Miethühner sind gefragt | Weather.com
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Landleben auf Zeit: Warum "Miethühner" so gefragt sind

Ob Streicheln, Füttern oder Eier sammeln: In Pflegeheimen oder Schulen bringen Miethühner Abwechslung in den Alltag. Doch nicht jeder ist vom Konzept «Miethuhn» begeistert.

31.03.2026, Thüringen, Milda: Im Pflegeheim "Landhaus Mildaer Hof" gackern seit etwa einer Woche fünf Miethühner im Garten. In vielen Regionen Deutschlands lassen sich inzwischen Hühner für private Gärten, Schulen oder Pflegeheime mieten. (Martin Schutt/dpa)
31.03.2026, Thüringen, Milda: Im Pflegeheim "Landhaus Mildaer Hof" gackern seit etwa einer Woche fünf Miethühner im Garten. In vielen Regionen Deutschlands lassen sich inzwischen Hühner für private Gärten, Schulen oder Pflegeheime mieten.
(Martin Schutt/dpa)

Hühner auf Zeit für private Gärten, Schulen oder Pflegeheime gibt es inzwischen in etlichen Regionen Deutschlands. Die Anbieter werben mit Naturerlebnis, pädagogischem Nutzen und einem Einblick in die Tierhaltung. Tierschützer sehen das Modell dagegen kritisch und warnen vor Stress für die Tiere.

Das Konzept "Miethuhn" hat nach Angaben aus der Branche deutschlandweit Schule gemacht. Von Schleswig-Holstein bis Südbayern lassen sich in vielen Regionen Hühner für eine begrenzte Zeit ausleihen. Einen klaren Trend gebe es zwar nicht, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbands mobile Geflügelhaltung, Jutta van der Linde. Es gebe aber einige Mitgliedsunternehmen, die sich ganz darauf konzentrierten. Andere Betriebe interessierten sich für das Modell. "Sie erhoffen sich, darüber ein Verständnis von der Hühnerhaltung an die Menschen zu bringen."

Zu den Pionieren zählt Ralf-Wigand Usbeck. Er bietet seit zehn Jahren Hühner auf Zeit an und vermietet sie mit einem Partner inzwischen nicht nur rund um Bremen, sondern auch in Hamburg und Schleswig-Holstein. "Die Nachfrage ist eigentlich ständig gestiegen in den zehn Jahren", sagt er. Seine Kunden seien neben Schulen, Kindergärten und Seniorenheimen immer öfter Privatleute, die die Haltung ausprobieren wollten. "Es gibt auch welche, die sich mal ein Stück Landleben in den Garten holen wollen."

Kurze Anfahrt, großer Stall

Relativ neu in dem Bereich sind auch Matthias und Lina Angrick aus Gera, denen die Hühner in dem Pflegeheim in Milda gehören. Erst seit Herbst vermieten sie ihre zehn Tiere in zwei unterschiedlichen Ställen. Die Nachfrage sei vom Start weg hoch gewesen. Auch sie vermieten an Kindergärten, Pflegeheime oder Privatpersonen. "Da geht es auch um Verantwortungsbewusstsein", erzählt Matthias Angrick. Kinder lernten im Umgang mit den Hühnern etwa, dass Tiere auch regelmäßige Zuwendung brauchen.

Neben den Hühnern liefert das Paar auch ein Hühnerhaus und eine größere Voliere mit festem Dach. Das sei wichtig, falls in einer Region die Vogelgrippe ausbreche und es eine Aufstallungspflicht gebe – dann sei das kleine Häuschen viel zu klein für die Tiere. Vermietet werde nur im Umkreis von etwa einer halben Stunde, um lange Anfahrten zu vermeiden. Und da die Tiere immer im selben Häuschen schliefen, seien auch die Standortwechsel kein großes Problem. "Das ist ihr Zuhause", sagt Lina Angrick.

Tierschützer sind skeptisch

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Tierschützer stehen dem Trend zur Hühnervermietung hingegen eher kritisch gegenüber. Ständig die Umgebung zu wechseln bedeute für territoriale Tierarten wie Hühner Stress, sagt Annika Lange vom Deutschen Tierschutzbund. Es müsse außerdem sichergestellt sein, dass die Tiere beim Mieter tiergerecht behandelt werden. "Handelt es sich bei den Mietern um Laien, die keine Erfahrung in der Haltung haben, ist dies äußerst kritisch zu sehen." Die Frage sei auch, ob Mieter Krankheiten erkennen könnten.

Vermieter betonen hingegen, dass solche Konzepte immer in enger Abstimmung mit den lokalen Veterinärämtern entstehen. Zudem gibt es oft Mindestmietdauern von 14 Tagen, wie etwa beim Hof Spinne in Selm in Nordrhein-Westfalen. Das sei wichtig, damit die Tiere keinem Stress ausgesetzt seien, erklärt Petra Balster-Spinne vom Hof Spinne in Selm in Nordrhein-Westfalen. Neben Zubehör und einem tiergerechten Stall gebe es für die Einrichtungen auch ausführliche fachliche Einweisungen.

ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung (bis zum Datum) im Zusammenhang mit einer Berichterstattung über den Film und nur mit vollständiger Nennung des Credits 

31.03.2026, Thüringen, Milda: Dieter Schmidt, 77-jähriger Bewohner des Pflegeheims "Landhaus Mildaer Hof" und Lina Angrick, Eigentümerin der Miethühner, halten die schwarze Henne Cragi im Garten seines Pflegeheims in den Händen. (Martin Schutt/dpa)
31.03.2026, Thüringen, Milda: Dieter Schmidt, 77-Jähriger Bewohner des Pflegeheims "Landhaus Mildaer Hof" und Lina Angrick, Eigentümerin der Miethühner, halten die schwarze Henne Cragi im Garten seines Pflegeheims in den Händen.
(Martin Schutt/dpa)

Einige Anbieter ziehen sich zurück

Nach Angaben aus der Branche sind die Anforderungen an die Vermietung inzwischen gestiegen. Früher habe es in dem Bereich kaum Auflagen gegeben, sagt Usbeck. Inzwischen gebe es etliche gesetzliche Vorgaben – mit der Folge, dass einige Anbieter ausgestiegen seien. Verbandschefin van der Linde berichtet von einem Betrieb, der die Vermietung wieder aufgegeben habe. In Kitas oder Schulen habe es teils Ablehnung gegeben, weil unklar gewesen sei, wer sich am Wochenende um die Tiere kümmere.

Im Pflegeheim "Landhaus Mildaer Hof" in Milda im Osten Thüringens leben seit etwa einer Woche fünf Miethühner im Garten. "Die Rückmeldungen der Bewohner sind sehr positiv", sagt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Anna-Maria Fischer. Einige Bewohner hätten depressive Phasen, denen der Umgang mit den Tieren helfe. Manche setzten sich auf eine Bank vor den Stall und schauten den Hühnern zu, andere halfen beim Füttern. Auch das Wohl der Vögel sei unter den Bewohnern zum Gesprächsthema geworden.

Einer von ihnen ist Dieter Schmidt. Der 77-Jährige hielt früher selbst mehr als 60 Hühner auf seinem Hof. Nun streichelt er im Garten des Pflegeheims die schwarze Maran-Henne Cragi und erzählt vom Lieblingsessen der Tiere: "Die wollen vor allem das Grünfutter." Abends hilft er beim Einsperren der fünf Hühner. Am Wochenende gibt es für die Bewohner Kuchen, gebacken mit den eingesammelten Eiern.

Im "Landhaus Mildaer Hof" stellen sich organisatorische Probleme nach Angaben der Einrichtung nicht. Im Gegenteil: Sie würde die Tiere jederzeit wieder in ihre Einrichtung holen, sagt Anna-Maria Fischer. Auch Dieter Schmidt hat die Hühner inzwischen ins Herz geschlossen. Ein Lieblingshuhn habe er aber noch nicht gefunden. Und wenn es sein müsse, helfe auch die Erfahrung von früher. "Gestern Abend wollten sie partout nicht in den Stall. Da musste ich sie reinjagen", sagt er mit einem Lächeln.

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