Der Miesmuschel und ihren Fischern geht es miserabel | Weather.com
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Klimawandel & Umweltverschmutzung: Der Miesmuschel und ihren Fischern geht es miserabel

Black mussel shell lies open on a beach, the contents picked clean by seagulls.
Fischer in Niedersachsen hatten in den vergangen Jahren einen sehr geringen Ertrag.
(GettyImages)

Der Ertrag der Miesmuscheln in Niedersachsen sinkt stark. Die Gründe davon sind vielfältig - von invasiven Arten über den Klimawandel bis hin zum Bau von Windrädern. Besserung scheint auszubleiben.

Nach wirtschaftlich schwierigen Jahren hoffen Niedersachsens Muschelfischer dringend auf bessere Erträge. Aus Sicht der Fischer stehen die Zeichen dafür allerdings nicht gut. "Im Augenblick herrscht das Prinzip Hoffnung", sagte Manuela Melle, Geschäftsführerin der Niedersächsischen Muschelfischer, der Deutschen Presse-Agentur.

"​Summe von Einflüssen"

Die Lage sei frustrierend, dennoch hofften die drei noch verbliebenen Betriebe in Greetsiel, Norddeich und Hooksiel auf eine Stabilisierung der gefischten Menge - wenn auch auf niedrigem Niveau. Doch die Bedingungen für das Aufwachsen von Miesmuscheln an der niedersächsischen Küste hätten sich zuletzt weiter verschlechtert.

Die rückläufigen Erträge würden sich aus einer "Summe an Einflüssen" ergeben, die den Fischern das Wirtschaften erschwere, sagte Melle. "Die Muschelfischer werden auch die Bauern des Meeres genannt. Wie in der Landwirtschaft gibt es gute und schlechte Jahre und gute und schlechte Einflüsse."

Baggerarbeiten wirbeln große Mengen Sand auf

E​in schlechter Einfluss sei die Verteilung von Sediment im Wasser - denn in den vergangenen Jahren wird an der Küste und im Meer Niedersachsens viel gebaut. Durch das Ausbaggern werde viel Sand im Meer aufgewirbelt, sagte Melle. "Muscheln sind Filtrierer, die ihre Nahrung aus dem Wasser holen. Mit Sedimenten im Wasser kommen sie nicht gut klar." In trübem Wasser sei etwa der Plankton-Anteil, die Nahrung der Muscheln, geringer.

Die Muschelfischer legen Kulturflächen an, auf denen junge Muscheln ausgesät werden. Diese Besatzmuscheln werden vorher an anderer Stelle abgefischt. Auf den Kulturen bleiben die Saatmuscheln dann bis sie geerntet und als Speisemuscheln verkauf werden können - meist etwa ein bis zwei Jahre. Die niedersächsischen Betriebe bewirtschaften zwischen Ems und Jade eine Kulturfläche von 1300 Hektar mit maximal fünf Kuttern.

Durch das Verlegen von weiteren Kabeltrassen durch das Wattenmeer für die Anbindung von Offshore-Windparks, die für die Energiewende bereits geplant sind, könnte sich die Sediment-Situation absehbar noch weiter verschlechtern, fürchten die Muschelfischer.

Frühe Stürme und Austern vermiesen die Muschelerträge

Daneben haben die Muschelfischer auch mit biologischen und klimatischen Veränderungen zu kämpfen. Seit etwa der Jahrtausendwende breitet sich die gebietsfremde pazifische Auster auf trocken fallenden Muschelbänken aus - die Auster ist ein Nahrungskonkurrent der Miesmuschel. Eine Befischung dieser Muschelbänke sei kaum mehr möglich, erklärte Melle, zu groß sei der Aufwand, die Austern auszusortieren. Durch extreme Wetterereignisse habe sich zudem auch der Saisonverlauf verändert. "Früher gab es Herbststürme im Herbst. Jetzt gibt es sie mitten im August, also mitten in der Wachstumsphase der Muscheln."

closeup image of black mussels on Wineglass Bay at Freycinet National Park, Tasmania, Australia
Miesmuscheln reihen sich auf einer Sandbank aneinander.
(GettyImages)
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Die Muschelfischer bräuchten "dringend ein wirtschaftlich erfolgreiches Jahr", teilte die Landwirtschaftskammer im April mit. "Wirtschaftlich geht es den Muschelfischern nicht gut", sagte auch Geschäftsführerin Melle. Deswegen habe auch ein Muschelfischerbetrieb in Norddeich Ende vergangenen Jahres aufgehört.

Menge angelandeter Muscheln eingebrochen

A​n der Statistik ist die schwierige Lage gut erkennbar: So landeten in den Rekordjahren Ende der 1990er mehr als 16.000 Tonnen Muscheln an. Dann setzte ein Abwärtstrend ein, seither werden immer weniger Muscheln gefischt. Die vergangenen drei Jahre waren mit einem Mittel von 1284 Tonnen besonders katastrophal. "Die Mengen sind erheblich zurückgegangen", sagte Melle. Für ein gutes Auskommen bräuchten die Fischer 4000 bis 5000 Tonnen verkaufte Muscheln im Jahr.

Für die Miesmuschelfischerei im Nationalpark Wattenmeer gilt zudem seit 1999 ein Bewirtschaftungsplan, der vom Landwirtschafts- und Umweltministerium für jeweils fünf Jahre aufgestellt wird. Durch die Regulierung sollen laut Nationalparkverwaltung zu starke Eingriffe in das Ökosystem Wattenmeer vermieden werden.

Fischer ernten zuletzt etwas mehr Muscheln, aber nur kleine

Einen kleinen Lichtblick weist die kürzlich veröffentlichte Statistik der Aquakulturbetriebe, in der die Muschelfischer auch geführt werden, für das vergangene Jahr aus. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik stieg demnach die Menge an Weichtieren, zu denen vor allem Muscheln zählen, 2023 erstmalig seit 2019 auf niedrigem Niveau wieder an. 1197 Tonnen wurden produziert, was einem Plus von 16,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutete. Damals war mit 1027 Tonnen die bislang geringste Muschelproduktion verzeichnet worden.

Melle bestätigte auf Nachfrage, dass zwar auf niedrigem Niveau mehr Muscheln eingeholt wurden. Es seien aber kleinere Muscheln gewesen. Die Qualität sei daher nicht gut, die Preise niedrig und der Umsatz gering gewesen. Auch für das Jahr 2024 würde "erneut mit rückläufigen Mengen" gerechnet, hieß es im März veröffentlichten Jahresbericht des Landesfischereiverbandes Weser-Ems.

Dennoch hofften die Muschelfischer auf Besserung, sagte Melle. Denn offen sei, wie der Markt reagiere. Wenn es für weniger angelandete Muscheln einen höheren Preis gäbe, könne es die Muschelfischerei unter dem Strich wirtschaftlich für die Betriebe sein.

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