Zeitumstellung lässt Zugvögel und Bäume kalt | Weather.com
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Die Natur kennt keine Zeitumstellung: Woran sich Zugvögel, Bäume und Wildtiere orientieren

Die Zeitumstellung am 25. Oktober gilt nur für den Menschen. Zugvögel, Wildtiere und Pflanzen richten sich nach der Tageslänge.

"all images developed in the time from 2007-10-13 to 2007-10-16 in Mecklenburg-Vorpommern / Northern Germany, this year came 70.000 cranes in large flocks from scandinavia to the area around Darss/Hiddensee/Ruegen, the view and the noise were amazing"
Kraniche im Abendlicht: Die Zeitumstellung am 25. Oktober bekommen sie nicht mit, ihre innere Uhr ist an die Tageslänge gekoppelt
(GettyImages)

Eine Stunde mehr Schlaf gibt es in der Nacht zum 25. Oktober nur für Menschen. Bei der Zeitumstellung dreht Deutschland die Uhren zurück, doch Zugvögel, Bäume und Wildtiere halten sich an einen anderen Zeitgeber: die Länge des Tages. Wie genau sie ihn lesen, haben Forschende über Jahrzehnte entschlüsselt. Und gerade zeigt sich, wie der Klimawandel diesen Kalender aus dem Takt bringt.

Warum ist die Zeitumstellung für Tiere und Pflanzen egal?

Tiere und Pflanzen richten sich nach dem Licht, nicht nach der Uhr. Die Zeitumstellung ändert nur, welche Zahl auf dem Zifferblatt steht, wenn die Sonne aufgeht. Wie lange es hell ist, bleibt dabei gleich – und genau darauf kommt es an. Werden die Tage kürzer, stellen sich viele Lebewesen frühzeitig auf den Winter ein. Im Frühjahr läuft es umgekehrt: Bei Vögeln lassen die länger werdenden Tage die Geschlechtshormone steigen, und die Brutzeit beginnt.

Woher wissen Zugvögel, wann sie losfliegen müssen?

Zugvögel haben eine Art eingebauten Kalender und das Tageslicht stellt diesen. Im Herbst lässt sich das gut am Himmel beobachten. Zwischen Mite Oktober und Mitte November zieht laut Naturschutzbund Nabu der Großteil der Kraniche über Deutschland, also genau in den Wochen der Zeitumstellung. Mehr als 400.000 Kraniche überfliegen jeden Herbst das Land, schätzt die Organisation Kranichschutz Deutschland. Die meisten fliegen bis nach Spanien. Den genauen Starttag wählen sie nach dem Wind: Er entscheidet laut Nabu, wann die Vögel aufbrechen, welche Route sie nehmen und wie hoch sie fliegen.

Dass der Drang zum Aufbruch von innen kommt, hat Vogelforscher Eberhard Gwinner nachgewiesen. Am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zog er 1981 junge Trauerschnäpper von Hand auf und beobachtete sie fast ein Jahr lang im Labor. Das Ergebnis: Eine innere Uhr legt fest, wann die Vögel ziehen wollen. Im Käfig zeigt sich das an nächtlicher Unruhe zur passenden Jahreszeit, obwohl die Tiere gar nicht wegfliegen können. Später fand Gwinner diese Unruhe zusammen mit der Biologin Barbara Helm sogar bei afrikanischen Schwarzkehlchen, die das ganze Jahr in ihrem Revier bleiben. Ihr Startsignal: die Tageslänge.

Was lässt die Blätter im Herbst bunt werden?

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Die kürzeren Tage geben den Startschuss, kühle Nächte beschleunigen das Farbenspiel. Der Baum holt sich dann sein wertvolles Blattgrün zurück. Er zerlegt das Chlorophyll und lagert die Bausteine in Zweigen, Stamm und Wurzeln, um sie im Frühjahr wiederzuverwenden. Übrig bleiben gelbe und orange Farbstoffe, die den ganzen Sommer im Blatt steckten und nur vom Grün überdeckt waren. Das leuchtende Rot bilden manche Bäume erst jetzt neu.

Beim Laub hat das Wetter mehr zu sagen als beim Vogelzug, wo es nur den Starttag bestimmt. Damit sich die Blätter verfärben, braucht es laut mehrere kühle Nächte mit einstelligen Temperaturen. Die Uhr spielt dagegen keine Rolle: Ihr Laub färben die Buchen ganz unabhängig von der Zeitumstellung.

Warum wird das Hermelin weiß, auch wenn kein Schnee liegt?

Hermelin und Schneehase wechseln ihr Fell, weil die Tage kürzer werden, nicht weil es schneit. Beim Schneehasen spielt laut Deutschem Alpenverein auch die Temperatur mit. Im Oktober und November tauscht er sein braunes Sommerfell gegen ein weißes Winterfell. Zur Zeitumstellung steckt mancher also schon mitten im Wechsel. Bis Mitte November sind die meisten Alpenschneehasen weiß, berichtet die Deutsche Wildtier Stiftung. Über zehntausende Jahre war das die perfekte Tarnung, denn ab dann lag in ihrem Lebensraum oberhalb von etwa 1.300 Metern normalerweise Schnee.

Was passiert, wenn der Klimawandel den Takt verschiebt?

Tiere verlassen sich auf das Signal Licht, das sich nicht ändert, während sich das Wetter um sie herum wandelt. Ende Oktober sind die Tage heute genauso lang wie vor 100 Jahren. Schnee und Frühling halten sich dagegen nicht mehr an den alten Kalender. In den Schweizer Alpen ist die Schneehöhe in den vergangenen 70 Jahren um acht Zentimeter pro Jahrzehnt gesunken, berichtet die Deutsche Wildtier Stiftung. Der Schneehase wird trotzdem pünktlich weiß und sitzt dann als leuchtender Fleck in brauner Landschaft. Dem Hermelin in den Bergen geht es genauso: Ohne Schnee entdecken Greifvögel, Eulen und Füchse es besonders leicht.

Bei Zugvögeln zeigt sich die Lücke zwischen innerem Kalender und Wetter im Frühjahr. Beispiel Trauerschnäpper. Der Singvogel verbringt den Winter von September bis März in Afrika. Dort bekommt er nicht mit, dass in Europa der Frühling früher beginnt und die Raupen früher schlüpfen. Genau die braucht er aber als Futter für seine Jungen. Kommen die Eltern zu spät zurück, finden sie weniger Raupen und mehr Küken sterben.

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