Ungarn: Thermalwasser soll Felder vor Austrocknung retten | Weather.com
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Thermalwasser für Ungarns ausgedörrtes Land

In der ungarischen Tiefebene vertrocknet der Boden. Eine Bauern-Initiative setzt nun auf Thermalwasser als Lösung.

CORRECTS DATE FROM DEC. 29 to DEC. 12 - Water floods an area and an artificial lake in Kiskunmajsa, Hungary, Dec. 12, 2025. (AP Photo/Denes Erdos)
Wasser überflutet ein Gebiet und bildet einen künstlichen See in Kiskunmajsa, Ungarn
(AP Photo/Denes Erdos)

Wie dramatisch ist die Trockenheit in der ungarischen Tiefebene?

In der ungarischen Tiefebene sorgt zunehmende Trockenheit für massive Probleme in der Landwirtschaft. In der Sandrückenregion zwischen Donau und Theiß wachsen statt Feldfrüchten inzwischen Sanddünen. Böden reißen auf, Grundwasserstände sinken. Landwirt Oszkar Nagyapati beschreibt die Lage als zunehmend unerträglich. Auf der Suche nach Wasser gräbt er im ausgetrockneten Boden – trübes Wasser sickert kaum nach.

Was sind die Ursachen für das Austrocknen der Landschaft?

Forschende führen das Phänomen auf eine Kombination aus Klimawandel, falscher Landnutzung und schwachem Umweltmanagement zurück. In der Region Homokhatsag, die früher regelmäßig überflutet wurde, sind Felder heute kaum noch nutzbar. Auch die Tier- und Pflanzenwelt ist betroffen. Wissenschaftler sprechen von einer einzigartigen Versteppung innerhalb Europas, wie sie etwa in der Fachzeitschrift European Countryside dokumentiert wurde.

Welche Lösung verfolgt die Initiative der Landwirte?

Eine Gruppe um Nagyapati hat begonnen, überflüssiges Thermalwasser aus einem nahegelegenen Bad umzuleiten, das sonst ungenutzt in Kanäle abfließt. Das gereinigte Wasser flutet seit dem Sommer ein 2,5 Hektar großes Ackerstück, das gezielt überstaut wird. Ziel ist es, Wasser länger in der Landschaft zu halten, um Verdunstung, Luftfeuchtigkeit und Mikroklima positiv zu beeinflussen.

Wie wirkt sich die Maßnahme auf Boden und Umwelt aus?

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Die Bauern hoffen, mit der künstlichen Überflutung nicht nur das Mikroklima zu verbessern, sondern auch den Grundwasserspiegel langfristig anzuheben. Erste Beobachtungen zeigen, dass sich das Wassergleichgewicht im Boden stabilisiert. Auch Flora und Fauna hätten sich in der Umgebung bereits sichtbar erholt, berichtet die Initiative zum Jahresende.

Wie groß ist die Wirkung des Projekts?

Laut Nagyapati könnten die Maßnahmen in einem Umkreis von etwa vier Kilometern spürbare Effekte auf Vegetation und Feuchtigkeit zeigen. Die Wasserwächter sehen darin ein Modellprojekt und hoffen, dass weitere Flächen folgen. Ihre Vision: Nachahmung durch andere Regionen mit ähnlichen Problemen.

Was fordert die Initiative für die Zukunft?

Nagyapati und seine Mitstreiter wünschen sich mehr Unterstützung für derartige Projekte. Für ihn ist klar: "Wir brauchen mehr und mehr solche Bemühungen." Die Zeit, in der man auf Regen hoffen konnte, sei vorbei. Der Wasserrückhalt müsse aktiv gestaltet werden – und Thermalwasser könne ein Teil der Lösung sein.

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