Todeszonen wachsen dramatisch: Der Ostsee droht der Kollaps | Weather.com
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Algenteppiche und Sauerstoffmangel: Der Ostsee geht es nicht gut

Die Ostsee leidet nicht nur unter Erwärmung, sondern auch unter massiven Algenmengen. Ohne Klimaschutz und weniger Nährstoffe droht eine jahrelange Krise.

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Warmes Wasser, frühe Blaualgenblüten und sinkender Sauerstoff: GEOMAR-Forscherin Helmke Hepach bewertet den Zustand der Ostsee nach dem Sommer 2026 als alarmierend. Aktuelle Messungen und globale Auswertungen zeigen, wie angespannt die Lage in der Ostsee und Meeren weltweit ist.

„Aus meiner Sicht sehen wir gerade eine weitere Verschlechterung“, fasst Helmke Hepach den Zustand der Ostsee im Sommer 2026 zusammen. Der Forscherin am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR) bereiten besonders die steigenden Temperaturen und sinkenden Sauerstoffgehalte Sorgen. „Die Situation ist dieses Jahr schon relativ alarmierend.“ Seit etwa 2019 beobachte sie wiederholt Sauerstoffminimumereignisse, 2026 sei der Sauerstoff jedoch „sehr kontinuierlich“ gesunken. Bereits Ende April habe sie deutlich abnehmenden Sauerstoff beobachtet.

Für ihre Einschätzung betrachtet Hepach neben Temperatur auch den Sauerstoffgehalt am Meeresboden sowie die Mikroalgen: „Wir sehen, dass es in diesem Jahr schon recht frühe Blaualgenblüten gab.“

Sauerstoffmangel in der Ostsee weit verbreitet

Wie angespannt die Lage war, zeigt eine Messfahrt des Schwedischen Meteorologischen und Hydrologischen Institut (SMHI) im August 2026. Im Arkonabecken, im Bornholmsbecken und in der Hanöbucht lag der Sauerstoffgehalt am Boden an allen untersuchten Stationen unter vier Millilitern pro Liter. Im Bornholmsbecken waren es sogar etwa zwei Milliliter. In der eigentlichen Ostsee fanden die Forschenden zudem an fast allen Stationen Schwefelwasserstoff – ein Hinweis auf sauerstofffreie Bedingungen.

Im östlichen Gotlandbecken erstreckte sich eine sauerstofffreie Schicht von 90 bis 140 Metern Tiefe. An den Stationen nördlich und westlich davon wurde Schwefelwasserstoff bereits ab etwa 70 bis 80 Metern Tiefe gemessen. Eine weitere Auffälligkeit, die Forschende alarmiert: Im Arkonabecken beobachtete die Besatzung zeitgleich eine intensive Cyanobakterienblüte.

Algenteppiche sind ein Warnsignal

Die auffälligen Bilder der grünen Algenteppiche waren auch in den Medien vielfach zu sehen. Nach Angaben des SMHI wurden die ersten Cyanobakterien nahe der Oberfläche am 9. Juni nördlich von Gotland beobachtet und Ende Juni blühte es in großen Teilen der zentralen Ostsee, Mitte Juli dann auch im Bottnischen Meerbusen. Vor der schwedischen Südküste und im Öresund gab es von Ende Juli bis Ende August starke Ansammlungen von Cyanobakterien.

Im August fanden Forschende des SMHI sogar häufig die potenziell giftige Art Nodularia spumigena in der südlichen Ostsee und im Öresund. Immerhin spielen „toxische Algen in unserer Region nicht so eine große Rolle“, sagt GEOMAR-Forscherin Hepach. Ob eine Blüte giftig ist, lässt sich laut SMHI allerdings weder am Satellitenbild noch mit bloßem Auge erkennen.

Algenblüten können Sauerstoffmangel verschärfen

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Algen und Bakterien gehören zum natürlichen Ökosystem. Problematisch wird es, wenn sich sehr große Algenblüten bilden und anschließend große Mengen Biomasse abgebaut werden. „Grundsätzlich würde ich sagen, dass der starke Temperaturanstieg in den letzten Jahren das Vorkommen insgesamt verstärkt hat“, sagt GEOMAR-Forscherin Hepach.

Warum eine Zunahme der Biomasse ein Problem ist, erklärt Hepach so: „Wenn diese abstirbt und absinkt, wird sie von Bakterien abgebaut und dabei wird Sauerstoff verbraucht.“ Je mehr Biomasse vorhanden ist, desto mehr Sauerstoff wird also für deren Abbau verbraucht.

August und September seien zwar natürlicherweise Monate hoher Bakterienaktivität. Hepach zufolge verstärkt die zusätzliche organische Substanz aus den massiven Blüten den Sauerstoffverbrauch jedoch. Sie rechne deshalb damit, dass der Sauerstoff am Boden „komplett weg“ sein könnte und länger fehlen werde.

Globaler Trend, lokale Besonderheiten

Sauerstoffarme Meeresgebiete sind kein ausschließliches Problem der Ostsee. Eine 2026 veröffentlichte Studie in Earth System Science Data rekonstruiert die monatliche Sauerstoffverteilung im globalen Ozean von 1960 bis 2023 – von der Oberfläche bis in 5902 Meter Tiefe. Zwischen 150 und 200 Metern nahm der Sauerstoff im Mittel um etwa 0,12 Mikromol pro Kilogramm und Jahr ab. Besonders beschleunigte Verluste zeigte die Rekonstruktion zuletzt im Arktischen Ozean und im Nordatlantik.

In der Ostsee verschärfen neben der Erwärmung vor allem Nährstoffeinträge und dadurch hervorgerufene große Algenmengen die Sauerstoffknappheit. Für Hepach ist 2026 deshalb auch kein isoliertes Extremereignis. Nur: „Früher waren die Jahre, in denen es so extrem war, die Ausnahme. Jetzt sind eher die Jahre die Ausnahme, in denen es nicht extrem ist.“

Erholung dauert Jahrzehnte – ohne Klimaschutz wird es kritisch

Eine schnelle Verbesserung erwartet Hepach nicht. „So schnell wird sich die Ostsee nicht erholen, wir sprechen schon über Jahrzehnte.“ Nötig seien weniger Nährstoffeinträge, weltweit große Einsparungen bei den CO₂-Emissionen und möglicherweise aktive Renaturierung.

Regionale Verbesserungen hält Hepach dennoch für möglich – etwa durch die EU-Wiederherstellungsverordnung. Ihr Gesamtfazit fällt jedoch pessimistisch aus: „Wenn der Temperaturanstieg nicht verlangsamt wird, sehe ich ehrlich gesagt schwarz für die Ostsee.

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