Erneut Gefahr in Spanien: „Die Unwetter sind noch nicht vorbei“ | Weather.com
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Erneut Gefahr in Spanien: „Die Unwetter sind noch nicht vorbei“

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Nach den schweren Unwettern in Spanien mit mindestens 95 Toten drohen weitere Regenfälle.

Der Wetterdienst Aemet gab eine Hochwasserwarnung für die gesamte Provinz Castellón aus, die sich ebenfalls in der von heftigen Regenfällen am Dienstag stark getroffenen Mittelmeerregion Valencia befindet. Sie war bisher von dem Wetterphänomen „Kalter Tropfen“ verschont geblieben, das jetzt gen Nordosten weiterzieht.

„Bleiben Sie zu Hause!“

„Die Unwetter sind noch nicht vorbei“, warnte auch Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bei einem Besuch in Valencia. Dort sicherte er den Menschen die Unterstützung der Zentralregierung in Madrid zu. Alleine in Valencia selbst und der gleichnamigen Provinz ist die Zahl der Toten auf mindestens 155 gestiegen. Das teilte die Regionalregierung am Donnerstagnachmittag mit.

Auch die Regierung der Balearen rief die Bevölkerung vor allem auf den beliebten Urlaubsinseln Mallorca und Menorca zu größter Vorsicht in den kommenden Tagen auf. Dort galt die Warnstufe orange, die zweithöchste. In Spanien steht wegen des Feiertags ein langes Wochenende bevor, das gewöhnlich viele Spanier für Reisen nutzen. Doch Sánchez appellierte an die Menschen in den betroffenen Provinzen Valencia und Castellón: „Bleiben Sie zu Hause!“ Es sei wichtig, auf die Warnungen der Behörden zu achten und deren Empfehlungen zu befolgen, sagte er weiter.

Debatte über besseren Hochwasserschutz - Bauwut am Pranger

Die jüngste Hochwasserkatastrophe hat in Spanien eine Debatte darüber ausgelöst, wie sich solche Tragödien künftig verhindern lassen. Experten fordern eine umfassende Überprüfung und Verbesserung der Hochwasserschutzpläne. Die Situation in der Mittelmeerregion habe sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, insbesondere durch das massive Bevölkerungswachstum, den Tourismusboom und die damit verbundene Bauwut. Zumal Extremwetterereignisse wie diese durch den Klimawandel immer wahrscheinlicher würden, heißt es.

Der Aktionsplan zur Verhütung von Hochwasserrisiken wurde in Valencia zuletzt 2015 aktualisiert. Dort wird festgehalten, dass zwölf Prozent der sogenannten Autonomen Gemeinschaft (entspricht einem Bundesland in Deutschland) mit 600.000 Bewohnern hochwassergefährdet sind. José Vicente Sánchez Cabrera, Professor für Raum- und Stadtplanung an der Universität Valencia, sieht dringenden Handlungsbedarf, da das Risikogebiet inzwischen viel größer sei: "Man muss die Pläne aktualisieren", forderte er. In der betroffenen Region gibt es inzwischen eine sehr hohe Dichte etwa an Straßen und Eisenbahnlinien, die quer zu Flüssen verlaufen und deshalb bei Überschwemmungen einen Staueffekt verursachen. Die überschwemmten Dörfer liegen links von der Autobahn, und die Infrastruktur stellt eine Blockade dar, so Jorge Guillén vom Spanischen Nationalen Forschungsrat (CSIC). Zur Entschärfung der Lage schlagen Experten vor, die neuen und größeren Risiken bei der Stadtplanung stärker zu berücksichtigen sowie naturbasierte Maßnahmen wie das Anpflanzen von Ufervegetation.

Wurde zu spät gewarnt?

Diskutiert wurde auch über die Frage, ob die Behörden die Bürger zu spät gewarnt haben. Fest steht: Der Wetterdienst Aemet rief bereits am Dienstagmorgen gegen 7.30 Uhr die höchste Warnstufe aus, was sehr hohe Gefahr bedeutet. Und Medien berichteten groß darüber. Aber es stimmt auch, dass die Warnungen des Zivilschutzes am Dienstag erst kurz nach 20 Uhr an die Handys aller Menschen in der Region Valencia gingen. Dabei habe es aber schon Stunden vorher zu regnen begonnen, merkten Kritiker und Medien an.

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Aber die meisten Medien, die Experten und Politiker sind sich einig: Für Schuldzuweisung und Aufarbeitung der Verantwortlichkeiten ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, wie unter anderem Valencias Regionalpräsident Carlos Mazón betonte.

Sein Amtskollege in Kastilien-La Mancha, Emilano Garcia Page, meinte: "Wer glaubt, eine Zauberformel zu haben, um Naturkatastrophen vorherzusehen, begeht ein großes Unrecht. Und vor allem erzeugt er Angst und Wut in schwierigen Zeiten." Zahlreiche Experten erklärten unisono, man könne die Entwicklung eines solchen Unwetters nicht vorhersehen, da sich die Lage aufgrund der verschiedenen einwirkenden Faktoren oft nahezu minütlich ändere.

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