New York ruft Notstand aus – nach Masernausbruch werden Zwangsimpfungen angeordnet | The Weather Channel
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New York ruft Notstand aus – nach Masernausbruch werden Zwangsimpfungen angeordnet

Eine undatierte Abbildung, die mit Hilfe eines Transmissionselektronenmikroskops genmacht wurde, zeigt Teile eines Masernvirus. Zu dpa ("RKI: Zahl der Masern-Infektionen steigt - mehr Fälle als 2016"). ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur bei Nennung: Foto: Cynthia Goldsmith/Centers for Disease Contról and Prevention/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Masern galten als ausgerottet - nun ist die gefährliche wieder Infektionskrankheit weltweit auf dem Vormarsch.
(dpa)

Der Stadtteil Brooklyn erlebt gerade den schlimmsten Masernausbruch seit Jahrzehnten. Im Kampf gegen die hochansteckende Viruserkrankung greift die Stadt zu drakonischen Strafen.

New York City ruft nach einem Masernausbruch den Gesundheitsnotstand aus. In vier Postleitgebieten seien Impfungen nun verpflichtend, teilte Bürgermeister Bill de Blasio am Dienstag mit. Betroffen sind demnach Anwohner im Stadtteil Williamsburg in Brooklyn, wo seit September 285 Menschen die Masern bekommen haben.

Mit dem Notstand wird allen Ungeimpften der Nachbarschaft verordnet, sich einen Schutz gegen das Virus zu holen, auch Kindern über sechs Monaten. Wer sich weigert, riskiert eine Strafe von 1000 Dollar.

Größter Masernausbruch seit fast 30 Jahren

Der Masernausbruch ist seit 1991 der größte in New York City und betrifft vor allem die jüdisch-orthodoxe Gemeinde in Williamsburg. Vor wenigen Tagen verboten die New Yorker Behörden bereits Religionsschulen und Kindertagesstätten dieser Gemeinde, ungeimpfte Kinder zu betreuen. Sonst droht den Einrichtungen die Schließung.

„Wenn die Leute schnell mitmachen, wird niemand die Strafe zahlen müssen“, sagte de Blasio. Die hohe Zahl der Fälle bezeichnete er als Masern-„Krise“. Per Gesetz ist es dem Gesundheitskommissar der Stadt New York erlaubt, bei einer Gefahr für die öffentliche Gesundheit Verordnungen mit Strafandrohung auszugeben.

Ansteckungszahlen in jüdischer Religionsgemeinschaft wächst

Nördlich der Stadt New York, im Bezirk Rockland County, gibt es eine weitere jüdische Religionsgemeinschaft mit steigenden Masernfällen. Seit Oktober haben sich dort mindestens 166 Menschen angesteckt.

Die Gemeinde pflegt enge Beziehungen nach Brooklyn. Die Behörden in Rockland wollten ungeimpften Kindern zuletzt verbieten, sich an öffentlichen Orten aufzuhalten - Einkaufszentren, Schulen, Restaurants. Ein New Yorker Richter blockierte die Vorschrift aber.

2018 erlebt Europa ein Masernjahr – WHO schlägt Alarm

Auch in Europa sind Masern wieder auf dem Vormarsch. Wie die Weltgesundheitsorganisation berichtet, erreichte die Zahl der Infizierten im Jahr 2018 den höchsten Stand der vergangenen Jahre. Demnach infizierten sich in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 mehr als 41.000 Kinder und Erwachsene mit Masern.

„Das ist eine Tragödie, die wir einfach nicht akzeptieren können“, sagte Zsuzsanna Jakab, Regionaldirektorin im WHO-Europabüro in Kopenhagen. Grund für die steigende Zahl der Masernerkrankungen sei vor allem die zurückgehende Impfquote, hieß es von der WHO. In einigen Ländern sei teils auch auch kein Impfstoff verfügbar gewesen.

Impfpflicht wird auch in Deutschland ein Thema

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Die steigende Zahl der Erkrankungen hat europaweit wieder die Debatte über Impfpflicht in den Fokus gerückt. Länder wie Italien und Frankreich haben nach größeren Ausbrüchen in der jüngeren Zeit im Jahr 2018 eine verpflichtende Masernimpfung eingeführt. Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Debatte über eine Impfpflicht gegen Masern losgetreten hat, kommt auch hierzulande Bewegung in das Thema. Doch die Meinungen gehen stark auseinander.

Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch hat sich für die Einführung einer Masern-Impfpflicht ausgesprochen. „Dafür müssen die gesetzlichen Grundlagen auf Bundesebene geschaffen werden“, sagte die CDU-Politikerin am Mittwoch im Landtag. Die bisherigen Maßnahmen wie Impfaktionen oder Aufklärungskampagnen reichen nach Ansicht von Klepsch nicht aus. Es gehe vor allem darum, ob in Kitas künftig nur noch gegen Masern geimpfte Kinder aufgenommen werden sollten. Die Linke sprach sich im sächsischen Landtag ebenfalls für die Pflicht zur Schutzimpfung als Voraussetzung für die Aufnahme in Kita und Schule aus. Die AfD indes sieht eine gesetzliche Verpflichtung kritisch.

Bundesweite Impfpflicht wird diskutiert

Klepsch begrüßte den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Spahn, der sich jüngst für eine Masern-Impfpflicht in Kindergärten und Schulen ausgesprochen hatte. Der Minister sei derzeit mit den Ländern darüber im Gespräch, hieß es. Die Grünen sehen in einer gesetzlichen Impfpflicht lediglich ein „letztes Mittel“ und setzen stattdessen auf Aufklärung und Impfberatung.

In Brandenburg wollen sich die rot-roten Regierungsfraktionen und die oppositionelle CDU im Landtag mit einem fraktionsübergreifenden Antrag für eine bundesweite Impfpflicht gegen Masern einsetzen.

Masern fangen mit grippeähnliche Symptomen an

Masernviren sind extrem ansteckend und werden beim Sprechen, Husten oder Niesen über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen. Die Erkrankung geht zunächst mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. Die Infektion schwächt das Immunsystem immens, weitere Infektionen sind darum eine häufige Folge.

Eine gefürchtete Folge ist eine Gehirnentzündung, die Masern–Enzephalitis, die tödlich oder mit bleibenden Schäden enden kann. Als Spätfolge einer Maserninfektion kann sich zudem nach Jahren eine sogenannte subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) ausbilden, eine Entzündung der Nervenzellen des Gehirns und des Rückenmarks. Sie führt zum Ausfall von Gehirnfunktionen und schließlich zum Tod - Heilungsmöglichkeiten gibt es bislang nicht.

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