Nebenflüsse des Mekong vergiftet | Weather.com
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Abbau seltener Erden vergiftet Nebenflüsse des Mekong

Durch den unregulierten Abbau von Seltenen Erden in Myanmar und Laos gelangen vergiftete Abwässer in den Mekong. Die Folgen treffen Millionen Menschen, die der Fluss mit Wasser und Fisch versorgt.

22. Februar 2026: Die Grenzregion des Goldenen Dreiecks zwischen Thailand (links), Myanmar (Mitte) und Laos (rechts) in Chiang Saen (AP Photo/Anton L. Delgado)
22. Februar 2026: Die Grenzregion des Goldenen Dreiecks zwischen Thailand (links), Myanmar (Mitte) und Laos (rechts) in Chiang Saen
(AP Photo/Anton L. Delgado)

Sukjai Yana sitzt am Bug seines Langschwanzbootes und holt enttäuscht eine Handvoll kleiner Fische aus dem Netz. Ob er sie los wird, ist unsicher - an manchen Tagen verkauft der 75-Jährige gar nichts. Die Nachfrage nach Fisch sinkt wegen der Verschmutzung des Mekong und seiner Nebenflüsse. Giftige Abwässer aus dem Abbau seltener Erden flussaufwärts bedrohen Millionen Menschen, die für Landwirtschaft und Fischerei auf diese Gewässer angewiesen sind.

Chiang Saen ist seit Jahrzehnten die Heimat von Yanas Familie: "Ich weiß nicht, wohin ich sonst gehen sollte", sagt er. Der Fischer ist einer von 70 Millionen Menschen auf dem Festland Südostasiens, die vom fast 5000 Kilometer langen Mekong abhängig sind. Die steigende Nachfrage nach Seltenerdmetallen heizt ihren unregulierten Abbau an – vom kriegszerrütteten Myanmar bis nach Laos.

Der Mekong entspringt in China und fließt durch fünf südostasiatische Länder, bevor er in Vietnam ins Meer mündet. Millionen Menschen sind für ihre Proteinversorgung auf Fisch aus dem Mekong-Becken angewiesen. Er ist seit langem bedroht – von Plastikverschmutzung über Wasserkraftwerke bis hin zum Sandabbau, der seine Ufer zerstört.

Hauptlast des Bergbaubooms trifft Thailand

Doch Experten warnen, dass die giftigen Abwässer aus den Minen eine viel existenziellere Bedrohung darstellen könnten: Die Belastung durch Schwermetalle wie Arsen, Quecksilber, Blei und Kadmium erhöht das Risiko für Krebs, Organversagen und Entwicklungsstörungen, insbesondere bei Kindern und Schwangeren.

Thailand trägt die Hauptlast des Bergbaubooms, weil solche Giftstoffe seine weltweiten Lebensmittelexporte gefährden – von Reissäcken in US-Supermärkten über in Japan servierte Edamame-Snacks bis hin zu Knoblauch, der in malaysischen Küchen verwendet wird. Regulierungsversuche bleiben lokal und begrenzt, während der Schmuggel und der Bürgerkrieg in Myanmar regionale Lösungen erschweren.

Die Landwirtschaft sei das Rückgrat der Volkswirtschaften Südostasiens, betont Suebsakun Kidnukorn von der Mae Fah Luang-Universität in Chiang Rai im Norden Thailands. Der Abbau von Seltenen Erden zerstöre "die Küche der Welt".

Giftige Abwässer sickern nach Thailand

Der Fischer Sukjai Yana steuert am Samstag, dem 21. Februar 2026, in Chiang Saen, Thailand, ein Boot den Kok-Fluss hinunter. (AP Photo/Anton L. Delgado)
Der Fischer Sukjai Yana steuert am Samstag, dem 21. Februar 2026, in Chiang Saen, Thailand, ein Boot den Kok-Fluss hinunter.
(AP Photo/Anton L. Delgado)

Auf seiner Bananenfarm im hügeligen thailändischen Dorf Tha Ton zählt der 63-jährige Lah Boonruang mit den Fingern die vom Gift belasteten Feldfrüchte auf, die er erntet: Reis, Knoblauch, Mais, Zwiebeln, Mangos und Bananen. Er bewässert seine Felder mit Wasser aus dem Mekong-Zufluss Kok, der aus Myanmar nach Thailand fließt und mit Giftstoffen belastet ist. "Jeder hat Angst vor den Giftstoffen. Wenn wir nicht exportieren können, ist der Bauer der Erste, der stirbt."

Thailand gehört neben Indien und Vietnam zu den weltweit führenden Reisexporteuren. Im Jahr 2024 exportierte das Land Reis und Früchte im Wert von mehr als zehn Milliarden US-Dollar (etwa 8,5 Milliarden Euro), wie aus Handelsdaten hervorgeht. "Unsere Sorge ist, dass sich Giftstoffe in dem von uns exportierten Reis anreichern", sagt Niwat Roykaew, Gründer des Umweltinstituts Mekong School im nordthailändischen Chiang Khong. "Dies würde unsere Reiswirtschaft, die Teil unserer Kultur ist, zusammenbrechen lassen."

Lösungen sind lokal und begrenzt

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Die thailändische Regierung hat nach eigener Aussage kaum Einfluss auf den Bergbau jenseits der Grenze im von Unruhen erschütterten Myanmar und Laos. Die Maßnahmen Thailands seien zudem durch mangelndes Fachwissen, unzureichende Informationen und knappe finanzielle Mittel eingeschränkt, berichtet Aweera Pakkamart von der thailändischen Behörde für Umweltschutz.

Stattdessen konzentrierten sich öffentliche Universitäten, Kommunalverwaltungen und regionale Organisationen wie die Mekong-Fluss-Kommission vor allem darauf, die Schwermetallwerte zu überwachen und die Kommunen über die Risiken aufzuklären.

Aktuelle Wasser-, Fisch- und Sedimentproben aus Nebenflüssen des Mekong wiesen hohe Konzentrationen gefährlicher Schwermetalle aus dem Abbau seltener Erden auf, betont Warakorn Maneechuket von der thailändischen Naresuan-Universität. In einem Labor zeigt sie auf tumorähnliche Wucherungen, verfärbte Schuppen und ungewöhnliche Augenverfärbungen eines im Kok-Fluss gefangenen Welses.

Die Anreicherung von Schwermetallen ist heimtückisch: Arsen kann zu Organversagen führen, Quecksilber schädigt das Nervensystem, Blei beeinträchtigt die kognitiven Fähigkeiten und Kadmium schädigt die Nieren.

Nachfrage nach Seltenen Erden steigt

Seltene Erden sind für moderne Technologie unverzichtbar, von Smartphones und Elektrofahrzeugen bis hin zu Raketen und Flugzeugen. Trotz ihres Namens sind sie weit verbreitet. Knapp sind sie, weil der Abbau teuer und der Veredelungsprozess aufwendig ist, der vor allem in China stattfindet.

Das US-Stimson Center identifizierte mithilfe von Satellitenbildanalysen fast 800 mutmaßlich unregulierte Abbaustätten von Seltenerdmetallen und anderen Rohstoffen entlang der Nebenflüsse des Mekong in Laos, Myanmar und Kambodscha. Seltene Erden werden abgebaut, indem Gestein ausgegraben oder der Boden mit Chemikalien ausgewaschen wird, wobei giftige Abfälle entstehen.

Myanmar ist Chinas führender Lieferant von schweren seltenen Erden und exportierte zwischen 2017 und 2024 solche Materialien im Wert von mehr als 4,2 Milliarden US-Dollar nach China, größtenteils nach dem Militärputsch 2021. US-Präsident Donald Trump erklärte die Sicherung der US-Versorgung mit kritischen Mineralien und seltenen Erden zu einem zentralen außenpolitischen Ziel, da sie in vielen Rüstungsgütern zum Einsatz kommen.

Für den Fluss, der das Festland Südostasiens versorgt, sind das schlechte Nachrichten. Brian Eyler vom Stimson Center bezeichnet die giftigen Abwässer als Atombombe für das Mekong-Becken.

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