Sie töten still: "Geisternetze" treiben in den Meeren ihr Unwesen | The Weather Channel
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Sie töten still: "Geisternetze" treiben in den Meeren ihr Unwesen

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Ein Taucher birgt ein Fischernetz nahe der Griechischen Insel Poros
(AP)

Sie töten still, in der Tiefe, von Strömungen getragen. Ihre Opfer sind verschiedenste Arten von Meeresbewohnern - von Schwämmen und kleinen Krustentieren bis hin zu Delfinen, Haien und Walen. Man nennt sie Geisternetze, weil sie so ganz ohne Menschenhand heimlich und gespenstisch wirken. Einst waren sie Teil von Fischerausrüstungen, wurden entweder verloren oder - was seltener vorkommt - bewusst zurückgelassen. Sie setzen das fort, wozu sie einst dienten: Sie fangen, und tragen damit zum Rückgang der Fischbestände bei.

In einem Bericht der Vereinten Nationen im Jahr 2009 wurde geschätzt, dass solche alten Netze etwa zehn Prozent des gesamten Mülls in den Meeren der Welt, oder etwa 600.000 Tonnen, ausmachen. "Hauptsächlich unter Fischerleuten ist es ein offenes Geheimnis, dass der Meeresgrund voll mit zurückgelassenen Netzen ist", sagt George Sarelakos von der Organisation Aegean Rebreath. Die Gruppe von Freiwilligen, zumeist Hobbytaucher, räumt in der Ägäis unter Wasser auf und klärt über Meeresverschmutzung auf.

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Sarelakos spricht von einem großen Problem - wie er und andere Mitstreiter erst kürzlich wieder mit eigenen Augen sahen. Da tauchten sie vor der Küste der griechischen Insel Poros ins Meer, um einige dieser Geisternetze aus dem Wasser zu holen. Ein großes Exemplar entdeckten sie in 28 Metern Tiefe, ausgebreitet auf felsigem Grund, darunter zerquetschte Schwämme und andere empfindliche Meereskreaturen.

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Ein Schwamm weist eine Zeichnung von einem Fischernetz auf
(AP)

Sechs Taucher benötigten etwa eine halbe Stunde, um das schwere Netz vom Boden zu lösen und an die Oberfläche zu bringen. Dazu setzen sie Spezialkissen ein, die mit Luft aus den Tauchertanks gefüllt werden. Der Fund - schätzungsweise 400 Kilo schwer - stammt von einer nahe gelegenen Fischfarm. Niemand weiß genau, wie lange er sich bereits auf dem Meeresboden befand.

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Die meisten Netze sind aus starkem Plastik wie etwa Nylon angefertigt. Sie zersetzen sich also nicht so einfach. "Sie können hunderte Jahre lang dort bleiben und weiter fischen", sagt Maria Salomidi, Wissenschaftlerin am Hellenic Centre für maritime Forschung, einer staatlichen griechischen Einrichtung. Die gefangenen Fische würden rasch Köder, zögen größere Raubfische an, die sich dann selbst in den Netzen verhedderten. "Und so beginnt eine teuflische Spirale, die (...) alles töten kann, von kleinen Krustentieren wie Krebsen und Hummern bis zu großen Tieren wie Fischen, Schildkröten, Seehunden, Delfinen."

Und das ist nicht der einzige Schaden, den diese Netze anrichten. Wenn sie an Felsen oder Korallen hängen bleiben, können sie ganze Lebensräume unter Wasser zerstören. "Ein Fels im Meer ist nicht einfach ein Fels", erklärt Salomidi. "Ein Fels ist voll von Leben, er beheimat viele Organismen, die unter einem Netz verletzt werden und sterben."

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Der Taucher Sarelakos kann das nur bestätigen. Die Netze, die er und seine Teamkameraden während der jüngsten zweitägigen Aktion vor Poros aus dem Wasser holten, hätten ganze Riffe bedeckt, schildert er. Darunter seien viele lebende Kreaturen gefangen gewesen.

Und das Problem ist weit verbreitet, im wahrsten Sinne des Wortes. "Ozeanische Strömungen und Winde können Geisternetze über tausende Kilometer hinweg treiben", sagt Veronika Mikos, Projektkoordinatorin bei Healthy Seas, einer europäischen Initiative, die sich der Beseitigung von Meeresmüll widmet. "Sogar abgelegene antarktische Lebensräume sind nicht frei von dieser Verschmutzung. Alle Meere auf der Erde sind betroffen."

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Vangelis Roussos hat früher als Fischer seinen Lebensunterhalt verdient, jetzt betreibt er ein Wassertaxi. Nach seinen Erfahrungen wurden die meisten im Wasser zurückgebliebenen Netze verloren - in Stürmen und Strömungen, oder sie verhedderten sich irgendwie. Dass sie bewusst zurückgelassen würden, komme eher selten vor. Saubere Meere, so betont Roussos, lägen auch im besten Interesse der Fischer.

Das Problem der Geisternetze beschäftigt mittlerweile viele internationale Umwelteinrichtungen. So plant etwa die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen für Juli eine Konferenz in Rom zu diesem Thema. Es gibt auch eine ganze Reihe von Gruppen und Wohlfahrtseinrichtungen, die sich der Beseitigung der alten Fischerausrüstung widmen. Und manche arbeiten mit Unternehmen zusammen, die Netze recyceln: Kleidung, Teppiche, Sonnenbrillen, sogar Skateboards können daraus gefertigt werden.

Vassilis Tsiaris, wie Sarelakos ein Mitglied der Gruppe Aegean Rebreath, hält Aufklärung über die Geisternetze und andere Meeresverschmutzung für extrem wichtig. Man müsse den Menschen zeigen, was sich alles im Wasser befinde, und dass die Meere zu Müllhalden geworden seien. «Denn die meisten Leute sind sich nicht dessen bewusst, was wir da alles ins Meer werfen und wie es immer mehr zunimmt.»

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