Wetterphänomen: Was ist die Madden-Julian-Oszillation? | Weather.com
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Was ist die Madden-Julian-Oszillation – und wie wirkt sie sich auf Europa aus?

Ein Gewitter-Rhythmus in den Tropen kann unser Wetter in Europa mitprägen: Die Madden-Julian-Oszillation (MJO) wandert um die Erde – und verändert die Chancen für bestimmte Wetterlagen.

Erde mit sichtbaren Kontinenten und Wolkenstrukturen vor dunklem Hintergrund
Das Wetter in den Tropen kann sich auch auf Europa auswirken.
(TWC)

Gewitter in den Tropen wirken auf den ersten Blick weit weg. Doch die Atmosphäre ist global verbunden – und manchmal „schwingt“ ein Tropen-Signal als Fernwirkung bis nach Europa durch. Ein wichtiges Beispiel dafür ist die Madden-Julian-Oszillation, kurz MJO. Sie ist kein einzelnes Unwetter, sondern ein großräumiges Wettermuster, das die Stärke und Lage von Regen- und Gewitterzonen in den Tropen über Wochen beeinflusst.

„Die MJO zeichnet sich durch einen stetigen Wetterwechsel aus“, sagt Helge Tuschy, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Vereinfacht bestehen dabei zwei Gegenspieler: ein Bereich mit aufsteigender Luft – dort gibt es häufiger Schauer und Gewitter – und ein Bereich, in dem die Gewittertätigkeit eher unterdrückt wird und Luft absinkt, erklärt der Experte.

Dieses Muster zieht dann ostwärts weiter. „Wenn dieser Dipol ostwärts wandert, wird von einer aktiven Phase gesprochen“, so der DWD-Meteorologe. Eine anschauliche Darstellung dieses „aktiv/ruhig“-Wechsels zeigt auch die NOAA, die US-amerikanische Behörde u.a. für Ozeanographie, Meteorologie, Klima und Umwelt, Satelliten, Forschung und Fischerei der USA.

Wie oft kommt die Madden-Julian-Oszillation vor – und wie lange dauert sie?

Ein fester Takt wie „alle vier Wochen“ lässt sich nicht angeben. Die MJO tritt wiederholt auf, aber ihre Entstehung hängt von wechselnden Randbedingungen ab. „Der Großteil der MJO-Ereignisse wird durch externe Faktoren ausgelöst“, sagt Tuschy – etwa durch großräumige Wirbelstrukturen in den Tropen. Manchmal können auch andere Wetterereignisse oder ein früherer MJO Zyklus neue Entwicklungen begünstigen.

Wenn die MJO einmal „in Gang“ kommt, lässt sich ihre typische Zeitskala aber recht gut greifen: „Der eigentliche MJO-Zyklus dauert im Durchschnitt 30 bis 60 Tage und beginnt meist im Indischen Ozean“, sagt Tuschy. Von dort wandert das Signal nach Osten weiter. Auch NOAA beschreibt die MJO als Phänomen auf Wochen-Skala, das die Tropen umrundet.

Wanderung der MJO in acht Phasen

Wer in tropischen Regionen lebt, erlebt die MJO vor allem als wechselhaftes Regen- und Gewittermuster: Es gibt Phasen mit deutlich mehr Schauern und Gewittern – und danach wieder ruhigeren Abschnitten, so Tuschy.

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Damit Fachleute schnell sehen, wie stark die MJO gerade ist und wo sie sich befindet, wird sie häufig mit einem Phasendiagramm dargestellt – dem sogenannten „Real-time Multivariate, RMM“-Index. „Je näher die Linie am Nullpunkt ist, desto schwächer ist der MJO-Zyklus, je weiter weg, desto stärker“, erklärt Tuschy.

Um den Überblick zu behalten, wird die Wanderung der MJO oft in acht Phasen dargestellt. Jede Phase steht grob für eine Region – zum Beispiel Indischer Ozean, maritimer Kontinent oder Westpazifik.

Infografik mit Pfeilen und Wolken, die die Aufwärts- und Abwärtsbewegung der Madden-Julian-Oszillation über einer Weltkarte veranschaulichen

Kann sich die MJO abschwächen oder „stecken bleiben“?

Ja – und das ist auch ein Grund, warum man mit Aussagen bezüglich der Verlagerung vorsichtig sein muss. „Sie kann beides machen“, sagt Tuschy: sich auflösen oder zeitweise kaum vorankommen. Die Ursachen seien komplex, weil in den Tropen verschiedene Prozesse zusammenwirken. Außerdem gebe es Wechselwirkungen mit anderen Klimamustern wie El Niño/La Niña. Deshalb, so Tuschy, sei die MJO-Vorhersage mit großen Unsicherheiten verbunden.

Welche Auswirkungen hat die MJO auf Europa?

Die MJO ist kein „Fernschalter“ für Europa – aber sie kann die großräumige Wetterentwicklung mitprägen. „Bei uns in Europa sind die Auswirkungen meist nur indirekter Natur“, sagt Tuschy. Veränderungen über dem Pazifik können demnach Strömungsmuster anstoßen, die sich stromab weiterentwickeln – Meteorologen sprechen vom „Downstream development“.

Was heißt das praktisch? Es geht um Wahrscheinlichkeiten: „Die MJO in Phase 6/7 stützt statistisch ein Hochdruckgebiet über Nordwesteuropa“, erklärt Tuschy, „in Phase 7 eines über Grönland/Nordatlantik.“ Das kann vor allem im Winter interessant sein, wenn blockierende Wetterlagen eine Rolle spielen.

Gleichzeitig ist die Aussagekraft von MJO-Ereignissen für das Wetter in Europa begrenzt: Ein konkretes Europa-Beispiel „aus einem MJO-Ereignis“ sei kaum sauber herauszupicken. Die MJO ist nur ein Signal unter vielen – und je nach Jahreszeit dominieren für das Wetter in Europa andere Faktoren, lautet Tuschys Fazit.

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