe von der Universität von York, sagte der BBC, er halte sie für übertrieben, da er etwa in Afrika die Erfahrung gemacht habe, dass nur wenige Vögel durch Brände sterben. Auch Reptilien, deren Dichte ohnehin schwierig einzuschätzen sei, hätten gute Überlebenschancen, da sich viele in den Boden eingrüben, der eine hohe thermische Isolierung habe.

Gleichzeitig gilt: Das Brandgebiet weitet sich weiter aus – die drei Millionen Hektar sind längst veraltet.

Viele Tiere werden verhungern

Auf der Känguru-Insel, einem beliebten Urlaubsziel im Süden des Landes, ist nach Schätzungen von Wildschützern die Hälfte der Tiere den Flammen zum Opfer gefallen – oder sie werden es noch. Darunter ist möglicherweise die Hälfte der etwa 50.000 Koalas. Es gibt keine Nahrung mehr, viele der Tiere, die nicht im Feuer umgekommen sind, werden verhungern, wie ein Parkbesitzer der Zeitung „Adelaide Now“ schilderte. Für die Tierwelt werde es Jahre dauern, bis sie sich erhole.

Viele Regenwald-Arten kennen kein Feuer

In Australien trifft es aber auch Tiere, von denen viele Menschen in Deutschland noch nie gehört haben: etwa die Schmalfußbeutelmaus oder das Kaninchenkänguru. Der Ökologie-Professor Euan Ritchie von der Deakin Universität sagte, es sei zu früh, um zu bilanzieren, welche Folgen die Brände für die einzelnen Tierarten haben. „Wir sorgen uns sehr um viele Regenwald-Arten, die typischerweise keine Feuer erleben und deswegen nicht besonders widerstandsfähig sind.“

Kanguru-Mütter werfen Babys aus Beutel

In den Feuergebieten ist es die Stunde der freiwilligen Tierretter, 2600 Leute zählt etwa die Organisation Wires. Auch deren Sprecher John Grant kann nicht sagen, wie folgenreich die Brände letztlich sind. Doch allein im Dezember gingen bei Wires 20.000 Anrufe ein, die um Hilfe baten. Die Organisation kümmert sich etwa um Vögel, Kängurus und Wallabys, dabei besonders um die Babys, sowie um Wombats und Possums. Viele Känguru-Mütter werfen ihren Nachwuchs aus dem Beutel, um sich zu retten, wie Grant sagt. „Wir sorgen uns um die nächste Generation.“ Viele Tiere müssten auch eingeschläfert werden.

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