Kalifornien setzt beim Schutz von Walen auf KI | Weather.com
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Kalifornien setzt beim Schutz von Walen auf KI

Das Drama um „Timmy“ hat die Notlage der Wale auch in Deutschland ins Blickfeld gerückt. In San Francisco soll ein KI-gestütztes System helfen, Kollisionen der Tiere mit Schiffen zu verhindern.

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Fähren, Frachtschiffe und Tanker pflügen durch die unruhigen Gewässer der Bucht von San Francisco, als in der Nähe ein Wal auftaucht. Seine Blasfontäne ist vor dem Hintergrund der weißen Schaumkronen kaum zu erkennen. Bislang konnten Wale von Seeleuten leicht übersehen werden, doch ein in dieser Woche in Betrieb genommenes Netzwerk, das sich auf künstliche Intelligenz stützt, soll sie jetzt Tag und Nacht aufspüren. Das WhaleSpotter genannte System sucht mit Kameras und Wärmesensoren die Bucht rund um die Uhr auf Blaswolken und Anzeichen von Wärme in einer Entfernung bis zu zwei Seemeilen (3,7 Kilometern) ab und weist Seeleute darauf hin, ihre Geschwindigkeit zu drosseln oder ihre Route zu ändern, wenn sich Wale in der Nähe befinden.

Damit könnten sie Anpassungen vornehmen, lange bevor sie den Tieren nahe kämen, sagt Thomas Hall, Betriebsdirektor des Fährverkehrs in der Bucht. „Außerdem können wir so Daten über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen und feststellen, wo sich die Wale aufhalten, sodass wir unsere Routen während der Walsaison entsprechend anpassen können, um diese Gebiete komplett zu meiden.“

Höchste Zahl von Todesfällen bei Grauwalen seit 25 Jahren

Die Zahl der Todesfälle von Grauwalen in der Gegend ist zuletzt besorgniserregend gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden 21 tote Grauwale im Großraum der Bucht gefunden, nach Angaben des Zentrums für Meeressäuger die höchste Zahl seit 25 Jahren. Mindestens 40 Prozent wurden bei Zusammenstößen mit Schiffen getötet. In diesem Jahr kamen in der Bay Area bislang mindestens zehn weitere ums Leben. Wissenschaftlern zufolge liegen die tatsächlichen Zahlen vermutlich höher, da viele Walkadaver sinken oder zurück ins Meer getrieben werden, bevor sie überhaupt gefunden oder gemeldet werden.

Zuletzt hatte auch in Deutschland das Drama um einen gestrandeten Wal Schlagzeilen gemacht: Der Buckelwal war Anfang März in der Ostsee gesichtet worden, weit von seinem eigentlichen Lebensraum entfernt. Das später „Timmy“ genannte Tier strandete am Timmendorfer Strand, kam Ende März mit Hilfe eines Baggers wieder frei, strandete aber wenig später erneut. Weitere Rettungsversuche wurden Anfang April eingestellt, Experten erwarteten, dass der geschwächte Wal vor Ort sterben würde.

Eine private Initiative erhielt dann aber die Erlaubnis, in einer umstrittenen Aktion zu versuchen, das Tier in einem mit Wasser gefüllten Lastkahn Richtung Nordsee zu bringen. Nahe Skagen im Norden Dänemarks wurde es am 2. Mai freigelassen. Am 14. Mai schließlich wurde der Kadaver des Wals im Kattegat gefunden.

Zugrouten der Wale hat sich offenbar durch den Klimawandel verändert

Im Pazifik ziehen Grauwale seit jeher auf ihrer rund 19.300 Kilometer langen Reise zwischen den Lagunen in Mexiko zur Aufzucht ihrer Jungen und den Nahrungsgründen in der Arktis entlang der kalifornischen Küste. Anstatt aber einfach vorbeizuziehen, biegen immer mehr Wale ab in die Bucht von San Francisco, das von vielen Schiffen und Fähren befahrene Mündungsgebiet mehrerer Flüsse, und bleiben dort über Tage oder Wochen.

„Was den Schiffsverkehr angeht, ist es der denkbar schlechteste Ort“, sagt Rachel Rhodes, Projektforscherin am Benioff Ocean Science Laboratory. Es gebe so viele Kollisionen, dass „die Teams, die bei Strandungen zum Einsatz kommen, angaben, ihnen gingen die Plätze aus, um tote Wale überhaupt noch an Land zu bringen“.

Wissenschaftler führen die Veränderung zunehmend auf den Klimawandel zurück. Laut einer Studie des Fachmagazins „Science“ von 2023 unterbrechen steigende Temperaturen und Veränderungen im Meereis der Arktis das Nahrungsnetz, auf das Grauwale während der Sommermonate, in denen sie Nahrung suchen, angewiesen sind. Während ihres Zugs sind daher viele Wale unterernährt.

Zahl der Grauwale ist drastisch zurückgegangen

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Die Grauwalpopulation im östlichen Nordpazifik galt einst als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes, nachdem sie sich vom kommerziellen Walfang erholt hatte und 1994 aus dem Gesetz zum Schutz gefährdeter Arten gestrichen wurde. Doch seither sind die Zahlen nach Angaben der US-Ozeanografiebehörde drastisch zurückgegangen, innerhalb der vergangenen zehn Jahre um die Hälfte auf nur noch 13.000. Möglicherweise bekämen sie in der Arktis nicht die gewohnte Menge oder Qualität der Nahrung, sagt Rhodes. „Das bedeutet, dass sie diese unglaublich lange Wanderung mit einem Nachteil beginnen.“

Künstliche Intelligenz meldet potenzielle Wal-Sichtungen automatisch; diese werden anschließend von geschulten Beobachtern überprüft, bevor die Warnmeldungen per Funk an Fährbetreiber und Schiffsverkehrsleiter weitergeleitet und auf der Whale-Safe-Website veröffentlicht werden. Ähnliche Systeme sind bereits in den USA, Kanada und Australien im Einsatz. Forschern zufolge ist das Netzwerk in der Bucht von San Francisco jedoch das erste, das land- und schiffsgestützte Sichtungen direkt mit offiziellen Warnmeldungen für die Schifffahrt verknüpft, so dass Wal-Sichtungen nahezu in Echtzeit an die in der Bucht fahrenden Schiffe weitergeleitet werden können.

System ist auch nachts und bei Nebel hilfreich

Schon in den ersten Teststunden gab es eine Flut von Erkennungen. „Wir werden diese Daten nutzen und diesen Raum klug nutzen und mit den Walen teilen“, sagt Douglas McCauley, Direktor des bei dem Projekt federführenden Benioff-Labors. Forschern zufolge liegt der größte Vorteil des Systems in der ständigen Überwachung. Im Gegensatz zu menschlichen Beobachtern können Wärmebildkameras auch nachts und bei Nebel eingesetzt werden, der in der Bucht häufig vorkommt.

Eine anhaltende, heftige Meereshitzewelle vor der kalifornischen Küste lässt den Streifen kalten, nährstoffreichen Wassers schrumpfen, in dem Krill, Sardellen und Sardinen gedeihen. Da sich die Gewässer erwärmen, folgen Buckelwale ihrer Beute zunehmend näher an die Küste, wo Krabbenfischerei betrieben wird. Die Branche setzt Zehntausende vertikale Leinen ein, die Fallen am Meeresboden mit Bojen an der Wasseroberfläche verbinden. Für Wale, die entlang der Küste wandern und dort nach Nahrung suchen, besteht die Gefahr, sich darin zu verfangen.

Buckelwale sind besonders durch den kommerziellen Krabbenfang gefährdet

In diesem Frühjahr haben die Behörden erneut Teile der Fischereigewässer vor der kalifornischen Küste für den Einsatz herkömmlicher Fanggeräte gesperrt - eine Maßnahme, die in den vergangenen Jahren immer häufiger ergriffen wird, da sich die Fangzeiten für Krabben wegen der Erwärmung der Gewässer zunehmend mit den Zugzeiten der Wale überschneiden. Besonders Buckelwale sind dabei gefährdet.

Sie seien neugierig und rieben sich am Fischereigerät den Rücken, sagt Kathi George vom Zentrum für Meeressäuger. „Wenn sich eine Leine an ihrem Körper verfängt, springen sie aus dem Wasser, drehen sich und verheddern sich schließlich.“ Wale können monatelang schwere Ausrüstung hinter sich herziehen, sind dabei nicht in der Lage, richtig zu tauchen oder zu fressen, was zu Hunger, Infektionen und Ertrinken führen kann.

Kalifornien hat in diesem Frühjahr erstmals die kommerzielle Nutzung von leinenlosen Fanggeräten für Krabben genehmigt. Anstelle von schwimmenden Oberflächenbojen, die an Reusen befestigt sind, lagert das System Seile und Bojen auf dem Meeresboden, bis die Fischer zurückkehren und einen akustischen Auslöser betätigen, der das Fanggerät an die Oberfläche bringt. So soll die Krabbenfischerei weiter möglich sein und zugleich die Gefahr für Wale deutlich verringert werden.

Die Maßnahmen müssten mit Blick auf den Klimawandel weiter angepasst werden, sagt die Meeresforscherin Caitlynn Birch. „Wir hoffen, dass dieses Modell anderen Fischereibetrieben als Orientierung dienen kann.“

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