Plastikgipfel scheitert an Lobby und Öl-Staaten | Weather.com

Öl-Staaten blockieren weltweiten Plastik-Stopp

Trotz Plastik-Krise bremsen Lobbyisten und Förderländer ein UN-Abkommen aus. Die Verhandlungen enden im Stillstand.

Arbeiter waschen und sortieren geschreddertes Plastik im Wasser des Buriganga-Flusses in Dhaka, Bangladesch
Die Welt versinkt im Plastikmüll: Arbeiter waschen und sortieren geschreddertes Plastik im Wasser des Buriganga-Flusses in Dhaka, Bangladesch
(Suvra Kanti Das/ZUMA Press Wire/dpa )

Auch Rund-um-die-Uhr-Verhandlungen haben es nicht ändern können: Die Gräben zwischen ehrgeizigen Ländern wie Deutschland und den Ölförderländern sind zu tief.

Was ist in Genf passiert?

Nach zehn Tagen Verhandlungen und einer durchverhandelten Nacht ist der UN-Plastikgipfel krachend gescheitert. Eigentlich sollte ein verbindlicher Weltvertrag gegen Plastikverschmutzung entstehen – doch das Ergebnis lautet: Stillstand.

Wer blockiert den Vertrag?

Vor allem Öl- und Gasförderländer verhinderten jede Vereinbarung, die die Produktion von Plastik begrenzen könnte. Sie zeichneten Horrorszenarien eines Plastikverbots. Für sie ist Plastik ein lukrativer Absatzmarkt für Rohöl.

Wie groß ist der Einfluss der Lobby?

Laut der Organisation CIEL waren 234 Lobbyisten der petrochemischen Industrie in Genf – mehr als alle Mitglieder der diplomatischen Delegationen der 27 EU-Länder zusammen

Welche Position hatte Deutschland?

Deutschland ist der größte Plastikproduzent in Europa. Die gesammelten Kunststoffabfälle werden nach Angaben des Bundesumweltministeriums aber nahezu vollständig verwertet, entweder als Grundstoff für neue Produkte oder zur Energieproduktion. Nach Angaben des Bundesamtes für Statistik wurden 2023 aber immer noch gut 694.000 Tonnen Kunststoffabfälle exportiert, immerhin acht Prozent weniger als im Jahr davor. 

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Deutschland steht mit über 100 Staaten, darunter die EU und Dutzende Länder in Südamerika, Afrika und Asien, auf der Seite ehrgeiziger Ziele: Einwegplastik aus dem Verkehr ziehen, Mehrweg fördern, Kreislaufwirtschaft aufbauen. Der Vertrag sollte nach dem Mandat, das die UN-Länder sich 2022 gegeben hatten, rechtsverbindlich sein und den ganzen Lebenszyklus des Plastiks umfassen, von der Produktion über das Design bis zur Entsorgung. Doch ohne Einigung bleibt es nur beim Appell.

Warum ist das so brisant?

Plastik tötet Meerestiere, vergiftet Ökosysteme und gelangt als Mikro- und Nanoplastik bis in menschliche Organe, sogar ins Gehirn. Zudem beeinträchtigen die Partikel unter anderem das Immunsystem, können sich in Arterien absetzen und fördern Entzündungen.

Die weltweite Produktion hat sich seit den 1970er-Jahren versiebenfacht und könnte ohne Gegenmaßnahmen bis 2050 fast 600 Millionen Tonnen erreichen.

Was sagen Umweltorganisationen?

„Kein Abkommen ist besser als ein fauler Kompromiss“, warnt WWF-Experte Florian Titze. Greenpeace nennt es einen Sieg der fossilen Industrie – und eine Niederlage für den Planeten.

Die Verschmutzung in Zahlen

Laut dem deutschen Umweltministerium hat sich demnach die Kunststoffproduktion von den 1970er Jahren bis 2020 auf 367 Tonnen im Jahr versiebenfacht und könnte ohne Maßnahmen bis 2050 fast 600 Millionen Tonnen im Jahr erreichen. Einen großen Teil machen den Angaben zufolge Einwegprodukte aus, darunter Verpackungen. Insgesamt seien bislang 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert worden und davon 6,3 Milliarden Tonnen zu Abfall geworden, der großenteils auf Deponien landete. In Flüssen und Ozeanen haben sich nach Schätzungen weltweit 152 Millionen Tonnen Plastikabfälle angesammelt.

Wie geht es weiter?

Der Gipfel wurde ohne neuen Termin vertagt. Ob sich die Blockierer beim nächsten Mal bewegen, ist unklar. Fest steht: Jeder verlorene Monat bedeutet noch mehr Plastik in den Meeren, Flüssen und Böden.

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