„Niemand sollte stolz sein zu bauen“: Experten warnen vor Klimakiller Beton
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„Niemand sollte stolz sein zu bauen“: Experten warnen vor Klimakiller Beton

27.08.2019, Österreich, Wien: Das neue «Hoho Wien», ein Hochhaus das vom ersten Stock an aufwärts zu 75 Prozent aus Holzteilen besteht, liegt in der Seestadt im Nordosten der österreichischen Hauptstadt. Das Besondere ist von außen nicht sichtbar. Mit ihren Platten wirkt die Fassade des Hochhauses in Wien eher konventionell. Aber rund 800 Holzsäulen aus österreichischer Fichte tragen die Geschosse mit, die Wandelemente sind aus dem nachwachsenden Rohstoff und auch die Holzverbunddecke. Mit fast 20.000 Quadratmetern Fläche ist es ein Holz-Stahlbeton-Hybridhaus, das in dieser Dimension seinesgleichen sucht nach Angaben der Baumeisterin, Ingenieurin und Projektentwicklerin Palfy. Foto: Michael Baumgartner/Kito Photography/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Beispiel für Klimaschutz im Bau: Hoho heißt das Hochhaus in Wien, das vom ersten Stock an aufwärts zu 75 Prozent aus Holzteilen besteht.
(Michael Baumgartner/Kito Photography/dpa)

Seit Jahren wird in Deutschland so viel gebaut wie selten zuvor - die Baubranche boomt. Der Wohnungsmarkt scheint unersättlich, vor allem in den Ballungszentren. Der beliebteste Baustoff ist nach wie vor Beton. Doch der Rohstoff gilt als unterschätzter Klimakiller, denn er weist eine katastrophale CO2-Bilanz auf.

Umweltschäden durch Betonherstellung

Laut einer Analyse der Umweltschutzorganisation WWF ist die Herstellung von Zement, die ein wichtiger Bestandteil von Beton ist, für zwei Prozent aller CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich. Weltweit sollen es sogar acht Prozent sein. Hinzu kommen weiter Umweltschäden durch den hohen Verbrauch von Sand und Kies, die oft in sensiblen Naturgebieten abgebaut werden.

Wohnen verursacht viel CO2

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin "ntv" sagt der Stadtentwicklungsexperte Daniel Fuhrhop von der Universität Oldenburg: "Niemand sollte stolz darauf sein, gebaut zu haben - wegen des Klimas kann man sich dafür ebenso schämen wie für Autofahren und Fleischessen". Auch beim Heizen entstehen viele Treibhausemissionen, weshalb er den gesamten Bereich Wohnen für einen Großteil des CO2-Ausstoßes in Deutschland in der Verantwortung sieht.

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Der grüne Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer macht erst kürzlich auf sich aufmerksam, als er forderte, Holzbauweise in der Universitätsstadt zur Pflicht zu machen. Damit stieß er auch in der baden-württembergischen Landesregierung auf Gehör, die Holz als nachwachsenden Baustoff für Gebäude verstärkt fördern will.

Bauwirtschaft gegen Bevorzugung von Holzbau

Zum Ärger der Bauwirtschaft, die weiter für massive Bauweisen trommelt. "Es darf keine einseitige Bevorzugung von Holzbau geben", erklärte der Präsident des Verbandes der Bauwirtschaft Markus Böll. Damit sei man nicht in der Lage, das Klima zu retten. Vielmehr verdienten auch andere Baustoffe wie recycelter Porenbeton oder andere Betonarten, die schlankere Bauweisen und damit Ressourcen sparen, ein grünes Siegel.

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