Frühherbstbeginn hängt Bauernregel ab | Weather.com
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Ägidiustag: Warum der Schwarze Holunder schneller als die Bauernregel ist

Am Dienstag beginnt der meteorologische Herbst. Auf denselben 1. September legt eine alte Bauernregel den Beginn der Aussaat. Nur hat die Natur den Herbst in diesem Jahr schon am 17. August eingeläutet.

Der Schwarze Holunder gibt den Startschuss für den phänologischen Frühherbst. 2026 waren die ersten Früchte schon am 17. August reif – deutlich früher als im langjährigen Mittel
(GettyImages)

Was die Bauernregel zum Ägidiustag bedeutet

Die Bauernregel zum 1. September benennt keinen Wettertermin, sondern einen Arbeitstermin. "Wenn Sankt Ägidius bläst ins Horn, heißt es: Bauer säe dein Korn." Ägidius lebte als Einsiedler in der heutigen Provence in Frankreich und gründete 680 die Benediktiner-Abtei St. Gilles. Sein Gedenktag diente über Jahrhunderte als Merkhilfe: Denn Heilige kannte früher jeder Mensch, Kalenderwochen nicht immer. Wer sich an die Regel hält, greift also am Dienstag zum Saatgut.

Wann der Herbst in der Natur tatsächlich anfängt

Der phänologische Frühherbst hat 2026 jedoch schon am 17. August begonnen, vier Tage vor dem vieljährigen Mittel. Phänologie ist die Lehre von den Erscheinungen: Sie erfasst, wann Pflanzen im Jahresverlauf blühen, Blätter treiben, Früchte reifen oder das Laub verfärben. Der Deutsche Wetterdienst teilt das Jahr danach in zehn Jahreszeiten ein – und jede beginnt, wenn eine bestimmte Zeigerpflanze so weit ist. Für den Frühherbst sind das die ersten reifen Früchte des Schwarzen Holunders. Im langjährigen Mittel hängen sie ab 21. August reif am Strauch. Einen bundesweiten Stichtag gibt es allerdings nicht, weil sich der Holunder regional unterschiedlich schnell entwickelt: Je südlicher und tiefer eine Region liegt, desto früher ist er so weit.

Warum der Spätsommer 2026 nur elf Tage gedauert hat

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Zwischen den ersten reifen Äpfeln und den ersten reifen Holunderbeeren lagen in diesem Jahr nur elf Tage statt der durchschnittlichen 18. Der Spätsommer startete am 6. August und damit drei Tage später als üblich. Der Frühherbst begann vier Tage zu früh. Davor stand ein Hochsommer von 55 Tagen, im Mittel sind es 47. Die Reihenfolge stimmt also noch, das Tempo nicht mehr.

Wie weit sich die Bauernregeln vom Feld entfernt haben

Die Pflanzen richten sich nach der Temperatursumme, die Bauernregel nach einem festen Datum. Genau da geht die Schere auf. In den Jahren zwischen 1961 und 1990 begann der Vorfrühling im Mittel am 3. März. Von 1991 bis 2020 schon am 14. Februar. Die Vegetationsruhe schrumpfte im selben Vergleich von 120 auf 101 Tage. Auch 2026 fügt sich in diese Kette ein: Die Apfelblüte startete um den 18. April – rund acht Tage vor dem Mittelwert. Am deutlichsten zeigt es der Weinbau. Die Lese hat in diesem Jahr nach Angaben des Deutschen Weininstituts in allen Anbaugebieten so früh begonnen wie noch nie seit Beginn der regelmäßigen Erfassung, rund vier Wochen früher als vor 30 oder 40 Jahren.

Was die Bauernregel übers Septemberwetter verrät

Neben dem Saattermin kursiert der Spruch auch als Prognose: Wie das Wetter an Ägidius, so bleibe es vier Wochen. Belegen lässt sich das jedoch nicht. Forschende der früheren Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik prüften im Jahr 2006 rund 100 Wettersprüche anhand von Daten ab 1951. Das Ergebnis: Kaum eine Regel erzielte eine Trefferquote von mehr als 60 Prozent.

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