Günstigere Flüge ab Juli: Klimafolgen der Steuersenkung | Weather.com
Advertisement
Advertisement

Billiger fliegen ab Juli: Gut für Urlauber, schlecht fürs Klima?

Ab 1. Juli sinkt die Luftverkehrsteuer in Deutschland. Umweltschützer warnen vor einem klimapolitischen Rückschritt.

ARCHIV - 01.02.2020, Hessen, Frankfurt/Main: Eine Maschine der Fluggesellschaft Lufthansa startet bei regennasser Startbahn vom Flughafen Frankfurt (FRA) aus. Das Fernweh ist grofl, weil das Leben gerade ¸berwiegend Zuhause stattfindet. (zu dpa: ´Ab jetzt wird es wieder heller - sieben Hoffnungsschimmer zum dunkelsten Tag des Jahresª) Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Günstigere Flugtickets ab Juli: Was bedeutet das fürs Klima?
( Andreas Arnold/dpa)

Ab 1. Juli 2026 sinkt die Luftverkehrsteuer in Deutschland. Die Bundesregierung hat die Erhöhung von 2024 wieder zurückgenommen — pünktlich zur Feriensaison. Doch ob Passagiere wirklich sparen und was die Steuersenkung für das Klima bedeutet, ist unter Experten umstritten.

Was hat die Bundesregierung genau beschlossen?

Die Luftverkehrsteuer wird je nach Streckenlänge um 2,50 bis 11,40 Euro pro Ticket gesenkt. Für Kurzstrecken innerhalb Europas fällt der Satz von 15,53 auf 13,03 Euro, auf der Mittelstrecke von 39,34 auf 33,01 Euro, auf der Langstrecke von 70,83 auf 59,43 Euro. Bundestag und Bundesrat haben das Gesetz beschlossen, es tritt am 1. Juli in Kraft. Der Bund verzichtet damit auf bis zu 355 Millionen Euro Steuereinnahmen im Jahr, die aus dem Etat des Verkehrsministeriums gegenfinanziert werden sollen.

Kommen die günstigeren Preise auch bei Passagieren an?

Theoretisch ja — Steuern und Gebühren werden bei Flugtickets direkt ausgewiesen und an Kunden weitergegeben. Wie stark die Entlastung tatsächlich spürbar wird, ist jedoch offen. Eurowings hat eingeräumt, dass gestiegene Kerosinkosten die Steuersenkung schnell überlagern könnten. Die Ticketpreise hängen stark von Angebot und Nachfrage ab. Laut einem Sachverständigen des Bundestags dürfte die Maßnahme die Ticketpreise nur um ein bis zwei Prozent senken — was ein Verkehrswachstum von maximal einem Prozent ergäbe.

Warum ist die Branche trotzdem unzufrieden?

Advertisement

Airlines und Flughäfen begrüßen die Senkung zwar, halten sie aber für unzureichend. Eurowings-Chef Max Kownatzki bezeichnete sie als „Tropfen auf dem heißen Stein". Ryanair-Chef Eddie Wilson sieht keinen ernsthaften Willen, den deutschen Luftverkehrsmarkt zu reformieren, und zieht demnächst sieben Flugzeuge aus Berlin ab. Branchenvertreter fordern zusätzlich niedrigere Kosten bei Flugsicherung und Passagierkontrollen. Die vergleichsweise hohen staatlichen Abgaben gelten als Hauptgrund, dass sich der Luftverkehr in Deutschland seit der Corona-Delle schwächer entwickelt hat als im übrigen Europa — und dass Billigflieger wie Ryanair lieber von Flughäfen in Polen oder Italien starten.

Was sagen Umweltschützer?

Für Umweltverbände sendet die Steuersenkung das falsche Signal. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) sieht in der Luftverkehrsteuer ein klimapolitisches Lenkungsinstrument, das Nachfrage dämpfen und andere Privilegien der Luftfahrt zumindest teilweise ausgleichen soll. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) lehnt die Senkung ebenfalls ab.

Hintergrund: Laut einem Sachverständigen des Bundestags trägt der Luftverkehr drei bis fünf Prozent zur beobachtbaren Erwärmung der Erde bei — neben CO2 spielen dabei sogenannte Nicht-CO2-Effekte wie Kondensstreifen eine wesentliche Rolle. Hinzu kommen lokale Belastungen durch Luftschadstoffe und Lärm. Der VCD beziffert die bestehenden Steuervorteile der Luftfahrt — Befreiung von Kerosinsteuer und Mehrwertsteuer auf internationale Tickets — unter Verweis auf das Bundesumweltamt auf 14 Milliarden Euro jährlich.

Wie geht es mit dem Klimaschutz im Luftverkehr weiter?

Parallel zur Steuerdebatte wächst der Druck auf die Branche, klimaneutraler zu werden. Die EU hat ab Sommer 2025 ein Label eingeführt, das Passagiere über die Treibhausgasemissionen einzelner Flüge informiert. Nachhaltige Kraftstoffe wie E-Kerosin gelten als zentraler Hebel — ihre Entwicklung ist aber kosten- und zeitintensiv. Umweltverbände fordern, Einnahmen aus der Luftverkehrsteuer gezielt in solche Technologien zu investieren, statt sie zu kürzen. Die Bundesregierung setzt vorerst auf Marktanreize und weitere Gebührensenkungen bis 2029.

Advertisement