Beirut: Saubere Strände nur für Reiche | Weather.com

50 Euro Eintritt: Im Libanon sind Strandbesuche Luxus

Hitze und Wassermangel treffen Beirut hart. Sauberes Badevergnügen ist für viele unerschwinglich.

Libanon, Beirut: Menschen sonnen sich in einem luxuriösen libanesischen Strandclub, während die Temperaturen im August in die Höhe schießen. Im Libanon zeigt sich im Sommer ein krasses Gefälle: Die Wohlhabenden sonnen sich in exklusiven Strandclubs, während den weniger Wohlhabenden nur wenige, oft verschmutzte öffentliche Strände zur Verfügung stehen. Trotz der Gesetze, die den öffentlichen Zugang vorschreiben, machen hohe Gebühren und privatisierte Resorts viele Strände für die meisten unerreichbar.
Menschen sonnen sich in einem luxuriösen libanesischen Strandclub, während die Temperaturen im August in die Höhe schießen. Im Libanon zeigt sich im Sommer ein krasses Gefälle: Die Wohlhabenden sonnen sich in exklusiven Strandclubs, während den weniger Wohlhabenden nur wenige, oft verschmutzte öffentliche Strände zur Verfügung stehen.
(Marwan Naamani/dpa)

Im Libanon gibt es kaum Zugänge zu sauberen, kostenfreien Stränden. Die Küste gehört der reichen Oberschicht. Wer kein Geld hat, schwitzt zu Hause. Und auch dort gibt es nicht immer Wasser.

Wie lebt es sich in Beirut bei 40 Grad und kaum Wasser?

Beirut kämpft mit Temperaturen um die 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit von fast 60 Prozent. In der dicht bebauten Metropole mit wenig Grünflächen suchen viele Menschen Abkühlung – doch das ist oft ein Luxus.

Wer baden will, muss meist zahlen: Zwischen 17 und 25 Euro kosten die privaten Beachclubs werktags, am Wochenende sogar bis zu 51 Euro – für Sonnenschirm, Liege und einen Swimmingpool.

Warum ist das Mittelmeer in Beirut keine Alternative?

Das Meer entlang der Beiruter Küste gilt als stark verschmutzt. Viele Menschen meiden es deshalb komplett und gehen lieber in die Pools der Clubs. Besonders drastisch ist die Lage am öffentlichen Stadtstrand Ramlet al-Baida, der "weiße Sandstrand", wie es übersetzt heißt.

Laut dem CNRS-Forschungsinstitut ist das Wasser dort eines der am stärksten bakteriell belasteten im ganzen Land. Der jährliche Wasserqualitätsbericht rät vom Baden ab.

Wer kontrolliert den Zugang zur Küste im Libanon?

Etwa 80 Prozent der libanesischen Mittelmeerküste sind in privater Hand, erklärt Mohammed Ajub von der NGO Nahnoo. Teure Beachclubs, private Villen oder Restaurants mit Meerblick versperren den freien Zugang.

Von den rund 220 Kilometern Küstenlinie sind laut Nahnoo nur noch 40 Kilometer nicht privatisiert – und selbst dort ist das Wasser oft verschmutzt, weil Abwässer oder Müll direkt ins Meer gelangen.

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In den sozialen Medien wird die libanesische Küste häufig als mediterranes Juwel dargestellt – mit türkisfarbenem Wasser und exklusiven Ausblicken. Was dabei nicht zu sehen ist: die horrenden Preise, die fällig werden, um diese Kulissen tatsächlich genießen zu können.

Warum können viele Familien sich keinen Strandtag leisten?

Ein öffentlicher Strandtag ist für viele in Beirut unbezahlbar. Seit Ende 2019 steckt der Libanon in der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise seiner Geschichte. Die Krise ist Folge jahrzehntelanger Korruption und Misswirtschaft und hat das Einkommen stark reduziert, gleichzeitig fehlt ein funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz.

Viele Menschen haben ihre Ersparnisse verloren oder leben von stark entwerteten Löhnen. Die andauernde Inflation macht selbst Benzingeld zum Luxusgut. Gleichzeitig fehlt ein funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz – wer günstigere Strände außerhalb Beiruts erreichen will, braucht ein Auto und Kraftstoff, den sich viele nicht leisten können.

Wie wirkt sich die Dürre zusätzlich aus?

Der Libanon erlebt die schlimmste Dürre seit Jahren. Die staatliche Wasserversorgung ist lückenhaft. Viele Haushalte kaufen Wasser bei privaten Anbietern, was sich jedoch längst nicht jeder leisten kann.

In diesem Jahr sind die Wasserstände so niedrig wie seit Langem nicht mehr, sagt Nadim Faradschalla von der Libanesisch-Amerikanischen Universität. Ein weiteres Problem: Der Staat kann Regenwasser kaum speichern, weil wichtige Infrastrukturprojekte seit Jahren blockiert sind.

Gibt es politischen Willen für Veränderung?

Laut Nahnoo fehlt es im Libanon an politischem Willen, um den freien Zugang zur Küste auszubauen oder die Wasserqualität zu verbessern.

Selbst die Fitnessstudios im Land werben inzwischen mit funktionierenden Duschen, weil viele Menschen zu Hause kein Wasser mehr haben.

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