Ist der Markt in Wuhan nicht Ausgangspunkt des Coronavirus‘? | The Weather Channel
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Ist der Markt in Wuhan nicht Ausgangspunkt des Coronavirus‘?

27.01.2020, China, Wuhan: Arbeiter in Schutzkleidung tragen eine Tasche in der sich ein Riesensalamander befindet, der vom Huanan Seafood Market entkommen sein soll. China hat die Feiertage für das Chinesische Neujahrsfest ausgeweitet, um die Bevölkerung zu Hause zu halten und somit die Ausbreitung des Virus' zu verhindern. Foto: -/CHINATOPIX/AP/dpa
Der Huanan Seafood Market in Wuhan gilt als Ausgangsort von Covid-19. Dabei gibt es keine Beweise.
(-/CHINATOPIX/AP/dpa)

Auf dem Huanan Seafood Market in Wuhan werden nicht nur Meeresfrüchte verkauft, wie der Name besagt, sondern auch Vieh und – so besagen es Berichte – allerlei exotische Wildtiere. Darunter womöglich auch das Schuppentier Pangolin, das im Verdacht steht, das von Fledermäusen stammende Virus Sars-CoV-2 auf den Menschen übertragen zu haben.

Von den frühen Covid-19-Patienten haben zudem einige eine Verbindung zu dem Markt, weil sie dort arbeiten oder einkaufen. Kein Wunder also, dass der Markt bald als so genannter "Ground Zero" von Covid-19 galt.

Erster bekannter Fall aus Studie hatte keinerlei Verbindung zum Markt

Allerdings ist dies keineswegs bewiesen, wie das Portal "I fucking love Science" darlegt. Demnach hatte das medizinische Fachjournal "The Lancet" im Januar Studien verschiedener chinesischer Autoren veröffentlicht, nach denen sich 27 von 41 Menschen, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus bestätigt worden war, zuvor auf dem Markt aufgehalten hatten. Der Patient allerdings, der den Ausführungen zufolge als erster bekannter Fall gilt – er ist datiert auf den 1. Dezember 2019 – wies keinerlei Verbindung auf.

Bei ihm handelt es sich um einen an Alzheimer erkrankten Mann, der vier oder fünf Mal hätte umsteigen müssen, wenn er mit dem Bus zum Markt gefahren wäre. "Weil er krank war, ging er im Grunde nicht hinaus", sagte Wu Wenjuan, ein Mitverfasser der Studie und leitender Arzt im Jinyintan-Krankenhaus in Wuhan dem chinesischen Dienst der BBC.

Biologen-Team: Virus zirkulierte mehrere Monate lang unbemerkt

Der Markt mag zwar bei der Verbreitung eine Rolle gespielt haben – doch war dann der Ursprung? Nicht unbedingt.

So sehen es auch die Forscher um den Evolutionsbiologen Kristian Andersen, Professor am Scripps Research Institute. Das Team ging in einer in "Nature" veröffentlichten Studie gezielt der Frage nach, ob das Virus künstlich hergestellt worden sein könnte und untersuchte dazu Genomsequenzen bekannter Coronavirusstämme, darunter des Sars-CoV-2. Abgesehen davon, dass sie die Entstehung im Labor für nicht plausibel halten, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass das Virus in der menschlichen Population mehrere Monate lang "unbemerkt zirkuliert" haben könnte.

Dies deutet darauf hin, dass das Virus bereits Menschen infiziert hatte, bevor die Gruppe von Patienten, die mit dem Markt für Meeresfrüchte in Verbindung stehen, gemeldet wurde.

Mensch könnte das Virus auf den Markt gebracht haben

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"Das Szenario, dass jemand außerhalb des Marktes infiziert wird und es dann später auf den Markt bringt, ist eines der drei Szenarien, die wir in Betracht gezogen haben und die mit den Daten übereinstimmen", sagte Studienautor Andersen im Gespräch mit „Science“. "Es ist angesichts unserer aktuellen Daten und unseres derzeitigen Wissens völlig plausibel.“

Zumindest ist übereinstimmender Kenntnisstand, dass das Virus in der chinesischen Provinz Hubei zuerst aufgetreten ist – und der Huanan Seafood Market mindestens ein Ansteckungsort war. Ob jemals der Ursprungsort herausgefunden wird? Womöglich nicht. Noch unwahrscheinlicher ist es, dass Patient 0 gefunden wird.

Nach einem unbestätigten Bericht der "South China Morning Post" gab es bereits Mitte November einen Mann aus der Provinz Hubei, bei dem das Virus festgestellt worden ist. Nach offizieller chinesischer Lesart traten nach wie vor erst Ende Dezember 2019 die ersten Covid-19-Erkrankungen in Wuhan auf.

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