Flamingos erobern Lagune von Venedig | Weather.com
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Flamingos erobern Lagune von Venedig

Seit einigen Jahren nutzen Flamingos die Lagune von Venedig als Überwinterungsplatz.

Ein Chile-Flamingo steckt im Gehege im Frankfurter Zoo den Kopf zwischen das Gefieder. Foto: Arne Dedert/dpa
Symbolbild: Flamingos werden in der Lagune von Venedig heimisch.
(Foto: Arne Dedert/dpa )

Seit einigen Jahren machen sich Neuankömmlinge in der Lagune von Venedig breit. Dass Flamingos hier lange nicht heimisch waren, veranschaulicht auch der Umstand, dass es im lokalen Dialekt kein eigenes Word für sie gibt. Doch die blassrosa Vögel, auf Italienisch "fenicotteri", strömen inzwischen in Rekordzahlen nach Venedig. Projekte zur Wiederherstellung beschädigter Feuchtgebiete könnten ihren Lebensraum weiter vergrößern und sie möglicherweise dazu bringen, in der Lagune auch zu nisten.

Besonders bekannt sind bislang Flamingo-Nistplätze in Spanien und Frankreich. In der weitläufigen Lagune von Venedig tauchen die Vögel seit Anfang der 2000er Jahre auf, zunächst vor allem in Fischereigebieten und auf entlegenen Schlickflächen. In der von Kanälen durchzogenen historischen Altstadt Venedigs, die jedes Jahr Millionen Touristen anzieht, sind Sichtungen bis heute selten.

Verbreitungsgebiet der europäischen Flamingos weitet sich aus

Umweltschützer sehen in der Ankunft der Tiere in Venedig ein Zeichen, dass sich das Verbreitungsgebiet der europäischen Flamingos ausweitet und die Lagune gesund genug ist, um ihnen als Nahrungsgebiet zu dienen.

2025 erreichte die Zahl der in Venedig überwinternden Flamingos mit fast 24.000 einen Rekordwert. Das waren 6.000 mehr als im Jahr zuvor. Der Ornithologe Alessandro Sartori sagt, dass mache die Lagune zu "einem der wichtigsten Überwinterungsplätze in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet".

Wöchentlich sucht er die Lagune mit dem Boot auf Anzeichen für Nistplätze ab. Sie wären ein Hinweis darauf, dass sich eine eigenständige venezianische Kolonie bildet. Aber bislang gibt es nach zwei früheren Nistversuchen mit schweren Rückschlägen in den Jahren 2008 und 2013 keine neuen Hinweise. Unter anderem wurden Dutzende Vögel bei schwerem Hagel getötet.

Mehr als 90 Prozent der im vergangenen Jahr gezählten Vögel hielten sich in der nördlichen Lagune auf. Dort gibt es eine große natürliche Salzwiesenfläche. Auch die traditionellen Fischereigebiete ziehen Flamingos an: halb natürliche, eingedeichte Feuchtgebiete, die reichlich Nahrung bieten, die Vögel aber auch in Konflikt mit menschlicher Nutzung bringen können.

Venedig will verlorene Salzwiesen zurückgewinnen

Ein Projekt zur Wiederherstellung von Salzwiesen in der abgelegeneren, besonders von Erosion betroffenen südlichen Lagune könnte die Zahl der Flamingos auch dort steigen lassen.

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Die Lagune von Venedig erstreckt sich über 550 Quadratkilometer. Ursprünglich bestand fast die Hälfte davon aus Salzwiesen. Heute machen Salzwiesen nur noch rund sieben Prozent aus, etwa die Hälfte davon wurde wiederhergestellt, wie Jane da Mosto sagt, Geschäftsführerin von We Are Here Venice. Die Organisation ist örtlicher Partner eines EU-Projekts, das über fünf Jahre mit 23,6 Millionen Euro ausgestattet ist und Feuchtgebiete in Europa wiederherstellen soll.

Besonders deutlich sind die Schäden in der zentralen und südlichen Lagune. Ursache ist eine Kombination aus natürlicher Erosion und der Ausbaggerung von Schifffahrtskanälen in den 1960er Jahren, damit Schiffe den Industriehafen Marghera erreichen konnten.

"Seitdem gibt es eine viel weiter verbreitete Erosion und einen Verlust von Sedimenten aus der Lagune, bis zu dem Punkt, dass Venedig nun auf dem Weg ist, eine Meeresbucht zu werden", sagt da Mosto. Das Projekt zur Wiederherstellung der Feuchtgebiete solle "zeigen, dass es möglich ist, diesen Trend anzugehen und den Lauf der Geschichte zu ändern". Denn der Wiederaufbau verloren gegangener Salzwiesen könnte dazu beitragen, die Folgen eines steigenden Meeresspiegels abzumildern.

Auch Flamingos profitieren von größerer Biodiversität

Auch Flamingos können profitieren, wenn die Artenvielfalt zunimmt. Da Mostos Team erforscht, wie sich die Biodiversität auf wiederhergestellten Salzwiesen steigern lässt. Dazu gehört das Pflanzen von Arten, die Erosion verringern und die Feuchtgebiete widerstandsfähiger machen können. Auf einer Schlickfläche, auf der das Team arbeitet, finden sich bereits Hinweise auf Flamingos, vor allem einzelne rosa Federn.

Der Vogelexperte Sartori glaubt, dass die Wiederherstellung der Salzwiesen schon jetzt mehr Flamingos in das Gebiet lockt. In den vergangenen drei Jahren sei ihre Zahl in der südlichen Lagune von einer Handvoll auf zeitweise 300 bis 400 gestiegen.

Flamingos könnten Venedig für Öko-Tourismus öffnen

Die Anwesenheit der Flamingos bietet menschlichen Besuchern der Region auch eine neue Möglichkeit, die Stadt der Kanäle und ihre äußeren Inseln zu betrachten - nicht nur historisch und künstlerisch, sondern auch ökologisch. Wer als Venedig-Besucher allerdings hofft, Flamingos beiläufig zu entdecken, dürfte meist enttäuscht werden.

Die Vögel leben in flachen, schwer zugänglichen Teilen der Lagune. Dort sicher zu navigieren, erfordert genaue Kenntnis von Gezeiten und Kanälen. Selbst aus der Entfernung lassen sich die Tiere leicht stören und fliegen schnell auf. Sartori glaubt dennoch, dass das Beobachten der Tiere mit wachsender Zahl alltäglicher werden könnte. "Natürlich sollte das immer mit Respekt vor den Tieren geschehen, mit sicherem Abstand und ohne in ihr tägliches Leben einzugreifen."

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