Kröten in Sachsen-Anhalt sterben langsam aus | Weather.com
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Kröten in Sachsen-Anhalt sterben aus: Lebensräume von Amphibien vertrocknen

Die Kreuzkröte könnte in Sachsen-Anhalt schon bald nicht mehr zu finden sein - obwohl sie vor weniger als einem Jahrzehnt noch in großen Mengen vorhanden war.
(GettyImages)

Sachsen-Anhalt - und auch andere Teile Deutschlands - sind so trocken, dass sich Kröten nur mehr bedingt reproduzieren können. Ihr Schicksal, das sie schon in wenigen Jahren einholen könnte, scheint unausweichlich. Das hat auch Auswirkungen auf andere Tiere.

L​ebensräume von Amphibien trocknen aus

Einst war das Quaken der Kröten im Frühjahr unüberhörbar in der Landschaft Sachsen-Anhalts. Unzählige Kröten bevölkerten große und kleine Gewässer. Jetzt gibt es nur noch sporadisch Laute zu hören. "Die Bestände der Kreuzkröte sind am Zusammenbrechen", sagt Biologe Karsten Lücke vom BUND Magdeburg.

Was ist geschehen? "Die Dürre setzt den Tieren so zu, dass Reproduktion nicht mehr möglich ist. In einigen Jahren sind diese Tiere dann wirklich weg", sagt Lücke. "Die Lebensräume der Amphibien trocknen aus."

Bestand bleibt teils durch menschliches Eingreifen erhalten

Kleine Oasen gibt es derzeit noch im Landkreis Mansfeld-Südharz und an der Goitzsche bei Bitterfeld. Auch in Salzmünde gibt es eine Population. "Da werden von uns die Teiche aufgefüllt. Wenn wir da nichts machen würden, wären die Tiere auch schon längst ausgestorben", sagt Lücke.

Allgemein beschleunigt sich das Aussterben, und das Potenzial zur Neubesiedlung verringert sich, weil die Abstände zwischen Regenperioden und Dürre größer werden. "Wir sind selber überrascht, wie das bei manchen Arten so schnell und abrupt kommt", sagt Lücke.

G​rünfrösche haben weniger Probleme - Erdkröte fast verschwunden

Einen Hoffnungsschimmer gibt es: Im Gegensatz zu den Kröten geht es den Grünfröschen etwas besser. Die bleiben in den Gewässern. Dagegen benötigen die Kröten geeigneten Landlebensraum.

"Ich habe dieses Jahr nicht eine einzige laichende Erdkröte gesehen, und ich habe nicht eine einzige überfahrene Erdkröte gesehen, obwohl ich in der Elbaue wohne", sagt Ornithologe Axel Schonert von der Landesarbeitsgemeinschaft Kranichschutz. "Mein eigener Teich ist auch leer."

Dabei kennt die Erdkröte fast jeder. "Früher waren diese Tiere in jeder Pfütze, in jedem Teich. Heute sind die Tiere raus aus der Landschaft und verhungert, weil alles viel zu trocken ist. Die Erdkröte ist im Grunde genommen landstrichweise ausgestorben", sagt Schonert. "Durch die Trockenheit finden die Erdkröten keine Regenwürmer, und die Störche finden ebenso weder Frösche noch Regenwürmer."

A​uch Störche betroffen

Weil die Störche von Jahr zu Jahr größere Probleme haben, ihre Jungen groß zu kriegen, schmeißen sie einfach ihren Nachwuchs aus dem Nest, weil sie nicht alle sattkriegen. "Normalerweise sind vier bis fünf Jungstörche im Nest, wenn die Paare jetzt zwei oder drei Störche groß kriegen, ist das schon gut", sagt Schonert. "Wir sind schon viele Jahre auf den Zuzug von polnischen Störchen angewiesen, die können sich besser vermehren, weil es in Polen noch urtümliche Landschaften gibt." Doch auch in Polen schrumpfen diese Gebiete. "Bislang ist in Sachsen-Anhalt der Bestand des Weißstorches nicht dramatisch gefährdet, aber kontinuierlich abnehmend", sagt Schonert.

Nahrungsgrundlage fällt weg

Dabei gab es in diesem Frühjahr für die Störche einen sensationell guten Start. Aber dann in der Aufzuchtphase im Mai und Juni kam die Trockenheit. Mäuse, Regenwürmer und Großheuschrecken sind beim Storch die wichtigste Nahrungsgrundlage.

Der Geschäftsführer der Vogelschutzwarte Storchenhof Loburg (Landkreis Jerichower Land), Michael Kaatz, sagt: "Es gab keine Regenwürmer, kaum Insekten und es ist diesmal auch kein Mäusejahr."

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