Sturmtief Zacharias wütet am Dienstag weiter | Weather.com
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Lage bleibt angespannt: Sturmtief Zacharias wütet am Dienstag weiter

08.08.2023, Dänemark, Loekken: Badehäuser treiben während eines Sturms im Wasser der Nordsee. Ein aufziehendes Unwetter hat in Skandinavien zu Überschwemmungen, Bränden und Wasserschäden geführt. Foto: Henning Bagger/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In Skandinavien wütete Sturmtief Zacharias heftiger als in Deutschland. In Norwegen, Schweden und Dänemark kam es zu Überschwemmungen, Bränden und Wasserschäden. Das Bild zeigt Badehäuser in Loekken (Dänemark), die während des Sturms in die Nordsee gerissen wurden.
(Henning Bagger/Ritzau Scanpix Foto/AP/dpa)

Sturmböen fegen seit Montag durch Deutschland und die skandinavischen Nachbarländer. Das Sturmtief Zacharias zeigt sich für die Jahreszeit ungewöhnlich heftig. In Deutschland sind größere Schäden bisher jedoch ausgeblieben. Anders sieht es in Skandinavien aus.

Das Sturmtief Zacharias hat den Norden am Montag ordentlich durchgepustet. In Hamburg-Iserbrook stürzte eine 20 Meter hohe Linde auf ein Reihenhaus und beschädigte Wand und Dach. Nach Angaben der Feuerwehr hatte eine Sturmböe den 1,5 Meter dicken Stamm des Baumes im Wurzelbereich gespalten. In Barmbek-Süd drohte ein 15 Meter hoher Baum auf ein Café zu fallen, konnte aber von Höhenrettern und einem Kran gesichert werden, wie die Feuerwehr mitteilte. Bis zum Nachmittag verzeichnete die Feuerwehr nach eigenen Angaben 34 wetterbedingte Einsätze.

Am Abend überspülte eine Sturmflut den Hamburger Fischmarkt. Nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) stieg das Wasser der Elbe bis 21.44 Uhr auf rund 1,5 Meter über das mittlere Hochwasser und schwappte damit über die Kaikanten am Fischmarkt. Bereits am Nachmittag hatte die Polizei dazu geraten, das betroffene Gebiet zu meiden und vor allem tiefer gelegene Gebiete zu verlassen, insbesondere in Elbnähe, sowie der Hafencity und im Hafen. Fahrzeuge sollten in höher gelegene Gebiete gebracht werden. Das Lagezentrum der Polizei schickte am Abend eine Entwarnung.

Verkehrsbehinderungen bis Dienstag möglich

Wegen des stürmischen Wetters änderten auch die Reedereien ihre Fahrpläne zu den Inseln und Halligen in Nordfriesland. Auf der Hallig-Linie der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) fielen Verbindungen am Montagnachmittag aus. Zuvor hatte es deshalb Zusatzverbindungen gegeben. Weitere Abfahrten am Abend und Dienstagmorgen wurden abgesagt. Die Neue Pellwormer Dampfschiffahrts GmbH verlegte die letzten Abfahrten am Montag um rund zwei Stunden vor.

Auch Bahnreisende mussten sich am Montag in Schleswig-Holstein auf erhebliche Beeinträchtigungen des Zugverkehrs einstellen. Wie die Deutsche Bahn auf Twitter mitteilte, könne es aufgrund des Unwetters noch bis zum Dienstag zu Beeinträchtigungen kommen. Da der Boden wegen des anhaltenden Regens sehr aufgeweicht sei, müsse damit gerechnet werden, dass in Gleisnähe Bäume umstürzen könnten, sagte eine Bahnsprecherin der Deutschen Presse-Agentur.

Bange blickten die Veranstalter der Multivan Kitesurf Masters in St. Peter-Ording auf das Wetter. Die Veranstaltung soll eigentlich von Mittwoch bis Sonntag stattfinden. Doch wegen des Sturms und des Hochwassers stehe das Sportevent auf der Kippe, teilte der Veranstalter Choppy Water GmbH am Montag mit. In der Nacht werde sich zeigen, ob die Veranstaltung stattfinden könne. Bei den Multivan Kitesurf Masters wird der Titel des “Deutschen Meisters“ vergeben. Bis Sonntag würden Zehntausende Besucher erwartet, hieß es.

Sturm knickt Windrad bei Gnoien ab

dpatopbilder - 07.08.2023, Mecklenburg-Vorpommern, Dölitz: Die Reste eines vom Sturm abgeknickten Windrades stehen auf einem abgeernteten Rapsfeld. Vermutlich verursacht durch eine heftige Windböe ist in dem Windpark südlich von Gnoien ein Windrad zerstört worden. Beamte sperrten das Gebiet ab, Verletzte habe es nicht gegeben. Die anderen fünf Turbinen in dem Windpark seien vorsorglich angehalten worden. Foto: Jens Büttner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die heftigen Windböen zerstörten am Montagvormittag in einem Windpark südlich von Gnoien (Landkreis Rostock) eine Windkraftanlage. Wie die Polizei mitteilte, waren zunächst Teile eines Rotorblattes abgerissen. Danach sei der gesamte Turbinenblock abgeknickt und zu Boden gestürzt.

Eine Gefahr für Personen habe nicht bestanden. Doch habe die Polizei vorsorglich die angrenzende Landstraße zwischen Jördenstorf und Gnoien gesperrt. Gegen 14.00 Uhr sei die Strecke wieder freigegeben worden. Die Polizei schätzte den entstandenen Schaden auf etwa 50 000 Euro.

DWD warnt vor Sturmböen bis Dienstagabend

Ab Nachmittag nimmt der Wind wieder an Fahrt auf

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat wegen des Sturmtiefs bis Dienstagabend eine Sturmwarnung für den Norden Deutschlands herausgegeben. Es werden verbreitet stürmische Böen oder Sturmböen aus Nordwest zwischen 60 und 75 Kilometern pro Stunde erwartet.

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Dass es zu dieser Jahreszeit zu Sturmtief Zacharias kommt, ist sehr ungewöhnlich. In der Regel treten so starke Stürme eher im Herbst und nicht im Hochsommer auf. Zacharias ist durch den Zusammenschluss von zwei Tiefdruckgebieten entstanden, die von Großbritannien und Italien in Richtung Polen gezogen sind. Das Hauptwindfeld befindet sich über der Ostsee, weshalb die Ostseeküste insgesamt stärker von dem Sturm betroffen war.

Zug entgleist nach schweren Regenfällen in Schweden

dpatopbilder - 07.08.2023, Schweden, Hudiksvall: Ein entgleister Personenzug mit 120 Fahrgästen liegt neben den Schienen. In der Nähe von Hudiksvall rund 300 Kilometer nördlich von Stockholm entgleisten zwei Waggons eines Passagierzuges. Der Bahndamm habe an der Stelle wegen des kräftigen Regens nachgegeben, teilte die schwedische Polizei mit. Foto: Mats Andersson/TT News Agency/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
(Mats Andersson/TT News Agency/AP/dpa)

Während Deutschland noch glimpflich davonkam, hat Sturmtief Zachariades in Skandinavien schwere Schäden verursacht. Es kam zu Überschwemmungen, Bränden und Wasserschäden. Sowohl Schweden als auch im benachbarten Norwegen kam es zu heftigen Regenfällen. Im Bahn-, Fähr- und Luftverkehr kam es in den beiden Ländern zu Verspätungen, Streckensperrungen und Fahrtabsagen. Manche Straßen wurden überflutet und mussten ebenfalls gesperrt werden.

In der Nähe von Hudiksvall rund 300 Kilometer nördlich von Stockholm entgleisten zwei Waggons eines Passagierzuges. Der Bahndamm habe an der Stelle wegen des kräftigen Regens nachgegeben, teilte die schwedische Polizei mit. Drei Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden - das Ausmaß ihrer Verletzungen sei unklar.

In Skandinavien bleibt die Lage angespannt

Bereits am Sonntag waren in Schweden nach Beginn des Unwetters mehr als 25.000 Blitze registriert worden. Im südschwedischen Malmö gab es nach Angaben des Rundfunksenders SVT einen größeren Stromausfall, von dem vorübergehend über 5000 Haushalte betroffen waren. Unter anderem in der Region Västernorrland Hunderte Kilometer weiter nördlich wurden Überschwemmungen in Häusern und Kellern gemeldet.

Norwegische Meteorologen rechneten damit, dass sich die Lage in ihrem Land weiter verschärfen und sich das Unwetter vielerorts zu einem der kräftigsten der vergangenen 25 Jahre entwickeln wird. Das Meteorologische Institut des Landes gab Unwetterwarnungen für große Teile Südnorwegens heraus, die noch bis zum Dienstagabend galten. In mehreren Gemeinden wurde auch vor Erdrutschen gewarnt. Behörden rieten dazu, von zu Hause aus zu arbeiten. In Erwartung von kräftigem Wind kündigte der Freizeitpark Kongeparken in Ålgård bei Stavanger bereits an, am Dienstag geschlossen zu bleiben.

Auch in Dänemark war die Lage am Montag regnerisch, stürmisch und ungemütlich. Mehrere Polizeibezirke meldeten umgestürzte Bäume.

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