Krank durch Hitze: Globale Erwärmung schadet unserer Gesundheit
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Krank durch Hitze: Globale Erwärmung schadet unserer Gesundheit

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(Symbolbild) 5 Grad Erwärmung würde zwei Millionen US-Bürger psychisch krank machen
(colourbox)

 

Die globale Erwärmung kann krank machen – das wissen Wissenschaftler und Ärzte schon länger. Jetzt spezifizieren einige Studien die gesundheitlichen Risiken, die mit dem Klimawandel verbunden sind, genauer. Sie reichen von psychischen Leiden über eine Zunahme von Infektionskrankheiten bis hin zur Entwicklung von Diabetes.

Eine der Untersuchungen erschien im Wissenschaftsjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Sie analysierte, wie sich ausgedehnte Hitzewellen, die in diesem Jahr in weiten Teilen der Erde auftraten, aber auch andere Extremwetterereignisse auf die Psyche von Menschen auswirken.

Psychische Einschränkungen steigen bei hohen Temperaturen und Regen

Die Autoren nahmen die Daten von fast zwei Millionen US-Bürgern unter die Lupe, die die US-Gesundheitsbehörde CDC von 2002 bis 2012 zusammengetragen hatte. Die Auswahl erfolgte nach dem Zufallsprinzip, wobei die Krankmeldungen nach Monaten sowie ihrer geografische Verteilung aufgeschlüsselt wurden. Dies setzten die Forscher zu den jeweiligen Wetterdaten in Beziehung.

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Das Ergebnis: In Monaten mit einer Durchschnittstemperatur von 30 Grad Celsius oder darüber sowie bei Regenfällen, die länger als 25 Tage anhielten, stieg die Zahl von Patienten, die unter Depression, Angststörungen, Stress oder „emotionalen Problemen“ litten, signifikant. Schon bei einem mäßigen Temperaturanstieg von einem Grad innerhalb von fünf Jahren nahmen die Fälle um zwei Prozent zu.

Anstieg um 5 Grad würde zwei Millionen US-Bürger beeinträchtigen

Mit einem anderen Ansatz fanden die Studienautoren heraus, dass eine Zunahme der monatlichen Durchschnittstemperatur von 25 auf 30 Grad die Patientenzahlen um 0,5 Prozent steigen ließ. „Das mag als eine nur minimale Änderung erscheinen, doch bezogen auf das ganze Land werden rund zwei Millionen US-Bürger zusätzlich unter psychischen Problemen leiden“, erklärt Studienmitautor Nick Obradovich vom Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Sehen Sie hier: Ernste Konsequenzen drohen: So gefährlich ist es, wenn ihr zu wenig trinkt

„Wir sollten dies als weiteres Puzzleteil für unser Verständnis dafür werten, wie sich der Klimawandel auf die Gesellschaft auswirkt – und das dürfte nicht gut sein.“ Besonders alarmierend sei, dass Frauen und Menschen mit sehr niedrigem Einkommen um 60 Prozent häufiger über mentale Probleme infolge von Extremwetter klagten als Gutverdiener.

Klimawandel treibt sogar in den Selbstmord

Die Ursachen der Häufungen sind indes unklar. „Eine unserer Theorien ist, dass höhere Temperaturen den Schlaf beeinträchtigen“, so Obradovich. „Es könnte aber noch andere Erklärungen geben.“  Möglicherweise störe die Hitze die kognitiven Funktionen des Gehirns oder wirke auf dessen Fähigkeit ein, Emotionen zu regulieren.

Nicht wenige Menschen werden vom Klimawandel sogar in den Selbstmord getrieben. Zu diesem erschreckenden Resultat kommt eine Studie, die kürzlich im Fachjournal „Nature Climate Change“ erschien.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns in diesem Fall entschieden, über ein Suizid-Thema zu berichten. Leider kann es passieren, dass depressiv veranlagte Menschen sich nach Berichten dieser Art in der Ansicht bestärkt sehen, dass das Leben wenig Sinn habe. Sollte es Ihnen so ergehen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Hilfe finden Sie bei kostenlosen Hotlines wie 0800-1110111 oder 0800 3344533.

Bis 2050 jährlich 14.000 Selbstmorde 

Ihre Autoren nahm die Suizidraten in den USA und Mexiko unter die Lupe. Wie sich zeigte, bewirkt ein Anstieg der monatlichen Durchschnittstemperaturen von einem Grad eine Zunahme von 0,68 Prozent. In absoluten Zahlen seien für bis 2050 pro Jahr 14.000 mit der Erderwärmung verbundene Selbsttötungen zu erwarten, schätzen die Forscher.

Als Ursache vermuten sie wachsende wirtschaftliche oder gesundheitliche Probleme, die vielen Menschen als ausweglos erscheinen. „Wenn sich die ökonomischen Verhältnisse verschlimmern, kann dies die mentale Gesundheit von Menschen verschlechtern“, konstatiert Hauptautor Marshall Burke von der Stanford University. Es gebe durchaus eine „plausible biologische Verbindung zwischen Außentemperatur, der Temperaturregulierung des Körpers sowie der Regulierung von Gehirnfunktionen“.

Infektionsgefahr durch Stechmücken steigt

Vor einem weiteren Risiko warnen Epidemiologen und Mediziner schon länger: In einem feuchteren und wärmeren Klima gedeihen Stechmücken, Zecken und andere Übertrager von Infektionskrankheiten besser, und ihre Lebensräume erweitern sich.

In einem bereits 2017 veröffentlichten Report warnt das Medical Society Consortium on Climate and Health der USA davor, dass die Stechmücken, die West-Nil- und Dengueviren übertragen, immer bessere Bedingungen vorfinden. Als weitere Bedrohung ist auch das Zikavirus auf dem Vormarsch, das bei Föten im Mutterleib Hirnfehl­bildungen verursachen kann.

Zika-Virus in mehr als 80 Ländern verbreitet

Bislang wurden Zikavirus-Infektionen in mehr als 80 zumeist tropischen und subtropischen Ländern registriert. Im Frühjahr 2015 begann in Brasilien ein Ausbruch, der sich in andere Teile Nord- und Südamerikas fortsetzte.

In den USA testeten Ärzte seit 2015 rund 2400 Schwangere positiv auf Zika. Für Deutschland meldet das Robert-Koch-Institut (RKI) seit Oktober 2015 über 280 Zikavirus-Infektionen, die bei Reise­rück­kehrern diagnostiziert wurden.

Asiatische Tigermücke hat in Deutschland bereits überwintert

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Die Asiatische Tigermücke konnte bereits in Deutschland überwintern
(dpa/James Gathany/Centers for Disease Control and Prevention's)

 

Zwar sehen die RKI-Epidemiologen hierzulande nur eine theoretische Ansteckungsgefahr, weil es keine Gelbfieber­mücken gibt, die das Virus übertragen. Die asiatische Tigermücke als weiterer wichtiger Überträger wurde jedoch in Deutschland sesshaft: In Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen hat sie bereits überwintert.

Ob diese Mückenart das Zikavirus unter den in Deutschland herrschenden Bedingungen übertragen kann, ist laut RKI indes offen.

West-Nil-Fieber forderte 2018 bereits 120 Tote in Südosteuropa

Zugleich dringt vor allem in Südosteuropa das West-Nil-Fieber vor. Der Erreger tötet hauptsächlich Greifvögel, kann aber auch dem Menschen gefährlich werden. In diesem Jahr begann eine Infektionswelle mit bislang mehr als 120 Toten in Italien, Rumänien, Serbien und Griechenland.

Übertragen wird die Erkrankung durch normale Stechmücken, wie sie auch in Deutschland leben. Glücklicherweise ist die in Europa zirkulierende Virus-Variante harmloser als jene, die in den USA wütet. Dort erkrankten in den letzten drei Jahren rund 10.000 Menschen, von denen 1000 starben.

Tropische Krankheiten rücken näher

Dank der höheren Temperaturen und milderen Wintern können sich zudem weitere ursprünglich tropische Krankheiten wie Dengue-Fieber, Chikungunya-Fieber oder Leishmaniose bei uns etablieren, ebenso die Malaria.

Dabei steht das Dengue-Fieber sozusagen schon vor der Tür: 2012 kam es auf der portugiesischen Insel Madeira zu einem Ausbruch mit über 2000 Erkrankten.

Diabetes Risiko steigt durch höhere Temperaturen

Erstaunlicherweise kann der Klimawandel auch die weltweite Diabetes-Epidemie fördern. Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine im Fachjournal „BMJ Open Diabetes Research & Care“ veröffentlichte Studie.

„Höhere Umgebungstemperaturen können den Glukose-Stoffwechsel durch eine Verringerung der Aktivität des braunen Fettgewebes negativ beeinflussen“, heißt es darin. „Dies kann Insulinresistenz und damit Diabetes verursachen.“

Für jedes Grad Erwärmung steigt Diabetes-Rate um vier Prozent

Schon jetzt ist der Untersuchung zufolge die Diabetes-Rate in den USA für jedes Grad Erwärmung um vier Prozent gestiegen. „Das kann allein dort zu über 100.000 Neuerkrankungen pro Jahr führen“, konstatiert Hauptautorin Lisanne Blauw von der niederländischen Universität Leiden.

Weltweit steige die Glukose-Intoleranz als Hauptmerkmal der Erkrankung pro Grad Celsius um 0,17 Prozent.

Weniger Lebensmittelkontrollen bei Temperaturen über 26 Grad

Eine weitere verblüffende Folge des Klimawandels hat eine Gruppe von US-Forschern untersucht. Sie wollten wissen, wie sich höhere Temperaturen auf die Verkehrs- und Lebensmittelsicherheit auswirken.

Wenig überraschend mag das Ergebnis erscheinen, dass sich krankmachende Keime wie Colibakterien oder Salmonellen in einem wärmeren Klima stärker vermehren. Doch zugleich sinkt die Zahl der Lebensmittelkontrollen: Die Studienautoren fanden heraus, dass diese bei 26 Grad ein Maximum erreichen und bei darüber hinaus gehenden Werten sinkt.

Bei 40 Grad würden in den USA täglich 8000 Restaurants weniger inspiziert werden

In den USA sind 750.000 Restaurants und Lebensmittelproduzenten zu überwachen. Stiege die Temperatur auf 40 Grad, würden die Kontrolleure wegen der Hitze pro Tag 8000 Betriebe weniger inspizieren, so dass die Gefahr von Lebensmittelvergiftungen für die Bevölkerung steigt.

Aus dem gleichen Grund werde es weniger Verkehrskontrollen geben, sagen die Studienautoren.

Kontrollfreude der Polizisten sinkt ab 29 Grad

Sie analysierten die Daten von 70 Millionen angehaltenen Fahrzeugen und 500.000 Verkehrsunfällen. Wie sich zeigte, erlahmte die Kontrollfreude der Cops bei Temperaturen ab 29 Grad. Sie winkten 1,5 Prozent weniger Fahrzeuge heraus, und das Risiko für tödliche Unfälle stieg um 0,5 Prozent.

„Hohe Temperaturen beeinflussen, wie wir funktionieren“, erläutert MIT-Forscher Obradovich, der als Studienhauptautor fungierte. „Das gilt auch dafür, wie wir unsere Pflichten erfüllen, den Alltag bewältigen und welche Risiken wir auf uns nehmen.“

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