Hawaii: Künstliche Surflagune sorgt für Unmut | Weather.com
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Streit um die perfekte Welle: Künstliche Surflagune in Hawaii sorgt für Unmut

Ikaika Kaulukukui surft auf einem bereits existierenden Wellen-Pool am Ewa Beach, Hawaii.
Ikaika Kaulukukui surft auf einem bereits existierenden Wellenpool am Ewa Beach, Hawaii.
(AP)

Brian Keaulana ist der Inbegriff eines hawaiianischen Surfers. Über seine Heimat hinaus hat er sich zudem einen Namen als Rettungsschwimmer und profunder Kenner des Meeres gemacht. Als einer der namhaftesten Surfer der hawaiianischen Inseln will Keaulana den Sport dort jetzt weiter vorantreiben: Er plant den Bau eines künstlichen Wellenpools mit perfekten Bedingungen, wie sie die Natur nicht immer bietet.

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Der Vorschlag schlägt unter Einheimischen hohe Wellen und beschäftigt inzwischen ein Gericht. Er wirft die Frage auf, inwieweit ein moderner, kommerzialisierter Sport mit Millionen Anhängerinnen und Anhängern weltweit zum kulturellen Erbe der Inselbevölkerung passt, die das Wellenreiten seit Jahrtausenden praktiziert.

"Für mich als Hawaiianerin läuft das meiner Kultur zuwider"

Die Initiatoren wollten mit dem Bau des Wellenpools Profit aus einem kulturellen Brauch schlagen, kritisiert Healani Sonoda-Pale, die in einem Zivilprozess gegen das Vorhaben klagt. Zudem werde das Projekt den nahe gelegenen Strand zerstören. "Ich kann nicht für andere Hawaiianer sprechen", sagt sie. "Aber für mich als Hawaiianerin läuft das meiner Kultur zuwider."

Aus der Sicht der Surferin und Autorin Mindy Pennybacker macht die Kontroverse die Schwierigkeit deutlich, einen Ausgleich zwischen Tradition und boomendem Sport zu finden. Bislang fänden die Menschen auf Hawaii stets kreative Lösungen, wenn im Meer einmal keine günstigen Bedingungen zum Surfen herrschen – etwa indem sie auf Flüsse auswichen oder mit ihren Brettern Abhänge hinabrutschten. Ein Reiz der Sportart bestehe gerade in der Unvorhersehbarkeit der Umstände und der Notwendigkeit, sich an unterschiedliche Gegebenheiten anzupassen, erklärt Pennybacker. Zugleich räumt sie jedoch ein, dass Wellenbecken vor allem für das Profitraining sehr hilfreich sein könnten.

K​ritiker reichen Klage ein

Die Gegner des Projekts werfen den Initiatoren indes vor, dass der künstliche Pool mit einem Fassungsvermögen von 26 Millionen Litern das Seegras an der Küste beschädigen und die Gebeine indigener Vorfahren entweihen würde. Eine Gruppe von Hawaiianern und Anwohnern des geplanten Standortes reichte die Klage vor einem Umweltgericht ein. Diese richtet sich gegen die Baugenehmigung der Behörden und deren Umweltgutachten, wonach der Bau keine wesentlichen ökologischen Folgen haben werde. Eine Anhörung ist für Juli angesetzt, wann das Gericht entscheidet, ist unklar.

Klägerin Sonoda-Pale betont, dass die künstliche Lagune in gut drei Kilometern Entfernung von dem beliebten Surfstrand White Plains geplant ist. In der Nähe ist bereits vor kurzem ein Wellenpool eröffnet worden. Deshalb sei ein weiterer unnötig und Wasserverschwendung, machen die Kritiker geltend.

Olympiakandidaten aus Hawaii im Nachteil?

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Keaulana, der in Oahu auf Hawaii aufwuchs, hält dennoch an seinem Plan fest. Als Begründung führt er an, dass die Meeresbedingungen nicht immer ideal seien, um Surfen zu lernen oder Leben zu retten. "Der Ozean ist der größte Schatz, den wir haben", sagt er. Zum Surfen könne er jedoch zu ruhig, zu groß, zu schmutzig oder zu gefährlich sein, etwa aufgrund von Haien.

Er mache sich Sorgen, dass etwa Olympiakandidaten aus Hawaii im Nachteil seien gegenüber Wettbewerbern, die leicht in einem der vielen Surfparks weltweit trainieren könnten, erklärt Keaulana. In einem Wellenbecken könnten Surferinnen und Surfer innerhalb einer Stunde mehr Zeit auf dem Brett verbringen als im Meer in einer ganzen Woche. In der von ihm geplanten Anlage würden mit neuester Technologie die nötigen idealen Bedingungen simuliert, um Topsportler konkurrenzfähig zu halten. Zudem könne die Lagune als "Lebensrettungslabor" dienen, in dem Sicherheitsmaßnahmen in einem kontrollierten Umfeld trainiert würden.

"Der Zeitplan zum Surfen wurde von der Natur bestimmt"

Wie Keaulanas Geschäftspartner Keno Knieriem erklärt, sollen die Wellen in dem Becken über einen Tablet-Computer gesteuert werden. Innerhalb einer Stunde könnten bis zu 1000 Wellen generiert werden, etwa 80 Surferinnen und Surfer gleichzeitig könnten mit unterschiedlichen Varianten trainieren.

Sonoda-Pale, die in ihrer Jugend selbst surfte, hält eine solche ständige Verfügbarkeit von Wellen für unnötig. "In unserer Geschichte war es ein kultureller Brauch, dass Familien bei großer Brandung alles stehen und liegen gelassen haben, um surfen zu gehen", sagt sie. "Der Zeitplan zum Surfen wurde also von der Natur bestimmt."

Traditionellen Form der Mediation soll Klarheit schaffen

Knieriem und Keaulana verteidigen ihre Pläne. Die Anlage werde wasser- und stromsparend betrieben werden, versichern sie. Als Standort hätten sie bewusst ein bereits erschlossenes, aber freies Grundstück außerhalb von Honolulu ausgewählt, auf dem sich früher ein Testgelände der US-Streitkräfte für Flugzeugtriebwerke befunden habe. Bei der Planung bezogen die Partner nach eigenen Angaben hawaiianische Kulturberater ein und ließen umfassende archäologische und ökologische Gutachten anfertigen, um den Schutz des Geländes sicherzustellen.

Neben der Surflagune sollen auf der 7,6 Hektar großen Fläche unter anderem auch Anlagen zum Klettern, Beachvolleyball-Spielen und Skateboarden entstehen. Die Eröffnung ist für Sommer 2024 geplant – ob das angesichts der Klage eingehalten werden kann, ist aber offen. Keaulana hofft, die Differenzen bei einer "hooponopono" beilegen zu können, einer traditionellen Form der Mediation. Die Gegner des Projekts zeigen sich offen dafür.

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