AKWs unter Druck: Donau wegen Niedrigwasser gesprengt | Weather.com
Advertisement
Advertisement

Wegen Rekord-Niedrigwasser in der Donau gerate AKWs unter Druck

Die Donau führt in Ungarn so wenig Wasser wie selten zuvor – mit drastischen Folgen für die Energieversorgung: Das Atomkraftwerk Paks wird erstmals seit seinem Bestehen vollständig heruntergefahren.

Das Kernkraftwerk MVM Paks, dessen Reaktor 3 aufgrund extrem niedriger Wasserstände an der Donau abgeschaltet werden musste. dpa
Das Kernkraftwerk MVM Paks, dessen Reaktor 3 aufgrund extrem niedriger Wasserstände an der Donau abgeschaltet werden musste.
(dpa)

Die extreme Trockenheit entlang der Donau entwickelt sich zunehmend zu einem Problem für die Stromversorgung in Osteuropa. In Ungarn wird das Atomkraftwerk Paks wegen des historisch niedrigen Wasserstands des Flusses vollständig abgeschaltet. Auch in Rumänien verschärft sich die Lage an einem Atomkraftwerk, das ebenfalls auf Donauwasser zur Kühlung angewiesen ist.

Ungarns wichtigstes Atomkraftwerk geht komplett vom Netz

Das AKW Paks liegt rund 100 Kilometer südlich von Budapest und bezieht Kühlwasser aus der Donau. Nach Angaben der ungarischen Regierung sollte in der Nacht zum Sonntag auch der letzte Reaktorblock heruntergefahren werden. Damit wäre das Kraftwerk erstmals seit 44 Jahren seines Bestehens komplett außer Betrieb.

Donau führt stellenweise nur noch ein Drittel des üblichen Pegels

Der Hintergrund: Die Donau führt an ihrem Unterlauf derzeit stellenweise nur noch etwa ein Drittel des für Juli üblichen Wasserstands. Gleichzeitig treibt die anhaltende Hitze den Stromverbrauch nach oben. Vor allem Klimaanlagen, Haushalte und öffentliche Einrichtungen belasten das Netz zusätzlich.

Regierung warnt vor Engpässen und ruft zum Stromsparen auf

Die ungarische Regierung warnt deshalb vor einer angespannten Versorgungslage. Großverbraucher in der Industrie könnten bei ausbleibenden Einsparungen mit Einschränkungen rechnen. Nach Regierungsangaben würden durch den Ausfall von Paks rund 2.000 Megawatt aus der heimischen Stromproduktion wegfallen. Mehrere Unternehmen, darunter Mercedes und Suzuki, kündigten bereits an, in ihren ungarischen Werken Strom sparen zu wollen.

Advertisement

Auch die Bevölkerung wurde aufgerufen, den Verbrauch während der Spitzenzeiten zwischen 17 und 22 Uhr möglichst zu senken. Nach Angaben von Regierungschef Peter Magyar liegt der Strombedarf an einem gewöhnlichen Sommerabend bei rund 6.000 Megawatt. Durch die Hitze könne dieser Wert um rund 20 Prozent steigen.

Auch in Rumänien verschärft sich die Lage

dpatopbilder - 03.08.2026, Rumänien, Izvoarele: Die rumänische Marine zündet Unterwassersprengstoff im Rahmen einer kontrollierten Sprengung von unter Wasser liegenden Felsen, um angesichts des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands der Donau die Wasserzufuhr zum Kernkraftwerk Cernavoda zu verbessern. Foto: Andreea Alexandru/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Die rumänische Marine zündet Unterwassersprengstoff im Rahmen einer kontrollierten Sprengung von unter Wasser liegenden Felsen, um die Wasserzufuhr zum Kernkraftwerk Cernavodă zu verbessern.
(dpa)

Doch nicht nur Ungarn ist betroffen. Auch in Rumänien setzt das Niedrigwasser der Donau die Energieversorgung unter Druck. Dort ist der Betrieb eines Atomkraftwerks gefährdet, weil auch dort Flusswasser zur Kühlung benötigt wird.

Notmaßnahmen am Fluss sollen die Lage entschärfen

Nach einem Bericht wurden sogar Maßnahmen an einem Donauarm eingeleitet, um den Wasserzufluss zu verbessern. Die rumänische Marine zündete Unterwassersprengstoff im Rahmen einer kontrollierten Sprengung von unter Wasser liegenden Felsen, um angesichts des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands der Donau die Wasserzufuhr zum Kernkraftwerk Cernavodă zu verbessern.

Zudem ist von einer Unterwasserbarriere die Rede, die mehr Wasser in die Alte Donau lenken soll. Der stellvertretende Stabschef der rumänischen Seestreitkräfte, Marcel Neculae, sagte: „Im Rahmen der Einsatzgruppe für Energiealarm haben Spezialisten den Fall analysiert und beschlossen, am Bala-Arm eine Unterwasserbarriere zu errichten, mit dem Ziel, einen beträchtlichen Anteil des Flussabflusses in die Alte Donau umzuleiten. Wir rechnen damit, dass diese Hilfsmittel morgen eintreffen.“

Bereits ein Reaktor abgeschaltet

Dem Bericht zufolge wurde in Rumänien bereits ein Reaktor abgeschaltet. Außerdem sei für den gesamten August ein landesweiter Notstand ausgerufen worden. Die Entwicklung zeigt, wie stark lang anhaltende Hitze, Trockenheit und Niedrigwasser inzwischen auch sensible Infrastruktur in Europa treffen können.

Advertisement