Vögel füttern: Gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht? | Weather.com
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Vögel füttern: Gut gemeint, aber nicht immer gut gemacht?

Wer Vögel füttert, könnte den Tieren im Sommer unbeabsichtigt schaden.

Ein Grünspecht sucht bei strömendem Regen nach Nahrung. Foto: Boris Roessler/dpa
Ein Grünspecht sucht bei strömendem Regen nach Nahrung.
(Boris Roessler/dpa)

Mit dem Frühling ist auch das Zwitschern zurückgekehrt. Die Vögel sind jetzt sehr aktiv, suchen Nahrung und bauen Nester. Viele Vogelliebhaber wollen sie auch in den wärmeren Monaten durch Füttern unterstützen. Dabei passieren jedoch vielleicht unbeabsichtigt Fehler, die den Tieren schaden können.

Darauf weist die Royal Society for the protection auf Birds (RSPB) hin, eine der größten Naturschutzorganisationen Europas mit Millionen Mitgliedern, die sich seit Jahrzehnten für den Schutz heimischer Vogelarten einsetzt. Sie empfiehlt, Futtergewohnheiten zu überdenken und Futterstellen saisonal umzustellen.

Krankheit verbreitet sich an Futterstellen

Hintergrund ist eine Krankheit namens „Trichomonas gallinae“, die vor allem Grünfinken, aber auch viele andere Vogelarten, betrifft uns die sich an Futterstellen besonders leicht verbreiten kann.

„Trichomonas gallinae“ ist eine parasitäre Krankheit, die über Körperflüssigkeiten wie Speichel von Vogel zu Vogel übertragen wird. Dadurch breitet sie sich besonders leicht an Orten aus, an denen viele Vögel zusammenkommen, etwa an Futterstellen im Garten. Da der Erreger bei kälteren Temperaturen abgetötet wird, ist das Füttern im Winter weniger wahrscheinlich mit einer Übertragung der Krankheit verbunden.

Wo viele Vögel in den warmen Monaten zusammenkommen, gemeinsam fressen und trinken, da steigt das Risiko von Infektionen deutlich. Die Organisation beobachtet seit Jahren immer wieder Ausbrüche, die mit schlecht gereinigten oder dauerhaft genutzten Futterplätzen in Verbindung stehen.

Auch in Deutschland wir die Krankheit regelmäßig nachgewiesen. Im Sommer 2009 trat erstmals in größeren Teilen Deutschlands eine Infektion bei Finken auf. Laut Schätzungen des NABU starben damals etwa 70.000 bis 80.000 Grünfinken. Seitdem tritt die Krankheit jährlich auf, sobald anhaltend sommerliche Temperaturen herrschen.

Konkrete Empfehlungen

Deshalb lautet die Empfehlung der RSPB: In den wärmeren Monaten, von Mai bis Oktober, sollen vor allem Samen und Erdnüsse möglichst reduziert oder ganz weggelassen werden. Stattdessen kommt es stärker auf Hygiene und die richtige Wahl des Futters an. Laut RSPB seien kleine Mengen Mehlwürmer und Fettbällchen dagegen auch in den wärmeren Monaten in Ordnung.

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Die Royal Society fort the Protection of Birds empfiehlt, hängende Futterstellen und Vogelbäder mindestens einmal pro Woche zu reinigen. Zudem sollte man die Futtermenge so anpassen, dass das angebotene Futter innerhalb von einer Woche aufgefressen werden kann.

Es sei außerdem ratsam, Vogel-Futterstellen jede Woche zu versetzen und sie nicht unter Bäumen zu platzieren, um eine Verunreinigung des Bereichs durch Vogelkot zu vermeiden. Zudem solle man lieber keine Futterstellen mit flacher Oberfläche verwenden.

Die Empfehlungen der RSPB setzen vor allem an der konkreten Praxis im Garten an. In Fachkreisen und unter Naturschutzorganisationen geht es jedoch zunehmend auch um grundsätzliche Fragen des Vogelfütterns im Garten.

Einige schlagen vor, die Vögel überhaupt nicht mehr zu füttern. Sie sehen es kritisch, dass Flächen für den Anbau von Vogelfutter genutzt werden und kritisieren den CO2-Fußabdruck durch den Transport von Erdnüssen für Vogelfutter.

Eine neue Art der Fütterung

Statt die Ernährung von Gartenvögeln künstlich zu ergänzen, fordern einige eine Veränderung der Gartenpflege hin zu mehr natürlichen Pflanzenarten, die saisonal Beeren liefern und Insektenpopulationen fördern, so dass die Vögel auf natürliche Art und Weise unterstützt werden.

Das bedeutet nicht, dass es grundsätzlich falsch ist, Vögel zu füttern. Vor allem im Winter kann das Füttern eine wertvolle Unterstützung sein. Aber es ist hilfreich, sein Verhalten ein bisschen anzupassen: auf die Bepflanzung zu achten, saisonal zu füttern, auf Sauberkeit zu achten und das Futter gezielt auszuwählen.

So bleibt das Zwitschern im Garten nicht nur ein schönes Frühlingsgeräusch, sondern auch ein Zeichen dafür, dass Mensch und Natur gut miteinander im Gleichgewicht sind.

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