Garten in nachhaltige Wohlfühl-Oase verwandeln und dabei noch Energiekosten sparen | The Weather Channel
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Garten in nachhaltige Wohlfühl-Oase verwandeln und dabei noch Energiekosten sparen

Planting spring flowers in sunny garden
Die Pflanzenauswahl ist wichtig – auch für die Tiere
(GettyImages)

Den eigenen Garten in eine nachhaltige Oase zu verwandeln, in der sich Tiere, Pflanzen und Menschen gleichermaßen wohl fühlen, ist gar nicht so schwer.

Eine Gartenexpertin verrät, wie man natürliche Ressourcen im Garten schont und möglichst viele tierische Bewohner anlockt.

Insektensterben hat viele Menschen aufgeschreckt

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: Dabei darf nur so viel Holz genutzt werden, wie nachwachsen kann. Auf einen Garten lässt sich das Konzept nicht so ohne weiteres übertragen. „Ein Garten ist kein Naturschutzgebiet“, sagt Melanie Konrad, NABU-Gartenexpertin und Diplomingenieurin für Landschafs- und Freiraumplanung. „Gärtnerinnen und Gärtner gestalten ihn nach eigenen Wünschen, um ihre Freizeit darin zu verbringen oder um Zierpflanzen sowie Obst und Gemüse anzubauen.

Aber Gärten sind auch Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Deshalb sollten wir ihn als natürliche Lebensgrundlage erhalten und darin nicht gegen, sondern mit der Natur arbeiten.“ Vielen Arten und Ökosystemen geht es ihr zufolge schlecht. Deutlich wurde dies etwa durch das Insektensterben – Bürgerbegehren zur Rettung der Bienen etwa haben das Problem ins Bewusstsein vieler Menschen gerückt. „Es ist wichtig, dass Tiere wie Insekten und Vögel auch in den Gärten einen Lebensraum haben“, sagt Konrad. „Tiere wandern in unsere Siedlungen hinein – beispielsweise die Amsel, die ursprünglich ein Waldvogel ist. Unsere Gärten sind für sie wichtige Oasen. Je vielfältiger und naturnäher sie gestaltet sind, desto besser.“

Natürliche Ressourcen im Garten schonen

Nachhaltigkeit im Garten fängt für Konrad schon beim Rasen an. „Ein kurz geschorener saftig grüner Rasen ist nicht nachhaltig “, sagt sie. „Da müssen ständig Ressourcen reingesteckt werden: Er muss regelmäßig gemäht, bei Trockenheit gewässert und gedüngt werden und das Ergebnis hält von selbst nicht lange an.“

Besser sei beispielsweise eine Blumenrasenmischung. Diese enthalte neben Gräsern auch blühende Wildstauden und Kräuter, die Pollen und Nektar bieten. Er könne ebenfalls betreten werden, brauche weniger Pflege und passe sich den Klimaverhältnissen besser an.

So spart man Energiekosten

Eine weitere Alternative: eine Blumenwiese. „Diese muss ich nur ein- bis zweimal im Jahr mähen, ich habe weniger Arbeit und kann mich an den Blüten und den Insekten erfreuen.“

Regionale und wiederverwendete Materialien sparen Ressourcen, Transport- und Energiekosten. Den Strauchschnitt kann man laut Konrad etwa für einen Reisighaufen oder eine Benjeshecke aus Totholz nutzen, Garten- und Küchenabfälle für den Kompost, alte Mauerziegel für einen Sitzplatz, eine alte Zinkbadewanne als Pflanzkübel. „So bekommt der Garten auch eine persönliche Note“, sagt sie.

Bodenleben fördern statt ständig düngen

Summer garden full of colorful flowers and butterflies flying around.
Im eigenen Garten sollte man auf Pestizide und Kunstdünger verzichten
(GettyImages)

Auch beim Umgang mit dem Boden des Gartens können die Besitzer einiges in Richtung Nachhaltigkeit verändern. „Böden speichern Wasser und CO2, liefern die Nährstoffe für Pflanzen und sind Lebensraum für unzählige Organismen. Im eigenen Garten sollte man auf Pestizide und Kunstdünger verzichten und besser das Bodenleben stärken. Das gefährdet weder Lebewesen noch Grundwasser und fördert gleichzeitig eine gute Bodenstruktur und den Humusaufbau“, sagt die Expertin.

Boden lieber lockern statt ständig umgraben

Im Gemüsebeet erhalten etwa Mischkulturen die Bodenfruchtbarkeit – etwa Fruchtfolgen, Gründüngerpflanzen und organische Dünger wie Hornspäne oder Kompost. Wer den Boden mit Pflanzen oder Mulch aus organischem Material bedecke, verhindere, dass er austrocknet und ungewollte Wildkräuter sprießen. Außerdem sollte der Boden nicht ständig umgegraben, sondern lieber ab und zu gelockert werden.

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Auf Staudenbeeten könne das Laub im Herbst verbleiben als Futter für Regenwürmer und Co. Ganz verzichten sollten die Hobbygärtner auf Plastikfolien, chemische und synthetische Mittel und auf Torf. „Für den Abbau von Torf für Blumenerde werden wertvolle Moore zerstört“, sagt Konrad. „Gärtner sollten ihren Boden daher eher mit Kompost verbessern und weniger auf Pflanzen setzen, die unbedingt sauren Boden benötigen, wie Rhododendren oder Azaleen. Das sollte uns unser Klima aber wert sein.“

Pflanzenauswahl ist wichtig – auch für die Tiere

Auch die Auswahl der Pflanzen spielt eine Rolle in einem naturnahen Garten. „Dazu sollte man erstmal genau schauen, wie der Boden beschaffen ist – etwa kalthaltig oder nicht, trocken oder feucht – und ob das Beet eher sonnig oder meist schattig ist“, rät Konrad. Auf Basis dieser Infos können dann Pflanzen ausgesucht werden, die zum Standort passen. „Dann fühlen sie sich auch direkt wohl, es wird weniger Wasser und weniger Dünger gebraucht. Als Gärtnerin kann ich schauen, was sich gut entwickelt und greife nur lenkend ein.“

Auch mit dem heimischen Klima kämen diese Pflanzen besser klar als Exoten. Konrad empfiehlt vor allem heimische Wildstauden und regionale Obst- und Gemüsesorten aus ökologischem Anbau. Viele verschiedene Blütenpflanzen, die abwechselnd über das ganze Jahr Blüten tragen, helfen laut Konrad auch den tierischen Gartenbewohnern Nahrung zu finden: „Für früh fliegende Hummeln sind das etwa die Schneeglöckchen und für Gartenvögel Sträucher, die Beeren tragen. Blütenpflanzen locken außerdem Schmetterlinge, Käfer, Fliegen und Bienen an, die nicht nur wichtige Bestäuber unserer Kulturpflanzen sind, sondern auch Nahrung für andere Tiere, wie Igel, Eidechsen oder Fledermäuse“

Weiteren Lebensraum für die Tiere schaffen

Cute hedgehog hiding under leaf in Romanian forest
Tiere brauchen Verstecke, deshalb sollte der Garten nicht zu sehr aufgeräumt werden
(GettyImages)

Neben den richtigen Pflanzen rät die Gartenexpertin mit Kleinstrukturen möglichst viele Tiere in den Garten zu locken. Generell sollte man dafür den Garten nicht zu sehr aufräumen. „Tiere brauchen Verstecke vor Feinden und geschützte Nist- und Überwinterungsplätze. Das können Steinhaufen für Eidechsen oder Reisighaufen und dornige Hecken oder Sträucher sein“, sagt sie. Auch ein Teich, Totholz oder offene Bodenflächen seien eine gute Ergänzung, ebenso wie zusätzliche Nisthilfen für Insekten und Vögel.

Schädlinge durch Tiervielfalt bekämpfen

Bei einer Tiervielfalt erledigt sich auch häufig das Schädlingsproblem: Laufkäfer vertilgen Schneckeneier, Blattläuse und Raupen werden von Vögeln gefressen und auch bei Marienkäfern und Florfliegen stehen die Blattläuse auf dem Speiseplan.

Auch Balkonbesitzer können ihr kleines Refugium naturnah gestalten. „Hier kann man vor allem mit der Pflanzenauswahl viel tun“, sagt Konrad. „Es gibt viele schöne heimische Stauden, Beerensträucher oder Kletterpflanzen, die auch auf dem Balkon überwintern, außerdem Frühblüher wie Winterlinge, Blaustern und Traubenhyazinthe, die im Herbst gesteckt werden können. So muss man nicht jedes Jahr den Balkon neu bepflanzen.“

In den Kübeln und Töpfen sollte man ebenfalls auf torffreies Substrat setzen. Und selbst auf einem Balkon kann man mit einer Wurmkiste aus Küchenabfällen eigenen Humus erzeugen. Wichtig bei Balkonen sei, eine insektenfreundliche warm-gelbe LED-Beleuchtung zu installieren und störende künstliche Helligkeit so gut wie möglich zu minimieren – etwa mit Zeitschaltuhren.

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