USA: Stachelrochen-Ansturm durch warmes Meer | Weather.com
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USA: Warmes Meer sorgt für Stachelrochen-Ansturm an Stränden

Mehr Badegäste in Kalifornien werden von Stachelrochen verletzt. Das liegt auch am Klimawandel.

Forscher versammeln sich am 7. August 2026, in Seal Beach, Kalifornien, um einem Haufen Stachelrochen die Stacheln abzuschneiden, nachdem sie diese gefangen haben. (AP Photo/Jae C. Hong)
Forscher versammeln sich am 7. August 2026, in Seal Beach, Kalifornien, um einem Haufen Stachelrochen die Stacheln abzuschneiden, nachdem sie diese gefangen haben.
(AP Photo/Jae C. Hong)

Jake Hemann schnappte sich ein Surfboard und paddelte hinaus. Eine Stunde später saß er zusammen mit vier anderen Strandbesuchern an der Rettungsschwimmer-Station und tauchte seinen schmerzenden Fuß in einen Eimer mit heißem Wasser. An einigen beliebten Stränden Südkaliforniens gehören solche Szenen inzwischen zum Alltag.

Der 31-jährige Tourist aus dem US-Bundesstaat New Mexico war beim Absteigen vom Brett auf etwas getreten, das er zunächst für ein spitzes Stück Holz hielt. Tatsächlich hatte ihn ein Stachelrochen mit einem Giftstachel erwischt. Je nach Art tragen Stachelrochen einen oder mehrere davon an ihrem peitschenartigen Schwanz, um sich bei Gefahr zu verteidigen.

"Es tat ziemlich weh"

"Es tat ziemlich weh", sagt Hemann. Der Schmerz habe bis zum Knöchel ausgestrahlt. Die Zahl der Menschen, die in diesem Jahr in der Region dieselbe Erfahrung gemacht haben, ist im Vergleich zum Vorjahr sprunghaft angestiegen. Die Hitze an Land und ein wärmer werdendes Meer locken Erholungssuchende und Stachelrochen nämlich gleichermaßen in hoher Zahl an die Küsten.

An den Stränden Bolsa Chica und Huntington State Beach wurden 2026 bereits mehr als 3100 Vorfälle gemeldet, mehr als doppelt so viele wie im Gesamtjahr 2025. Am etwa 5,6 Kilometer langen Stadtstrand von Huntington Beach waren es mehr als 2000 Fälle, auch das bereits mehr als im gesamten Vorjahr. An den Stränden von San Diego, der zweitgrößten Stadt Kaliforniens, wurden in der ersten Jahreshälfte mehr als 900 Stiche gezählt. Aufzeichnungen der Rettungsschwimmer zufolge ist das ein höherer Wert als in irgendeiner anderen ersten Jahreshälfte der vergangenen fünf Jahre.

"Wir sehen definitiv einen Anstieg", sagt Bryan R. Etnyre von der kalifornischen Parkverwaltung im Norden des Bezirks Orange County. Ein wesentlicher Grund seien die höheren Wassertemperaturen. Selbst im Winter sei die Wassertemperatur in keiner einzigen Woche unter rund 16 Grad Celsius gefallen.

Warmes Wasser lockt Stachelrochen an die Küsten

Runde Stachelrochen zieht es bei ruhiger See und warmem Wasser an die Küsten. Dass sie in der Region inzwischen noch häufiger anzutreffen sind, führt Chris Lowe, Professor für Meeresbiologie und Direktor des Shark Lab an der California State University in Long Beach, auch darauf zurück, dass einige ihrer Fressfeinde, darunter Haie, Seelöwen und große Zackenbarsche, seltener geworden sind.

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Wegen ihrer Vorliebe für wärmeres Wasser halten sich viele Stachelrochen gerne in Lagunen auf. Weibchen suchen solche Bereiche zur Fortpflanzung auf. Bei den Männchen beschleunigt sich im Sommer der Stoffwechsel, weshalb sie verstärkt in Ufernähe nach wirbellosen Tieren als Nahrung suchen. "Sie sind eigentlich eine subtropische Art, die am Rand ihres Verbreitungsgebiets wegen des Klimawandels zunehmend gut zurechtkommt", sagt Lowe.

Menschengemachter Klimawandel heizt Meere auf

Meteorologen sagen, dass sich die Ozeane wegen des menschengemachten Klimawandels bereits erwärmt haben. In diesem Jahr kommt an Teilen der US-Westküste eine anhaltende marine Hitzewelle hinzu. Nach Angaben der US-Wetter- und Ozeanbehörde NOAA ist es erst das dritte Mal seit Beginn der Aufzeichnungen, dass ein so großer Abschnitt der Küstengewässer über einen so langen Zeitraum ungewöhnlich warm bleibt.

Stachelrochen greifen Menschen üblicherweise nicht von selbst an. Tritt man versehentlich auf sie, setzen sie jedoch reflexartig ihren Stachelschwanz ein. Die Rettungsschwimmer im Süden Kaliforniens raten Badenden dazu, auf dem Weg ins Wasser oder bei der Rückkehr an den Strand zu schlurfen. Die dabei entstehenden Bewegungen am Meeresboden können die Rochen verscheuchen. Lowe sagt, die Rettungsschwimmer an den Stränden Kaliforniens könnten jährlich etwa 10.000 Stachelrochenverletzungen behandeln.

Wegen des Klimaphänomens El Niño, bei dem sich auch die Oberflächentemperatur im zentralen und östlichen Pazifik in Äquatornähe erwärmt, rechnet Lowe in diesem Jahr noch mit einer regelrechten Rochen-Invasion: "Dieses Jahr erwarten wir Rekordzahlen."

Hinweise für Strandbesucher und Spezialschuhe

Das erhöht den Druck, Lösungen zu finden, die die Wahrscheinlichkeit von Verletzungen für Badende verringern – aber auch Rochen davor schützen, zertreten zu werden. Lowe arbeitet inzwischen mit Fernsehsendern an einem einem Hinweissystem, um beides zu erreichen.

Viele Strände informieren Badegäste bereits über eine App, wenn an einem Ort besonders viele Menschen gestochen wurden. Ein Unternehmen hat zudem spezielle Surfschuhe entwickelt, die angeblich widerstandsfähiger gegen die Stacheln sein sollen.

Zumindest für den Menschen bleibt eine schmerzhafte Begegnung mit den Tieren meist ohne langfristige Folgen. Bleiben Rötungen oder Schwellungen allerdings länger als vier oder fünf Tage bestehen, könne eine Infektion vorliegen oder ein Teil des Stachels in der Wunde stecken, sagt Ärztin Christanne Coffey von der University of California in San Diego, die zu den Stichen forscht. Das lasse sich gegebenenfalls auf einem Röntgenbild erkennen.

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